{"id":1145,"date":"2016-09-09T17:50:38","date_gmt":"2016-09-09T15:50:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1145"},"modified":"2021-09-28T23:32:18","modified_gmt":"2021-09-28T21:32:18","slug":"siebzig-jahre-klaviermusik-von-den-darmstaedter-ferienkursen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/09\/09\/siebzig-jahre-klaviermusik-von-den-darmstaedter-ferienkursen\/","title":{"rendered":"Siebzig Jahre Klaviermusik von den Darmst\u00e4dter Ferienkursen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">NEOS 11630 (7CDs), LC 15673; EAN: 4 260063 116308<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Martin0002.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1146\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1146\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Martin0002-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"381\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Martin0002-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Martin0002-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Martin0002.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 381px) 100vw, 381px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Wohl kein Ort der Welt scheint nach 1945 so mit dem Begriff der \u201eMusikalischen Moderne\u201c verkn\u00fcpft wie Darmstadt mit seinen ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Ferienkursen. Von den etwa tausend bei den dortigen Begleitkonzerten aufgef\u00fchrten Klavierwerken hat jetzt das Label NEOS auf sieben CDs eine kluge Auswahl als \u201eDarmstadt Aural Documents \u2013 Box 4 \u00b7 Pianists\u201c vorgelegt, die dem H\u00f6rer gut die mannigfaltigen \u00e4sthetischen Positionswechsel der letzten siebzig Jahre demonstriert. Dabei hatte die Klaviermusik, vergleichbar mit dem Streichquartett in fr\u00fcheren Epochen, immer eine Schl\u00fcsselfunktion inne. Unter den Aufnahmen etlicher f\u00fcr die Interpretation von neuer Klaviermusik pr\u00e4gender PianistInnen \u2013 darunter viele CD-Erstver\u00f6ffentlichungen \u2013 finden sich auch einige echte Sch\u00e4tze, gerade aus den Anfangsjahren. Das komplette Programm der Box findet man <a href=\"https:\/\/neos-music.com\/?language=german&amp;page=output.php%3Ftemplate%3Dgerman-album-details.php%26content%3DAlben\/11630.php\">hier.<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Reihe <em>Darmstadt Aural Documents<\/em> widmet sich die vierte Ver\u00f6ffentlichung bei NEOS (nach Orchesterwerken, John Cage und Ensemblemusik) endlich der Darmst\u00e4dter Auseinandersetzung mit der Klaviermusik. Die 7-CD-Box enth\u00e4lt 54 Werke von 49 verschiedenen Komponisten mit insgesamt \u00fcber 8\u00bd Stunden Musik. Im Gegensatz zur gro\u00dfen Anthologie <em>Musik in Deutschland 1950-2000<\/em> (RCA), die dem H\u00f6rer St\u00fccke oft nur h\u00e4ppchenweise vorsetzt, sind hier zum Gl\u00fcck aus mehreren Teilen bestehende Werke immer vollst\u00e4ndig zu h\u00f6ren. Das unerwartet d\u00fcnne Booklet enth\u00e4lt neben der Trackliste zun\u00e4chst nur ein Vorwort sowie einen sch\u00f6nen Text von <em>Stefan Fricke<\/em>, der die historische Position des Klaviers nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Ver\u00e4nderung beleuchtet. Nachfolgend versucht Michael Zwenzner zwar, die meisten der vorgestellten Werke innerhalb