{"id":1016,"date":"2016-07-21T21:25:20","date_gmt":"2016-07-21T19:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1016"},"modified":"2016-07-21T21:25:20","modified_gmt":"2016-07-21T19:25:20","slug":"purer-gesang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/07\/21\/purer-gesang\/","title":{"rendered":"Purer Gesang"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 901 1964-6; EAN: 7 60623 19646 6<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/0058.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1017\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1017\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/0058-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"338\" height=\"293\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/0058-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/0058-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/0058.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 338px) 100vw, 338px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gemeinsam mit den Hamburger Symphonikern spielt Vladimir Soltan f\u00fcr die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm Klarinettenkonzerte von Carl Nielsen und Jean Fran\u00e7aix ein sowie die Premi\u00e8re Rhapsodie f\u00fcr Klarinette und Orchester von Claude Debussy.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei vergleichsweise selten zu h\u00f6rende Klarinettenkonzerte offeriert das Deb\u00fctalbum von Vladimir Soltan (ob er mit dem gleichnamigen wei\u00dfrussischen Komponisten verwandt ist?). Als &#8222;neue Klarinettenkonzerte&#8220; bewarb er dieses Projekt auf Startnext und konnte es so via Croudfunding finanzieren &#8211; wie dort zu entnehmen, sollte statt Debussy \u00fcbrigens urspr\u00fcnglich das Konzert von Henri Tomasi zu h\u00f6ren sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wahre Perle der Klarinettenkonzertliteratur ist das Opus 57 des D\u00e4nen Carl Nielsen, dessen Musik nach wie vor hierzulande viel zu wenig bekannt ist. W\u00e4hrend seine Symphonien, eine Auswahl seiner Kammermusik und sein Violinkonzert mit Gl\u00fcck noch manchmal live zu erleben sind, kennt kaum jemand seine beiden Opern au\u00dfer deren Ouvert\u00fcren oder seine sp\u00e4ten Bl\u00e4serkonzerte &#8211; eines f\u00fcr Fl\u00f6te und das hier vorliegende f\u00fcr Klarinette. Der eins\u00e4tzige Opus 57 gl\u00e4nzt durch kreative Formerweiterungen, die trotz weiter R\u00e4ume steten Zusammenhang haben, die bestechen durch eing\u00e4ngige Melodien und das unerh\u00f6rte Charakteristikum des Konzerts, dem Solisten eine kleine Trommel als &#8222;Duettpartner&#8220; beizugesellen &#8211; welch ein herrlicher und unverwechselbarer Einfall! Die Premi\u00e8re Rhapsodie f\u00fcr Klarinette und Orchester von Claude Debussy zeigt den Komponisten in voller Pracht und beeindruckender Sch\u00f6nheit mit zarten Melodien, flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4ngen und h\u00f6chster Kunst der Instrumentation auf Grundlage der urspr\u00fcnglichen Klavierbegleitung. Eine Renaissance &#8211; nein, eine Naissance &#8211; darf endlich die Musik von Jean Fran\u00e7aix erfahren, der nun immer h\u00e4ufiger im Konzert geh\u00f6rt werden kann und eingespielt wird. Knappe zwanzig Jahre nach seinem Tod wird man auf die elegante Musik des Franzosen aufmerksam, die eine heitere Leichtigkeit und unverstellte Nat\u00fcrlichkeit verspr\u00fcht, treibende Rhythmen und t\u00e4nzerische Heiterkeit, die dennoch h\u00f6chste Anspr\u00fcche vertritt und zu keiner Sekunde ihre hohe Inspiration verliert oder spannungsm\u00e4\u00dfig abf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Widerpart des wei\u00dfrussischen Klarinettisten sind die Hamburger Symphoniker unter Jos\u00e9 Luiz Gomez. Der Klangk\u00f6rper bietet eine solide Klanggrundlage in warmem und dichtem Gestus, aus welchem Gomez in den meisten F\u00e4llen alle wichtigen Stimmen hervortreten lassen kann. Die orchesterinternen Solisten fallen durch ein hohes Ma\u00df an Musikalit\u00e4t und Integration ihrer Soli in den Fluss des Geschehens auf. Die Tempowechsel in Nielsens Konzert geraten hingegen oft unorganisch und stockend, allgemein verliert Gomez phasenweise die klare strukturelle Orientierung und agiert folglich etwas benebelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wahrhafte und kontinuierliche Freude beim Zuh\u00f6ren l\u00f6st Vladimir Soltan aus. Nicht nur, dass er sein Instrument bis ins letzte Detail beherrscht, nein, auch einen besonderen Klang entlockt er ihm. Es ist purer Gesang, der der Klarinette entstr\u00f6mt, sei es in zarten Kantilenen, in gro\u00dfen Tutti oder halsbrecherischen L\u00e4ufen, die bei Soltan eine beherzte Frische und Heiterkeit atmen und niemals das Ideal der menschlichen Stimme vergessen. Die Regel best\u00e4tigen wenige Ausnahmef\u00e4lle, wenn Soltan gegen das volle Orchester anzuk\u00e4mpfen hat, wobei dies den unter Gomez zu massiv agierenden Symphonikern geschuldet ist und nicht dem Solisten, der nur seine Hauptstimme verteidigen muss. Vladimir Soltan besticht mit beeindruckendem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen in die Musik und versteht tiefe Zusammenh\u00e4nge wie auch den lyrischen Moment, welchen er auszukosten vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf ein zweites Album kann man sich nur freuen und hoffen, dass Soltan noch mehr unbekannte Klarinettenliteratur in \u00fcberzeugender Darbietung ins Licht r\u00fccken kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juli 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 901 1964-6; EAN: 7 60623 19646 6 Gemeinsam mit den Hamburger Symphonikern spielt Vladimir Soltan f\u00fcr die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm Klarinettenkonzerte von Carl Nielsen und Jean Fran\u00e7aix ein sowie die Premi\u00e8re Rhapsodie f\u00fcr Klarinette und Orchester von Claude Debussy. 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