{"id":118,"date":"2015-09-17T18:33:29","date_gmt":"2015-09-17T16:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=118"},"modified":"2015-09-17T18:33:29","modified_gmt":"2015-09-17T16:33:29","slug":"tartinis-violinkonzerte-erstmals-komplett","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/09\/17\/tartinis-violinkonzerte-erstmals-komplett\/","title":{"rendered":"Tartinis Violinkonzerte erstmals komplett"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dynamic CDS 7713 (29 CDs) (Vertrieb: Naxos)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ISBN: 8007144-077136<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tartini-Cover-CDS77131.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-115\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tartini-Cover-CDS77131-297x300.jpg\" alt=\"Tartini Cover CDS7713\" width=\"297\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tartini-Cover-CDS77131-297x300.jpg 297w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tartini-Cover-CDS77131.jpg 693w\" sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Der Zauber Tartinis<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Giuseppe Tartini: S\u00e4mtliche 125 Violinkonzerte<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Giovanni &amp; Federico Guglielmo, Carlo Lazari, L\u2019Arte dell\u2019Arco<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in Padua wirkende Giuseppe Tartini (1692-1770) ist heute nicht nur als der zentral stilbildende Geiger seiner Zeit und als Komponist der nach wie vor meist in romantischen Arrangements zu h\u00f6renden \u201aTeufelstriller\u2019-Sonate bekannt. Die Kenner wissen auch, dass er die Kombinationst\u00f6ne entdeckt hat, also jenes frappierende Ph\u00e4nomen, das zur Folge hat, dass, wenn in nicht zu tiefer Lage zwei Instrumente sauber zusammenspielen, der Stammton dieser beiden mitklingt (anders gesagt, sind die tats\u00e4chlich gespielten T\u00f6ne Obert\u00f6ne eines zu ihnen hinzutretenden Grundtons). Die meisten wissen auch, dass Tartini viele Violinkonzerte und \u2013sonaten geschrieben hat, von denen allerdings kaum mehr als eine Handvoll ab und zu im Konzert zu h\u00f6ren sind. Was sehr bedauerlich ist, denn Tartinis Musik geh\u00f6rt in ihrer filigranen Sanglichkeit und dem manchmal fast schon romantisch sehns\u00fcchtig anmutenden, intensiven melodischen Ausdruck zum sch\u00f6nsten, was f\u00fcr die Geige komponiert wurde, und auch zum dankbarsten. Das bei Vicenza ans\u00e4ssige Streicherensemble L\u2019Arte dell\u2019Arco hat seit 1996 in eineinhalb Jahrzehnten die Mammutaufgabe geleistet, s\u00e4mtliche 125 Violinkonzerte Tartinis einzuspielen, und ich m\u00f6chte so weit gehen, zu sagen, dass sich darunter kein minderwertiges Konzert befindet. Ich habe zwar meine Lieblinge, so ganz besonders A-Dur D 96 oder auch h-moll D 125, aber mit welchem ich mich auch besch\u00e4ftige, werde ich sofort verzaubert von der nicht nur eleganten, sondern eben auch mit Innigkeit gesetzten Faktur, der gerade nicht banalen Einfachheit und Einpr\u00e4gsamkeit der Themen, dem glanzvollen Ausdruck, der damit eigentlich jeder Geige geschenkt wird, und auch der absoluten Balance der stimmig eingesetzten harmonischen Mittel (insgesamt auf einem vergleichbaren Level wie Corelli oder auch Veracini, und weit \u00fcber der Routine eines Vivaldi stehend, und auch von insgesamt ausgeglichenerer Qualit\u00e4tsh\u00f6he als Locatelli, Benedetto Marcello oder Albinoni). Zuerst und zuletzt ist es aber stets vor allem ein Fest f\u00fcr die Geige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Soloparts haben die drei Konzertmeister von L\u2019Arte dell\u2019Arco gleichberechtigt untereinander aufgeteilt: Giovanni Guglielmo als spiritus rector, und die eine Generation j\u00fcngeren Federico Guglielmo