{"id":1149,"date":"2016-09-11T21:29:29","date_gmt":"2016-09-11T19:29:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1149"},"modified":"2016-09-11T21:29:29","modified_gmt":"2016-09-11T19:29:29","slug":"alte-musik-oh-je","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/09\/11\/alte-musik-oh-je\/","title":{"rendered":"Alte Musik? Oh, je&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">William Lawes 1602-1645<\/p>\n<p>Complete Music for solo lyra viol<br \/>\nRichard Boothby , lyra viol<\/p>\n<p>Harmonia mundi HMU 907625<br \/>\n0 93046 76252 0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Ulrich0037.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1150\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1150\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Ulrich0037-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"341\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Ulrich0037-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Ulrich0037-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Ulrich0037.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 393px) 100vw, 393px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Historizismus ist ja gut und recht, und Musik auf dem \u00e4ltesten noch erhaltenen Instrument zum Leben zu erwecken, ist an und f\u00fcr sich ehrenwert, aber der Rezensent \u2013 erfahren in Alter Musik und grunds\u00e4tzlich sehr bewegt von\u00a0 Gamben-Consort-Musik \u2013hat bei dieser CD mehr als eine Schwierigkeit, diese T\u00f6ne \u2013 und es sind immerhin 35 S\u00e4tze, die hier vorgestellt werden \u2013 \u00fcberhaupt als in sich bez\u00fcgliche, irgendwie auch nur im kleinsten Zusammenhang erfahrbare Musik wahrzunehmen. Abgesehen vom Klang des zeitweise faszinierend klingenden Instrumentes, der Lyra Viol, einer speziellen Gambenart, \u00fcber die das Booklet informativ berichtet, ist das, was an die Ohren dringt erstens auf die Dauer und zweitens auch im Kleinen richtungslos und folgerichtig ausgesprochen langweilig. Es fehlt jeglicher rhythmische Fluss, der schon im Ansatz fortw\u00e4hrend ausgehebelt wird durch mechanische \u201eRubati\u201c, die jedes Mal auftreten, wenn ein Akkord die leider auch nicht vorhandene melodische \u201eLinie\u201c \u2013 so man von einer solchen \u00fcberhaupt ab und an sprechen will \u2013 abrupt und wie ein Schluckauf unterbricht. Dabei ist die Melodie ja gerade bei der englischen Gambenmusik der lineare Grund, auf dem dann auch die ausgefallensten Harmonien sich ereignen k\u00f6nnen, wie man beispielsweise bei Purcells Fancies von 1680 unschwer nachvollziehen kann.\u00a0 Lawes\u2019 Consort-Musik ist doch auch alles andere als ein unzusammenh\u00e4ngendes Lavieren von einem Ton zum anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und die Frage, ob eine CD, die ein komplettes Werkganzes f\u00fcr eine Besetzung vermitteln will, dieser Musik nicht au\u00dferdem einen B\u00e4rendienst erweist, sei am Rande zus\u00e4tzlich eingeworfen. Denn auf diese philologisch akkurat geordnete \u2013 und klanglich extrem kontrastarme \u2013 Art sind die St\u00fccke auf der Lyra Viol zu Lawes\u2019 Zeit am St\u00fcck sicher niemals aufgef\u00fchrt worden, und waren auch nicht zu solch enzyklop\u00e4dischem Zweck gedacht. Da hilft selbst das apart aufgemachte \u00c4u\u00dfere dieser CD dem Gesamteindruck nicht auf die Spr\u00fcnge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hauptkritikpunkt jedoch bleibt der v\u00f6llige Mangel an erlebbarer melodischer Beziehung zwischen den T\u00f6nen, und damit einhergehend nat\u00fcrlich der Verlust der elementaren Tanzcharaktere und die offene Frage, wie denn die Musik als originelle \u00c4u\u00dferung eines sch\u00f6pferischen Geists, der Lawes ja zweifelsohne ist, \u00fcberhaupt w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann, September 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>William Lawes 1602-1645 Complete Music for solo lyra viol Richard Boothby , lyra viol Harmonia mundi HMU 907625 0 93046 76252 0 Historizismus ist ja gut und recht, und Musik auf dem \u00e4ltesten noch erhaltenen Instrument zum Leben zu erwecken, ist an und f\u00fcr sich ehrenwert, aber der Rezensent \u2013 erfahren in Alter Musik und &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/09\/11\/alte-musik-oh-je\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Alte Musik? 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