{"id":1073,"date":"2016-08-09T21:41:54","date_gmt":"2016-08-09T19:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1073"},"modified":"2016-08-09T21:41:54","modified_gmt":"2016-08-09T19:41:54","slug":"swinging-cello","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/08\/09\/swinging-cello\/","title":{"rendered":"Swinging Cello"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">SWR Music, Vertrieb: Naxos, SWR19002CD; EAN: 7 47313 90028 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0063.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1074\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1074\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0063-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"381\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0063-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0063-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/0063.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 381px) 100vw, 381px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Cellowerke des 1937 geborenen Nikolai Kapustin werden dargeboten von Christine Rauh. Ihre Mitstreiter sind der Altsaxophonist Peter Lehel, der Pianist Benyamin Nuss, die Schlagzeugerin Ni Fan am Vibraphon sowie die Deutsche Radio Philharmonie Saarbr\u00fccken Kaiserslautern unter Leitung von Nicholas Collon.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann man diese Musik in den Bereich des Jazz einordnen, oder geh\u00f6rt sie doch eher in die klassische Sparte, ist sie gar beides zugleich oder keines davon? Das \u0152uvre des ukrainischen Komponisten und Pianisten Nikolai Kapustin wirft immer wieder diese Fragen auf. Selbst sah sich Kapustin nie als einen Jazzpianisten, doch sagte er zugleich, er m\u00fcsse dies sein, alleine wegen des Komponierens. Meist sind verschiedene der unz\u00e4hligen Klavierkompositionen Kapustins zu h\u00f6ren, nicht bekannt hingegen sind die Werke f\u00fcr andere Instrumente. Dem entgegenwirkend spielte nun Christine Rauh Werke f\u00fcr das Violoncello ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Cellistin trumpft auf mit einer unb\u00e4ndigen Leichtigkeit und Spielfreude auf, die fr\u00f6hlich springend beinahe an eine Operettens\u00e4ngerin erinnert, die mit keckem non legato ihren Ambitus austestet und dabei jeden Ton als singul\u00e4res Ereignis genie\u00dft. Auch gelingt Rauh eine selten klare und reine Tongebung auch in den hohen Lagen. Das Cantabile beherrscht die Solistin ebenso in \u00fcberzeugend nat\u00fcrlicher und feingliedriger Weise, \u00fcberrascht dabei mit recht wenig und daf\u00fcr flexibel den Gegebenheiten angepasstem Vibrato, wodurch sie einem Gro\u00dfteil ihrer Kollegen um L\u00e4ngen voraus ist, bei welchen ein mechanisches Vibrato in unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfem Ambitus der Regelfall ist. Allgemein ist Christine Rauh ein unverkennbarer Feinsinn zuzuschreiben, mit wachem und gewandtem Geist den musikalischen Charakter zu erfassen und unmittelbar mit dem Klang ihres Cellos darauf zu reagieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei Mitstreiter Rauhs sind ebenso durchgehend auf hohem musikalischen Niveau und zeigen gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Musik Kapustins. Peter Lehel l\u00e4sst wahrlich den Spirit des Swing auferstehen im Duet for Cello and Alto Saxophone Op. 99, mit rein sanglichem und rundem Klang spielt er absolut auf Rauh abgestimmt, f\u00fchlt innerlich jeden Ton und kostet ihn voll aus. In der Sonata for Cello and Piano No. 2 Op. 84 sowie im Nearly Waltz Op. 98, der Elegy Op. 96 und der Burlesque Op. 97 ist Benyamin Nuss zu h\u00f6ren (\u00fcbrigens Neffe von Hubert Nuss, dem gefragten Jazzpianisten). Er h\u00e4lt sich haupts\u00e4chlich in den sanft zur\u00fcckhaltenden Gefilden auf, die er eher fl\u00e4chig auszugestalten wei\u00df, wobei er durch rhythmische Finesse besticht. Vibraphon gibt es in zwei der acht Konzertet\u00fcden Op. 40, welche Christine Rauh aus dem Klavieroriginal f\u00fcr die Schlagwerkerin Ni Fan und sich arrangierte. Ein ganz eigener Klang entsteht in dieser ungew\u00f6hnlichen Kombination, der durchaus funktioniert. Ni Fan fliegt in schier unglaublicher Virtuosit\u00e4t \u00fcber ihr Instrument, und das mit einer unbek\u00fcmmerten Gelassenheit, in der sie ihre Stimme in aller Nat\u00fcrlichkeit und ohne jede &#8222;Einwirkung von au\u00dfen&#8220; gedeihen lassen kann. Gegen die bisher zu h\u00f6rende Qualit\u00e4t mag die Deutsche Radio Philharmonie Saarbr\u00fccken Kaiserslautern unter Leitung von Nicholas Collon direkt etwas plump wirken, die aufgeweckte und sprunghafte Seele der Solistin kann im Streichorchester kein Pendant finden. Zu gepresst und mit zu viel Druck, zu sehr &#8222;gewollt und gemacht&#8220; klingt das Tutti, die unbeschwerte Freiheit geht verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zugabe schrieb Christine Rauh zusammen mit Benyamin Nuss, eine Hommage \u00e0 Kapustin f\u00fcr Cello und Klavier. An die bisher erklungene Musik erinnert die Hommage in ihrer zarten Vertr\u00e4umtheit und breit angelegten Linie kaum, doch ist sie eine bezaubernde Nocturne, welche auch Rauhs tiefe Lagen einmal pr\u00e4sentiert und einen zartempfundenen Abschluss dieser ansonsten so belebten CD bildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, August 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SWR Music, Vertrieb: Naxos, SWR19002CD; EAN: 7 47313 90028 2 Cellowerke des 1937 geborenen Nikolai Kapustin werden dargeboten von Christine Rauh. 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