und Carlo Lazari. Alle drei sind tadellose Geiger, wobei Giovanni Guglielmos Spiel in seiner Neigung zu fragil befl\u00fcgeltem, vogelhaft jubilierendem Ausdruck am besten zu Tartini passt und auch die pers\u00f6nlichste Note transportiert. Dies soll jedoch nicht die Leistung der beiden Kollegen herabsetzen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stilistisch habe ich viele erhebliche Einw\u00e4nde gegen diese verdienstvollen und technisch respektablen Aufnahmen. So fehlt es allzu oft an der Vision, ein Grundtempo als Referenz f\u00fcr einen ganzen Satz im Auge zu behalten, und die merkw\u00fcrdigsten Schwankungen aufgrund wechselnder Faktur sind festzustellen. Am Schluss eines jeden Satzes kommt vor dem letzten Ton der obligatorische Schluckauf: ein Stocken, Pause, Fine. Das ist l\u00e4cherlich, auch wenn viele hoch angesehene Barockmusiker diese Marotte pflegen, weil sie anders zu keinem plausiblen Ende zu kommen glauben. Dabei muss man einfach nur mehr \u00fcber die Kadenzspannungen wissen und verstehen, dass Betonungen nicht auf die schwere Zeit gemacht werden m\u00fcssen. Dann fehlt mir, typisch f\u00fcr fast alle gr\u00f6\u00dferen Gesamtaufnahmeprojekte, der individuelle Zugang zu den einzelnen S\u00e4tzen. Da hat sich nun doch, verst\u00e4ndlich aber bedauerlicherweise, eine Tartini-Routine eingeschlichen, die interessant zu studieren sein mag f\u00fcr die, die diese Musik ohnehin sehr sch\u00e4tzen, doch kaum in der Lage ist, einem unbefangenen H\u00f6rer wenigstens gelegentlich das Gef\u00fchl von etwas wahrhaft Au\u00dferordentlichem zu vermitteln. Viele schnelle S\u00e4tze laufen einfach in einem pauschalen Allegro-Tempo ab, das jedenfalls nicht in einmaliger Weise aus dem jeweiligen Tonsatz gewonnen ist. Und in den langsamen S\u00e4tzen wird sehr ungl\u00fccklicherweise des \u00f6fteren ein viel zu z\u00fcgiges Tempo angeschlagen, mit viel zu wenig Gestaltung auf den gehaltenen T\u00f6nen, so f\u00fcr mich ganz besonders entt\u00e4uschend im zweiten Satz des Konzerts D 96, den ich, obwohl er zu meinen Favoriten z\u00e4hlt, kaum wiedererkannt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese kritischen Anmerkungen lie\u00dfen sich zu fast jeder anderen Aufnahme im sogenannten historisch informierten Stil unserer Zeit machen, was also Fans dieser Spielweise in keiner Weise davon abhalten sollte, hier zuzugreifen \u2013 zumal zu einem sehr moderaten Preis und angesichts von Musik, die keinerlei leere Routine oder peinlichen Oberfl\u00e4chlichkeiten kennt, sondern immer von Inspiration durchtr\u00e4nkt ist. An mehreren unterschiedlichen Orten aufgenommen, ist das Klangbild im Durchschnitt sehr klar, reich und transparent. Der Booklettext ist auf ein Minimum reduziert, doch im Netz gibt es viel weitere Literatur, und B\u00fccher \u00fcber Tartini sind auch keine Seltenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>[Christoph Schl\u00fcren, September 2015]<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dynamic CDS 7713 (29 CDs) (Vertrieb: Naxos) ISBN: 8007144-077136 Der Zauber Tartinis Giuseppe Tartini: S\u00e4mtliche 125 Violinkonzerte Giovanni &amp; Federico Guglielmo, Carlo Lazari, L\u2019Arte dell\u2019Arco Der in Padua wirkende Giuseppe Tartini (1692-1770) ist heute nicht nur als der zentral stilbildende Geiger seiner Zeit und als Komponist der nach wie vor meist in romantischen Arrangements zu &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/09\/17\/tartinis-violinkonzerte-erstmals-komplett\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Tartinis Violinkonzerte erstmals komplett<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[57,61,56,55,54,60,58,59],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118\/revisions\/119"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}