ihres konkreteren \u00e4sthetischen Kontexts zu verorten \u2013 tats\u00e4chliche Werkbeschreibungen zu den einzelnen St\u00fccken fehlen aber. Dies kann und soll diese Besprechung nat\u00fcrlich nicht nachholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Verteilung der Musik auf die 7 CDs entspricht so sicher nicht ganz ihrer anteiligen historischen Bedeutung f\u00fcr Darmstadt. CD1 enth\u00e4lt Klavierwerke vor 1950 \u2013 hier findet man neben Arnold Sch\u00f6nbergs opp. 19 u. 23 und einigen zu Unrecht vergessenen Rarit\u00e4ten (Wolpe, Sessions, Apostel) z.B. auch die Klaviersonate von B\u00e9la Bart\u00f3k (1926), was zun\u00e4chst verwundern mag, da diese heute allenfalls gem\u00e4\u00dfigt modern erscheint. Man muss sich allerdings vor Augen f\u00fchren, dass die erste Aufgabe der Darmst\u00e4dter Ferienkurse darin bestand, dem interessierten Publikum und den (jungen) Komponisten nach dem Zweiten Weltkrieg zun\u00e4chst die Musik zug\u00e4nglich zu machen, die w\u00e4hrend des Dritten Reichs schlicht verfemt war (Stichwort: <em>Entartete Musik<\/em>). Auch in der Auff\u00fchrungsstatistik etwa der M\u00fcnchner <em>Musica-Viva-<\/em>Konzerte w\u00e4hrend der 1950er-Jahren hatte Bart\u00f3k einen erstaunlich hohen Stellenwert. CD2 ist allerdings etwas unbefriedigend: Auf nur einer CD erscheinen die Werke der 50er und 60er-Jahre unterrepr\u00e4sentiert, da gerade diese zentrale Bedeutung f\u00fcr die weitere Entwicklung, insbesondere auf Reflexionsebene, in Darmstadt hatten \u2013 nicht zuletzt dadurch, dass die Kurse bis 1970 noch j\u00e4hrlich stattfanden (danach im Zweijahreszyklus). Hier bedauert man auch die Entscheidung der Herausgeber, Werke f\u00fcr zwei Klaviere ganz herauszunehmen. Die komplexesten Werke dieser Zeit sind oft gerade f\u00fcr diese Besetzung konzipiert. CDs 3-6 pr\u00e4sentieren jeweils ca. ein gutes Jahrzehnt (1970-2010). Die zweite H\u00e4lfte von CD6 und CD7 sind dann St\u00fccken gewidmet, bei denen das Klavier modifiziert ist (andere Stimmung, Pr\u00e4paration, Hinzunahme von Tonb\u00e4ndern oder Live-Elektronik, computergenerierte Kl\u00e4nge etc.), oder aber der Pianist noch andere Aktionen \u2013 etwa als Sprecher \u2013 ausf\u00fchren muss bzw. g\u00e4nzlich fehlt (Player Piano).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Darmstadt stand jahrzehntelang nicht nur f\u00fcr einen wichtigen Auff\u00fchrungsort Neuer Musik \u2013 das war Donaueschingen bereits seit den Zwanzigerjahren \u2013 sondern vor allem auch f\u00fcr <em>den<\/em> Ort kritischer Reflexion unter Komponisten und Musikwissenschaftlern. Bezeichnend ist hier allerdings das fast dogmatische Festhalten an einem bestimmten, sicher auch ideologisch gepr\u00e4gten <em>Fortschrittsbegriff<\/em>, wie ihn etwa Theodor W. Adorno und Heinz-Klaus Metzger vertraten. Dieser fordert eine rational herstell- und analysierbare Materialstimmigkeit (\u201eMaterialfortschritt\u201c), die auf der anderen Seite musikalische Begrifflichkeiten wie etwa \u201eAusdruck\u201c v\u00f6llig ignoriert und so auch \u2013 besonders deutlich im Fall von <em>Pierre Boulez\u2018 <\/em>3. Klaviersonate \u2013 quasi das \u201eFehlen des Autors\u201c geradezu heraufbeschw\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vielleicht l\u00e4sst sich diese (Fehl?)entwicklung anhand der ersten beiden