{"id":1124,"date":"2016-08-28T12:00:25","date_gmt":"2016-08-28T10:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1124"},"modified":"2016-08-25T10:44:26","modified_gmt":"2016-08-25T08:44:26","slug":"heimeliges-amerikabild","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/08\/28\/heimeliges-amerikabild\/","title":{"rendered":"Heimeliges Amerikabild"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Kevin Puts<br \/>\n2. Symphonie (2002), Rivers Rush (2004), Fl\u00f6tenkonzert (2013\/14)<br \/>\nAdam Walker, Fl\u00f6te<br \/>\nPeabody Symphony Orchestra<br \/>\nMarin Alsop<br \/>\nNaxos 8.559794 (EAN: 636943979426)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0003.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1125\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1125\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0003-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"311\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0003-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0003-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Leskov0003.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine neue CD mit Orchesterwerken von dem 1972 in St. Louis geborenen und an der Eastman School in Rochester ausgebildeten Kevin Puts \u2013 nachdem unl\u00e4ngst schon eine andere Orchester-CD von ihm bei harmonia mundi erschienen ist: hier scheint sich eine neue Hoffnung der Tontr\u00e4ger-Industrie auf mehr Breitenwirkung zeitgen\u00f6ssischer Musik zu artikulieren. Nicht versta\u00e4ndlich ist, warum in der Biographie des Komponisten so bedeutende Lehrer wie Christopher Rouse, William Bolcom, Jacob Druckman oder Samuel Adler verschwiegen werden \u2013 als k\u00e4me der neue Hoffnungstr\u00e4ger aus dem jungfr\u00e4ulichen Nichts daher\u2026 Puts schreibt wohlklingend, absolut verbindlich, freundlich, eing\u00e4ngig, eigentlich sehr naiv. Die entscheidende Frage ist: Hat es auch Substanz? Und die ist mit Einschr\u00e4nkung zu beantworten. Das Orchesterspiel ist bestechend, und das erstaunt nun wirklich in dieser makellosen Qualit\u00e4t bei einem studentischen Klangk\u00f6rper. Und Marin Alsop beherrscht die Sache routiniert, wobei mehr Empfindung f\u00fcr die modulatorischen Subtilit\u00e4ten, und der Ausdruck dessen, das Ganze spannender erscheinen lassen w\u00fcrde. Aber sie ist eben auch eine Maestra, die sich mit Perfektion, Sch\u00f6nklang, guten Effekten und dem Umsetzen des vital Rhythmischen zufrieden gibt. Ausgezeichnet und reich nuancierend, auch sanglich spielt der Fl\u00f6tensolist Adam Walker. Die Aufnahmetechnik ist brillant und ausgewogen, der Booklettext authentisch, da vom Komponisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun zur Kernangelegenheit, zu Puts\u2019 Musik selbst. Die Zweite Symphonie ist seine Reflektion des anl\u00e4sslich des Desasters von 9\/11 Erlebten. In idyllisch vor sich wabernde Unbedarftheit, in der Art einer Pr\u00e4rieimpression, bricht via einer Geigensolo-\u00dcberleitung das Verh\u00e4ngnis herein. Man merkt, dass er nicht dabei war und in Kl\u00e4ngen derlei nicht ad\u00e4quat wiedergeben kann. Wie auch? Dazu br\u00e4uchte es entwickelnde Qualit\u00e4ten, die im musikalischen Material potenziell begr\u00fcndet sein m\u00fcssten. Stattdessen schl\u00e4gt dann eben die Fr\u00f6hlichkeit in Melancholie um, um am Ende wieder \u2013 jawohl \u2013 Hoffnungsschimmer hervortreten zu lassen. Besser w\u00fcssten wir nichts \u00fcber den katastrophischen Hintergrund, dann w\u00e4ren es einfach 20 Minuten h\u00fcbsche Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besser gelungen, auch weit dramatischer und folgerichtiger, ist die 10min\u00fctige Tondichtung \u201aRiver\u2019s Rush\u2019, die ein wenig von der inneren Bewegtheit k\u00fcndet, die Puts beim Anblick des Mississippi erfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss gibt es ein unl\u00e4ngst entstandenes, kammerorchestral besetztes Fl\u00f6tenkonzert, dessen Au\u00dfens\u00e4tze dem Fl\u00f6tisten gute Gelegenheit geben, solistische Qualit\u00e4ten zu zelebrieren. Das zentrale Andante ist in freier Fantasieweise \u00fcber dem ber\u00fchmten, schwebend-schwingenden Mittelsatz von Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 467 gebaut \u2013 sozusagen, angemessen postmodern gesprochen, eine so gef\u00e4llige wie fein ausgearbeitete \u201aElvira Madigan-Hommage\u2019. Der Bezug ist so offenkundig, dass es keines Kommentars bedurft h\u00e4tte, die Entwicklung nat\u00fcrlich nicht bezwingend wie beim gro\u00dfen Vorbild, aber immerhin recht vornehm unterhaltend. Da ist beispielsweise der viel minimalistischere, geheimnisraunende Mittelsatz seines neobarock gerahmten Konzerts f\u00fcr Oboe und Streicher weit faszinierender. Fazit: gut gemachte Hintergrundmusik, die das positive Amerika, wie es gerne erscheinen w\u00fcrde, als \u00e4u\u00dferlich wohltuende Heimeligkeit all jenen vermitteln darf, die gerne etwas Unproblematisches h\u00f6ren, das einen komfortabel abgefederte, z\u00e4rtlich umschmeichelnde Langatmigkeit verbreitet. Und ein wom\u00f6glich therapietaugliches Genussmittel, das die Unschuld der Welt wieder herstellen m\u00f6chte. Spannung oder Herausforderung im musikalischen Sinne ist hier kein Thema. Relax, friends, nothing really happens\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Annabelle Leskov, August 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kevin Puts 2. Symphonie (2002), Rivers Rush (2004), Fl\u00f6tenkonzert (2013\/14) Adam Walker, Fl\u00f6te Peabody Symphony Orchestra Marin Alsop Naxos 8.559794 (EAN: 636943979426) Eine neue CD mit Orchesterwerken von dem 1972 in St. Louis geborenen und an der Eastman School in Rochester ausgebildeten Kevin Puts \u2013 nachdem unl\u00e4ngst schon eine andere Orchester-CD von ihm bei harmonia &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/08\/28\/heimeliges-amerikabild\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Heimeliges Amerikabild<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[1118,1117,1119,1120,184],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1124"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1131,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124\/revisions\/1131"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}