{"id":1116,"date":"2016-08-24T22:26:31","date_gmt":"2016-08-24T20:26:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1116"},"modified":"2016-08-24T22:26:42","modified_gmt":"2016-08-24T20:26:42","slug":"oberflaechlich-praesentierte-nebenwerke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/08\/24\/oberflaechlich-praesentierte-nebenwerke\/","title":{"rendered":"Oberfl\u00e4chlich pr\u00e4sentierte Nebenwerke"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Emil Nikolaus von Reznicek<br \/>\nIdyllische Ouvert\u00fcre \u201aGoldpirol\u2019 (1903), \u201aWie Till Eulenspiegel lebte\u2019 (1900), Konzertst\u00fcck f\u00fcr Violine und Orchester E-Dur (1918), Pr\u00e4ludium und Fuge c-moll f\u00fcr Orchester (1912), Nachtst\u00fcck f\u00fcr Violine und Kammerorchester (1905)<br \/>\nSophie Jaff\u00e9, Violine (Konzertst\u00fcck)<br \/>\nErez Ofer, Violine (Nachtst\u00fcck)<br \/>\nRundfunk-Sinfonieorchester Berlin<br \/>\nMarcus Bosch<br \/>\ncpo 777983-2 (EAN: 761203798322)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0002.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1117\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1117\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0002-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"428\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0002-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0002-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0002.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aus dem sp\u00e4tromantischen Umfeld der Kapellmeistermusik, als deren Anf\u00fchrer Richard Strauss und Gustav Mahler herausragen, ist Emil Nikolaus von Reznicek einer der charmantesten, reichsten, humorvollsten. Wie es sich geh\u00f6rt, ist die Orchestration ph\u00e4nomenal, von schwindelerregender Virtuosit\u00e4t, und \u00fcberhaupt ist die opulente handwerkliche Meisterschaft in allen Belangen staunen machend. Reznicek hat ja mit \u201aSchlemihl\u2019, dem \u201aSieger\u2019 oder der f-moll-Symphonie einige wirklich originelle und auch ziemlich substanzielle Werke geschrieben, die wie viele andere bei cpo unter der sehr soliden Leitung von Frank Beermann erschienen sind. Das war insgesamt erfreulich. Bei dieser neuen Folge handelt es sich \u2013 au\u00dfer dem recht umfangreichen Konzertst\u00fcck \u2013 um Nebenwerke, die ungef\u00e4hr so wichtig sind wie die Handgelenks\u00fcbungen von Richard Strauss \u2013 also gekonnt, gewitzt, um keinen Einfall verlegen, immer geeignet, um die Sammlung zu erg\u00e4nzen, und eben auch unwesentlich. Nicht alles, was ein Meister schreibt, muss vom Genie der Ewigkeit durchdrungen sein. Aber man k\u00f6nnte seine ungetr\u00fcbte Freude damit haben, wenn die Ausf\u00fchrung dies erm\u00f6glichte. Doch genau da w\u00e4re zumindest die gelb-rote Karte zu z\u00fccken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen heutige Rundfunk-Orchester das alles, auch wenn es so kaprizi\u00f6s hin- und hergeht und schelmisch irrlichtert wie es eben typisch f\u00fcr Reznicek ist, doch bleibt der Eindruck dann auch fast ausschlie\u00dflich an der Noten-Oberfl\u00e4che. Marcus Bosch dirigiert flott, flott, durchaus routiniert. Zu sagen hat er \u2013 nichts. Und die Solistin Sophie Jaff\u00e9 ist im dreiteilig angelegten Konzertst\u00fcck nicht nur \u00fcber Geb\u00fchr hervorgehoben, sondern kann inhaltlich nichts mit der Musik anfangen. So kommen nur Klischee-Eindr\u00fccke heraus, und es fehlt sowohl an suggestiver Gestaltung der Linie als auch an Feinheit des Ausdrucks. Da ist Erez Ofer \u2013 auch er viel zu sehr in den Vordergrund ger\u00fcckt \u2013 im Nachtst\u00fcck, das wie der langsame Satz einer Serenade anmutet, nun doch inniger bei der Sache, aber hat er wirklich eine Chance, damit auch das ganze Ensemble aus der Neutralit\u00e4t des kundigen Notenlesens heraus zu bewegen \u2013 nicht unter Bosch jedenfalls, der offenkundig unverbindlich bleibt. Die Ouvert\u00fcren \u201aGoldpirol\u2019 und \u201aWie Till Eulenspiegel lebte\u2019 \u2013 letztere eine offenkundige Referenz an den verehrten Meister Strauss, der allerdings zu jener Zeit die Weichen Richtung \u201aSalome\u2019 stellte \u2013 sind gute, in der L\u00e4nge dem Gehalt entsprechende St\u00fccke, die eine mitrei\u00dfendere, den Charakter ausdr\u00fccklicher entfaltende Darbietung verdient h\u00e4tten. Und die eigent\u00fcmliche \u201aFuge\u2019 ger\u00e4t unter Boschs H\u00e4nden ganz mau. Hatte man nur einfach keine Zeit, sich zu vertiefen, oder auch gar kein Bed\u00fcrfnis?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Aufnahmetechnik ist nicht nur hinsichtlich der unprofessionell isolierenden Zurschaustellung der Geigensolisten nicht auf dem erwarteten cpo-Niveau, der gut und \u00fcbersichtlich informierende Begleittext von Michael Wittmann \u2013 der nat\u00fcrlich nicht so pfiffig unterh\u00e4lt wie in den vorangegangenen Folgen Rezniceks \u201aalter ego\u2019 Eckhard van den Hoogen \u2013 hingegen schon. Nun, was machen wir damit? Stellen wir das routiniert gefertigte St\u00fcck ins Sammlerregal und \u2013 so wir denn Noten lesen k\u00f6nnen \u2013 sehen uns erst mal nach den Partituren um!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Annabelle Leskov, August 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emil Nikolaus von Reznicek Idyllische Ouvert\u00fcre \u201aGoldpirol\u2019 (1903), \u201aWie Till Eulenspiegel lebte\u2019 (1900), Konzertst\u00fcck f\u00fcr Violine und Orchester E-Dur (1918), Pr\u00e4ludium und Fuge c-moll f\u00fcr Orchester (1912), Nachtst\u00fcck f\u00fcr Violine und Kammerorchester (1905) Sophie Jaff\u00e9, Violine (Konzertst\u00fcck) Erez Ofer, Violine (Nachtst\u00fcck) Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Marcus Bosch cpo 777983-2 (EAN: 761203798322) Aus dem sp\u00e4tromantischen Umfeld der Kapellmeistermusik, &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/08\/24\/oberflaechlich-praesentierte-nebenwerke\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Oberfl\u00e4chlich pr\u00e4sentierte Nebenwerke<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[1108,1110,1111,1113,1112,1109],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1116"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1116"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1119,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1116\/revisions\/1119"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}