CDs f\u00fcr den H\u00f6rer gut nachvollziehen. So finden wir hier eine Darbietung von Anton Weberns <em>Variationen op.27 <\/em>durch den Urauff\u00fchrungspianisten <em>Peter Stadlen, <\/em>dem der Komponist 1937 mit auf den Weg gegeben hatte, das hochkonstruktive Werk quasi <em>romantisch<\/em> und mit Rubato vorzutragen. Erstaunlich angesichts der Tatsache, dass schon die erste Phrase nicht nur ein Palindrom in\u00a0 zeitlicher Richtung, sondern auch noch in der Vertikalen spiegelsymmetrisch ist. Tats\u00e4chlich folgt der Pianist in seiner Wiedergabe von 1948 dieser Aufforderung \u00fcberzeugend. Und wenn man Stadlens Interpretation von Sch\u00f6nbergs op. 23 (das letzte St\u00fcck, der Walzer, ist das erste offizielle Zw\u00f6lftonwerk Sch\u00f6nbergs) mit der staubtrockenen, rationalen Aufnahme von Sch\u00f6nbergs eigentlich expressionistischen <em>Sechs kleinen Klavierst\u00fccken <\/em>op. 19 unter den H\u00e4nden von Eduard Steuermann \u2013 seinerseits Widmungstr\u00e4ger der Webernschen Variationen \u2013 aus dem Jahre 1957 vergleicht, wundert man sich nicht schlecht \u00fcber den \u00e4sthetischen Wandel des Klavier<em>spiels<\/em>, der da stattgefunden hat. Wenn Weberns hermetische Kunst einer konsequenten Materialbeschr\u00e4nkung von den \u201eDarmst\u00e4dtern\u201c (insbesondere Boulez und Stockhausen) quasi zur Pr\u00e4misse erkl\u00e4rt wurde, so war der Weg zur seriellen Musik unaufhaltsam. Dass diese dann (Ligeti erkl\u00e4rt dies bereits in einem fr\u00fchen Aufsatz mit unweigerlich auftretender <em>Entropie<\/em>) irgendwie immer \u201egleich\u201c klingt, f\u00fchrte sehr schnell \u2013 bereits ab 1955 \u2013 zu einer Abkehr von simpler Reihentechnik, aber daf\u00fcr zu noch komplexeren Ableitungen des Ausgangsmaterials unter dem Gesetz der Zahl \u2013 teilweise aber bereits unter Einbeziehung von Zufallsentscheidungen, die man in Darmstadt durch <em>John Cage<\/em> kennengelernt hatte. Auf CD2 finden sich hintereinander gleich zwei Schl\u00fcsselwerke dieser Periode: Karlheinz Stockhausens <em>Klavierst\u00fcck XI <\/em>(gespielt vom legend\u00e4ren <em>David Tudor<\/em>) und Pierre Boulez\u2018 <em>Troisi\u00e8me Sonate<\/em>. Letztere ist ein <em>work in progress <\/em>geblieben; von den f\u00fcnf geplanten S\u00e4tzen \u2013\u00a0 hier: <em>Formanten<\/em> \u2013 sind nur zwei im Druck erschienen (<em>Trope <\/em>und <em>Constellation\/Miroir<\/em>). Die \u00fcbrigen S\u00e4tze wurden nie fertig. Die vorliegende Aufnahme ist ein ganz besonderes Tondokument, da sie nicht nur die stupenden F\u00e4higkeiten von Boulez auch als Pianist zeigt. Er spielt hier eine vorl\u00e4ufige (bei den unver\u00f6ffentlichen Formanten noch sehr rudiment\u00e4re) f\u00fcnfs\u00e4tzige Fassung. Immerhin erscheint es bei der ganzen Gehirnakrobatik hinter dieser Komposition als menschlich, dass selbst der Komponist es nicht schafft, sauber einen Weg durch das von ihm erschaffene Labyrinth zu finden: Boulez l\u00e4sst \u2013 offensichtlich aus Versehen \u2013 etliche Wege in <em>Miroir <\/em>(das sp\u00e4ter gedruckte <em>eine <\/em>Notenblatt misst 3,47m x 59,6 cm!) aus, die er eigentlich obligatorisch spielen m\u00fcsste. Dem oben erw\u00e4hnten <em>John Cage <\/em>ist zwar eine eigene CD in der Reihe der <em>Darmstadt Aural Documents<\/em> gewidmet; in der Klavierbox