{"id":1140,"date":"2016-09-06T17:12:16","date_gmt":"2016-09-06T15:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1140"},"modified":"2016-09-06T17:13:05","modified_gmt":"2016-09-06T15:13:05","slug":"buergerschreck-kollektion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/09\/06\/buergerschreck-kollektion\/","title":{"rendered":"B\u00fcrgerschreck-Kollektion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/0065.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1141\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1141\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/0065-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/0065-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/0065-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/0065.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Modernisten werden vorgestellt auf der neuen (nunmehr neunten) CD von Alarm Will Sound, zu h\u00f6ren sind The Beatles, Charles Wuorinen, Augusta Read Thomas, Wolfgang Rihm, John Orfe und Edgard Var\u00e8se, Dirigent ist Alan Pierson.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich durchaus gut gemacht, f\u00e4llt es mir schwer, das Album &#8222;Alarm Will Sound Presents Modernists&#8220; so ganz ernst zu nehmen (nicht zuletzt auch wegen des herrlich schrillen Covers), zu schnell schleicht sich das Bild der gehobenen b\u00fcrgerlichen Hausdame ein, welche beim sittlichen Dinieren diese CD einlegt und den feinen G\u00e4sten eine nicht enden wollende Serie an schockierender Ger\u00e4uschmusik um die Ohren schmei\u00dft. Die Musiker sind allesamt professionelle und den gro\u00dfen Herausforderungen gewachsene K\u00fcnstler, und doch ist die \u00dcberladung an Effekten, an Ger\u00e4uschen, an Br\u00fcchen und an Chaos zu gro\u00df, als dass man das ewig B\u00fcrgerschreckhafte in dieser Zusammenstellung mit mehr als nur Humor nehmen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant gestalten sich insbesondere die beiden Klangst\u00fccke, die hier f\u00fcr Instrumentalensemble arrangiert einmal nicht elektronisch, sondern manuell ausgef\u00fchrt erklingen. Revolution 9 von The Beatles stellt ihre Auseinandersetzung mit der Musik Stockhausens und Cages dar, es handelt sich um ein Gebilde aus wiederkehrenden Samples &#8211; f\u00fcr die vorliegende CD bearbeitet von Matt Marks. Var\u00e8ses Po\u00e8me \u00e9lectronique wurde bearbeitet von Evan Hause, auch dieses ist in der urspr\u00fcnglichen Fassung eine rein elektronische Abfolge verschiedenartiger Ereignisse. Ein vergleichsweise dichtes St\u00fcck ist Big Spinoff von Charles Wuorinen, Wolfgang Rihms Will Sound (f\u00fcr das Ensemble als Kompositionsauftrag von &#8222;The Carnegie Hall Corporation&#8220; geschrieben) hingegen verliert sich schnell im strukturlosen Chaos, welches nachzuvollziehen sich als Ding der Unm\u00f6glichkeit erweist. &#8222;Final Soliloquy of the Interior Paramour&#8220; von Augusta Read Thomas setzt mehrere Ebenen des Klangs zwischen instrumental, gesungen und gesprochen zu einem recht ansprechenden Puzzle zusammen, das immer wieder von pl\u00f6tzlichen Aufschreien unterbrochen wird. Hektisch eilend gibt sich Orfes &#8222;Journeyman&#8220;, welcher stellenweise gar swingende Elemente einbezieht und geradezu etwas an Broadway gemahnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alarm Will Sound unter Leitung von Alan Pierson zeigen ein etabliertes Verst\u00e4ndnis der zeitgen\u00f6ssischen Musik und spielen in einstudierter Routine, die trotzdem nicht den Spa\u00df am Musizieren \u00fcberwiegt. Die ungehemmte Spielfreude ist den Musikern ein zentrales Anliegen, welches auch deutlich h\u00f6rbar wird, wenngleich dar\u00fcber einige Details verlorengehen und die Musiker gelegentlich noch schneller im Chaos dieser Musik versinken, als von den Komponisten ohnehin intendiert. Allerdings finden die Musiker auch in den verzweigtesten Passagen rhythmisch zusammen und bleiben durchweg synchron abgestimmt, die instrumentale Qualit\u00e4t ist \u2013 ohne je im Verlauf abzufallen \u2013 auf hohem Niveau. W\u00e4hrend der Countertenor Caleb Burhans stellenweise h\u00f6rbar mit den enormen Lagenwechseln in Thomas&#8216; Werk zu k\u00e4mpfen hat, besticht die Altistin Kirsten Sollek mit gl\u00e4nzender Reinheit und geschmeidigem Ton.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Alarm Will Sound nicht nur auf ger\u00e4uschhafte, oberfl\u00e4chliche Effekte angewiesen sind, sondern tats\u00e4chlich auch klassische Qualit\u00e4ten besitzen, zeigt ausgerechnet &#8211; man mag es kaum glauben &#8211; das St\u00fcck von Var\u00e8se. Die urspr\u00fcnglich elektronischen Fl\u00e4chen instrumental darzustellen verlangt lang gehaltene Spannung, langsame und kontinuierliche Steigerungen fernab von Ungleichheiten, und einen klaren, deutlichen Ton. All dies bringt das Ensemble mit und wird von Pierson zu konzentrierter Linienf\u00fchrung angehalten, wodurch das finale St\u00fcck Var\u00e8ses eindeutig zum Highlight dieser interessanten &#8211; und meines Erachtens auch nach wie vor am\u00fcsanten &#8211; Zusammenstellung avanciert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, August 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Modernisten werden vorgestellt auf der neuen (nunmehr neunten) CD von Alarm Will Sound, zu h\u00f6ren sind The Beatles, Charles Wuorinen, Augusta Read Thomas, Wolfgang Rihm, John Orfe und Edgard Var\u00e8se, Dirigent ist Alan Pierson. 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