{"id":1268,"date":"2016-10-31T19:34:02","date_gmt":"2016-10-31T18:34:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1268"},"modified":"2016-10-31T19:34:39","modified_gmt":"2016-10-31T18:34:39","slug":"letzte-dinge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/10\/31\/letzte-dinge\/","title":{"rendered":"Letzte Dinge&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Horst Lohse (*1943) &#8211; Letzte Dinge. Hieronymus Bosch Triptychon<br \/>\nChristoph Maria Moosmann, Orgel; Bamberger Symphoniker; Aldo Brizzi, Dirigent; Robert Hunger-B\u00fchler, Stimme<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Ulrich0043.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1269\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1269\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Ulrich0043-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"296\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Ulrich0043-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Ulrich0043-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Ulrich0043.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><\/a><\/p>\n<p>NEOS 11604<br \/>\n4 260063 116049<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn sich ein Komponist 23 Jahre lang mit einem Thema besch\u00e4ftigt &#8211; in diesem Fall angeregt durch das Bild des Malers Hieronymus Bosch (1450-1516) \u201eDie sieben Tods\u00fcnden\u201c -, dann kann man gespannt sein, wie sich dieses Bild in ein \u201eKlangbild\u201c wandelt, oder auch in mehrere, wie im vorliegenden Fall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Horst Lohses Werkverzeichnis findet sich neben P\u00e4dgogischem auch\u00a0 Mannigfaches, sein \u0152uvre ist sehr reichhaltig. Aber die CD mit der Orgel als \u201erotem Faden\u201c ist eben auch wegen der langen Zeit des Entstehens etwas Besonderes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Triptychon hat drei verschiedene Ebenen, die auch musikalisch durch drei verschiedene\u00a0 Kompositionen dargestellt werden: Die erste \u201eDie sieben Tods\u00fcnden\u201c ist die fr\u00fcheste und entstand 1989 f\u00fcr Orgel allein. Sie entspricht dem mittleren Rundbild. Die n\u00e4chste Komposition, f\u00fcr Orgel und Orchester, entstand 1996\/97 und\u00a0 bezieht sich auf die vier kleinen Rundbilder in den Ecken der Gem\u00e4ldetafel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die mittlere Darstellung, in der Jesus selbst abgebildet wird unter dem\u00a0 Vermerk \u201eCave, cave Dominus videt\u201c, bildet den Abschluss als Werk f\u00fcr Orgel und Sprecher\/Stimme von 2011\/12.<\/p>\n<p>Im Booklet gibt es zu den einzelnen \u201eTods\u00fcnden\u201c und ihrer Vertonung Hinweise, die in die Struktur der St\u00fccke leiten. Die \u201aLetzten Dinge\u2019 sind ein Dialog zwischen Orgel und Orchester, in welchem es zu spannenden und packenden Klangballungen kommt. F\u00fcr mich am \u00fcberzeugendsten gelungen ist der dritte und letzte Teil, der einen Text von Michael Herrschel (geb. 1971) mit einbezieht \u2013 er ist im Booklet abgedruckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Sprecher und S\u00e4nger Robert Hunger-B\u00fchler ist f\u00fcr die Realisation dieser Komposition eine ideale Besetzung, auch wenn man zu Beginn die Lautst\u00e4rke-Regler halsbrecherisch hoch aufdrehen muss, um \u00fcberhaut etwas zu vernehmen, so pianissississississimo f\u00e4ngt das Ganze an. Umso \u00fcberraschender und \u201ebr\u00fcllender\u201c ist dann der Fortgang, der eben ins Zentrum des Bildes und der Komposition f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Horst Lohse kam \u2013 wie er mir in einem Telefongespr\u00e4ch mitteilte \u2013 \u00fcber die Malerei und eine Begegnung mit Hans Werner Henze zum Komponieren. Er war eine Zeitlang auch als Grundschullehrer t\u00e4tig, wovon einige seiner B\u00fchnenwerke zeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass ihn der phantastische Realismus der Bilder von Hieronymus Bosch schon fr\u00fch faszinierte, hatte sicher auch mit dem bildenden Schaffen seines Schwiegervaters Caspar Walther Rauh (1912-1983) zu tun, das ebenfalls dem phantastischen Realismus zugeordnet wird.<\/p>\n<p>Das zweite St\u00fcck auf der CD ist eine Koproduktion mit dem BR, die beiden anderen St\u00fccke spielte der Organist Christoph Maria Moosmann an der Orgel des Rottenburger Doms ein.\u00a0 (Allerdings brauchte es dazu sogar einen zweiten Organisten und \u201enicht unerheblichen technischen Aufwand\u201c, wie Moosmann im Booklet schreibt, um alle Anforderungen der Partitur erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen.)<\/p>\n<p>Die Wandlung eines Gem\u00e4ldes in ein \u201eKlangbild\u201c ist jedenfalls ein spannender Prozess, den ich auf vielen Vernissagen selbst schon\u00a0 &#8211; zum Erstaunen der Malerinnen und Maler \u2013 improvisatorisch mit Stimme und\/oder Instrumenten gestaltet habe.<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann; Oktober 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Horst Lohse (*1943) &#8211; Letzte Dinge. 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