fehlen aber leider auch die anderen wichtigen Vertreter der <em>New York School<\/em> (so <em>Morton Feldman <\/em>oder <em>Earle Brown<\/em>), die wichtige Bezugspunkte f\u00fcr Darmstadt geliefert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei CD2 empfehle ich dringend, den CD-Player auf jeweils <em>ein Werk<\/em> zu programmieren und dies eventuell mehrfach anzuh\u00f6ren. Beim ersten H\u00f6ren ist sonst die Gefahr in der Tat gro\u00df, sich schon im n\u00e4chsten St\u00fcck \u2013 eines anderen Komponisten! \u2013 zu befinden, ohne etwas davon gemerkt zu haben. Ob so Werken wie der 3. Boulez-Sonate (\u00fcber die es ein halbes Dutzend umf\u00e4ngliche Dissertationen gibt) etwas abzugewinnen ist, sei jedem H\u00f6rer selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist interessant, dass gerade das Klavier mit seinem monochromen Klang \u00fcber die Jahre so wichtig f\u00fcr die Vertreter der seriellen Schiene geblieben ist, obwohl es auch die Schw\u00e4chen dieses Komponierens mehr als deutlich zu Tage treten l\u00e4sst. Vielleicht ist das Klavier aber auch \u2013 schon als M\u00f6belst\u00fcck geradezu <em>das<\/em> Repr\u00e4sentationsobjekt des B\u00fcrgertums \u2013 einfach historische Reibungsfl\u00e4che par excellence; man denke nur an die geradezu gen\u00fcsslichen Klavierdestruktionen nicht erst der <em>Fluxus-<\/em>Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Darmstadt hielt man l\u00e4nger als irgendwo sonst an seriellen Konzepten fest. Wer damit nicht konform ging, wurde oft schlicht hinausgeekelt (etwa <em>Hans Werner Henze<\/em>). So entstand eben nicht nur ein Ort gegenseitiger k\u00fcnstlerischer Befruchtung, sondern auch zerbrochener Freundschaften und unerledigter Diskurse \u2013 sp\u00e4ter etwa um den Begriff einer musikalischen <em>Postmoderne<\/em>, die manchem von vornherein als regressiv galt. Als selbst Adorno die aktuelle Entwicklung kritisch hinterfragte (in seiner Schrift <em>Vers une musique informelle<\/em>, 1961), erntete er \u00fcberwiegend \u201ezementierte\u201c Reaktionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotzdem hinterlie\u00dfen auch die \u201eAbweichler\u201c in Darmstadt unweigerlich ihre Spuren: Als vielleicht typische Beispiele f\u00fcr die musikalische <em>Postmoderne <\/em>der 70er- bzw. 80er-Jahre h\u00f6re man z.B. Wolfgang Rihms <em>Klavierst\u00fcck Nr. 5 \u201eTombeau\u201c<\/em> (Neo-Expressionismus?) und Wilhelm Killmayers <em>Klavierst\u00fcck Nr. 7<\/em> (unversch\u00e4mter Weise mit tonalen Zitaten, die einzigen in der Box). Nachdem die Postmoderne-Diskussion Anfang der 1990er urpl\u00f6tzlich abbrach, komponierten etliche J\u00fcngere anscheinend ein wenig unbeeinflusster von \u201eTrends\u201c, gerade bei der Klaviermusik allerdings oft in quasi ironisch gebrochener Weise \u2013 und auch der \u201eKomplexismus\u201c ist bis heute keineswegs aus Darmstadt verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ob manche der in der Box vorgestellten Werke nach 1970 irgendwann \u2013 und wenn auch nur aus historischen Gr\u00fcnden \u2013 Repertoirest\u00fccke werden, wird erst die Zeit entscheiden. Lob verdienen auf jeden Fall die Ausf\u00fchrenden: Sowohl die Beispiele virtuoser Entgrenzungen (Xenakis, Boucourechliev, Ferneyhough, Sciarrino, Rothman\u2026) als auch sich solchem