{"id":1065,"date":"2016-08-05T17:52:21","date_gmt":"2016-08-05T15:52:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1065"},"modified":"2016-08-09T21:42:57","modified_gmt":"2016-08-09T19:42:57","slug":"dante-mit-bildern-bei-mondschein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/08\/05\/dante-mit-bildern-bei-mondschein\/","title":{"rendered":"Dante mit Bildern bei Mondschein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gramola 99083; EAN: 9 003643 990838<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0061.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1066\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1066\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0061-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"328\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0061-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0061-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0061.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr Gramola spielt die geb\u00fcrtige Japanerin Yuko Batik Ludwig van Beethovens Sonata quasi una fantasia Nr. 14 cis-Moll op. 27, 2 mit dem bekannten Beinamen &#8222;Mondschein-Sonate&#8220;, Franz Liszts Fantasia quasi Sonata &#8222;Apr\u00e8s une lecture de Dante&#8220; und Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung auf einem B\u00f6sendorfer-Fl\u00fcgel ein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind bekannte Werke, die Yuko Batik f\u00fcr ihre CD-Einspielung &#8222;Pictures&#8220; ausw\u00e4hlte, und entsprechend hoch sind die Erwartungen wie auch die Anspr\u00fcche. Bei Beethovens Sonata quasi una fantasia gibt Batik einen warmen und vollen Ton vor mit einer wohligen W\u00e4rme. Was mich dabei leider sehr st\u00f6rt, sind im ersten Satz die fortw\u00e4hrenden, standardisiert-mechanischen Ritenuti auf den n\u00e4chsten Taktschwerpunkt hin, da dieser Effekt unweigerlich abstumpft, sowie, dass im dritten Satz die Sforzati unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stark aus dem Kontext herausknallen. Vergleichsweise am stimmigsten ger\u00e4t der zweite Satz, der in aller Schlichtheit und K\u00fcrze eine herrliche Farbenpracht offeriert. Allgemein habe ich jedoch das Gef\u00fchl, Yuko Batik habe nur rudiment\u00e4r Bewusstsein \u00fcber das Spektrum der Spannung in diesem progressiven Werk, zu sehr verharmlost sie die stechenden Dissonanzen und die engen Griffe in der tiefen Lage, die Kernelemente des harmonischen Reizes darstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitaus am \u00fcberzeugendsten gelingt Liszts gro\u00df angelegte &#8222;Apr\u00e8s une lecture de Dante: Fantasia quasi Sonata&#8220; aus den Ann\u00e9es de p\u00e9lerinage. Knappe zwanzig Minuten dauert das eins\u00e4tzige Werk und verlangt h\u00f6chste Virtuosit\u00e4t und ein reiches Spektrum an Klangqualit\u00e4ten und Dynamikabstufungen. Genau damit besticht Batik bei der Fantasia: Die Pianistin l\u00e4sst die Zusammenh\u00e4nge der divergierenden Abschnitte ans Licht treten und den H\u00f6rer die ausgedehnte Form verstehen, die ihr in einem gro\u00dfen Bogen zusammenzuhalten gelingt, ohne dabei die flie\u00dfende Unbeschwertheit zu verlieren. Die Expressivit\u00e4t Batiks stimmt mit derjenigen ein, die Liszt in dieses Werk legte, so dass diese wie von sich heraus entstehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Modest Mussorgskys Bildern einer Ausstellung erklingt ebenso vieles ausgesprochen stimmig und nat\u00fcrlich, Yuko Batik pr\u00e4sentiert einen durchsichtigen und abgestuften Klang, welcher sich warm und abgerundet gibt. Woran es noch etwas fehlt, ist die Bildhaftigkeit, die die zeichnerischen Vorlagen musikalisch auferstehen und lebendig werden l\u00e4sst. So fehlen in Gnomus und Byd\u0142o die markante H\u00e4rte und das massive Gewicht, das gerade den Ochsenkarren charakterisiert, Il vecchio castello mangelt es an dem zauberhaften Schleier, der es mit minimalen Dynamikchangierungen der Gleichf\u00f6rmigkeit entrei\u00dfen k\u00f6nnte, Schmu\u00ffle h\u00e4lt sein nerv\u00f6ses Gestottere in den schnellen Triolen und Wechselnoten aufgrund unpassender Ritenuti nicht unter Spannung und verliert somit an Glaubhaftigkeit und Kontrast zu Goldenberg, die K\u00fcken haben nicht die unbeschwerte Leichtigkeit, und der Markt von Limoges wirkt zu &#8222;geordnet&#8220; anstelle des wimmelnden Chaos, welches ihn ausmacht. \u00dcberzeugen k\u00f6nnen hingegen die Promenade in all ihrer unendlichen Variationsbreite sowie die letzten drei Bilder (Catacombae &#8211; Cum mortuis in lingua mortua, Die H\u00fctte auf H\u00fchnerkrallen und das Bohatyr-Tor in Kiew), die am ausgefeiltesten, reflektiertesten und nat\u00fcrlichsten erklingen, w\u00e4hrend sie zugleich dem innermusikalischen Bild gerecht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juli 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gramola 99083; EAN: 9 003643 990838 F\u00fcr Gramola spielt die geb\u00fcrtige Japanerin Yuko Batik Ludwig van Beethovens Sonata quasi una fantasia Nr. 14 cis-Moll op. 27, 2 mit dem bekannten Beinamen &#8222;Mondschein-Sonate&#8220;, Franz Liszts Fantasia quasi Sonata &#8222;Apr\u00e8s une lecture de Dante&#8220; und Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung auf einem B\u00f6sendorfer-Fl\u00fcgel ein. 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