verweigernde Gegenpole (Febel, Tanaka, Lang\u2026) werden hier absolut \u00fcberzeugend dargeboten \u2013 nicht von ungef\u00e4hr darf ein Gro\u00dfteil der hier t\u00e4tigen Pianisten als <em>creme de la creme<\/em> bei der Bew\u00e4ltigung Neuer Musik gelten. Wirklich \u00fcberragend \u2013 auch gerade im Vergleich mit sp\u00e4teren Einspielungen \u2013 seien stellvertretend Alois Kontarsky mit Xenakis\u2018 <em>Evryali<\/em> und Claude Helffer mit Boucourechlievs <em>Six \u00e9tudes d\u2019apr\u00e8s Piran\u00e8se <\/em>genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Besonderes Augenmerk wurde bei der Auswahl f\u00fcr die Box auch auf solche Werke gelegt, bei denen das \u00fcbliche Gespann \u2013 Pianist(in) plus wohltemperiert gestimmter Konzertfl\u00fcgel \u2013 verworfen wird. Hier finden sich einerseits St\u00fccke, die den normalen Tonvorrat in Richtung Mikrotonalit\u00e4t ver\u00e4ndern oder erweitern (Roland Kayns <em>Quanten, <\/em>Jean-Etienne Maries <em>Trois pi\u00e8ces br\u00eaves<\/em>, Pascal Critons <em>Thymes<\/em>) \u2013 andererseits solche, die den Pianisten v\u00f6llig ignorieren (Player Piano bzw. Computerrealisationen mit und ohne Live-Elektronik bei Barlow und Zuraj) oder aber zus\u00e4tzliche Aktionen wie Singen oder Sprechen von ihm abfordern (Aperghis, Baltakas). Stockhausens <em>Luzifers Traum oder Klavierst\u00fcck XIII<\/em> (1981) ist ja eigentlich auch eine Opernszene: aus <em>Samstag aus \u00bbLicht\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man sollte hoffen, dass die Quintessenz des Ganzen nicht so schlimm ist, wie sie <em>Steffen Krebber<\/em> (*1976) in seinem witzigen <em>faire signe <\/em>(<span class=\"_5yl5\">f\u00fcr Automatenklavier und einen Lautsprecher<\/span>) von 2014 ironisch zu ziehen scheint. Das St\u00fcck beginnt \u2013 vom Tonband \u2013 mit dem Text: <em>\u201eEs lohnt sich nicht zuzuh\u00f6ren, weil sp\u00e4tere Kunst sicher besser sein wird. Bitte verlassen Sie den Saal!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aufnahmetechnisch ist die Box nicht zu beanstanden. Der Digital-Transfer gerade auch vieler \u00e4lterer, monauraler Aufnahmen (beginnend 1948) ist gut gelungen, die zeit\u00fcblichen St\u00f6rungen wurden weitgehend herausgefiltert \u2013 bei ein, zwei Aufnahmen war wohl etwas Jitter nicht zu beheben. Einige der Einspielungen zeigen neben ihrem historischen Wert die jeweiligen Interpreten auf dem absoluten H\u00f6hepunkt ihrer M\u00f6glichkeiten \u2013 zudem h\u00f6rt man gleich drei Komponisten (Boulez, Castiglioni und Lachenmann) in der eher seltenen Rolle als Pianisten mit ihren eigenen Werken. Dass viele der dargebotenen Werke bisher gar nicht in anderer Form auf CD zug\u00e4nglich waren, spricht alleine schon f\u00fcr eine Kaufempfehlung \u2013 allerdings eher nur f\u00fcr hartgesottene Fans moderner Musik. Dies ist alles andere als leichte Kost!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Martin Blaumeiser, August 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NEOS 11630 (7CDs), LC 15673; EAN: 4 260063 116308 Wohl kein Ort der Welt scheint nach 1945 so mit dem Begriff der \u201eMusikalischen Moderne\u201c verkn\u00fcpft wie Darmstadt mit seinen ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Ferienkursen. 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