{"id":1272,"date":"2016-11-02T20:46:55","date_gmt":"2016-11-02T19:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1272"},"modified":"2016-11-02T20:47:03","modified_gmt":"2016-11-02T19:47:03","slug":"franzoesische-spezialitaeten-nivelliert-auf-hohem-instrumentalen-niveau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/11\/02\/franzoesische-spezialitaeten-nivelliert-auf-hohem-instrumentalen-niveau\/","title":{"rendered":"Franz\u00f6sische Spezialit\u00e4ten, nivelliert auf hohem instrumentalen Niveau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Albert Roussel: Bacchus et Ariane-Suiten op. 43 Nr. 1 &amp; 2; Claude Debussy\/orchestr. Ernest Ansermet: Six \u00c9pigraphes antiques; Francis Poulenc: Les Biches-Suite<br \/>\nOrchestre de la Suisse Romande, Kazuki Yamada<br \/>\nPentatone SACD PTC 5186558 (EAN: 827949055867)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Leskov0006.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1273\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1273\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Leskov0006-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"355\" height=\"308\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Leskov0006-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Leskov0006-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Leskov0006.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein grandioses franz\u00f6sisches Programm mit einem der Traditionsorchester, die sich seit jeher daf\u00fcr zust\u00e4ndig sehen, auf einem Label, das f\u00fcr herausragende Klangqualit\u00e4t bekannt ist: Da ist die Vorfreude gro\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Genfer Orchestre de la Suisse Romande, einst unter seinem legend\u00e4ren Leiter Ernest Ansermet f\u00fcr Decca zust\u00e4ndig f\u00fcr Strawinsky-Aufnahmen und vieles andere, tritt mit seinem mittlerweile weltweit erfolgreichen japanischen, 1979 in Kanagawa geborenen Gastdirigenten Kazuki Yamada an, um eher selten, jedenfalls in Konzerten hierzulande kaum je zu h\u00f6rende Meisterwerke franz\u00f6sischer Musik der klassischen Moderne darzubieten. Roussels Suiten aus seinem erfolgreichen Ballett \u201aBacchus et Ariane\u2019 geh\u00f6ren zum bekanntesten von diesem auch in seiner Heimat str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigten Gro\u00dfmeister. Andr\u00e9 Cluytens, Charles M\u00fcnch, Georges Pr\u00eatre, Charles Dutoit geh\u00f6ren zu den Dirigenten, die diese herrlich \u00fcppige und zugleich so charakteristisch querst\u00e4ndige, eigenwillige Musik auch immer wieder im Konzertsaal pr\u00e4sentierten, und die Referenz d\u00fcrfte bis heute Cluytens (f\u00fcr EMI, heute Warner Classics) zuzuschreiben sein, auch wenn bei ihm wie bei den anderen das Harsche, Ruppige dieser f\u00fcr franz\u00f6sische Verh\u00e4ltnisse sehr bodenst\u00e4ndig kraftvollen Musik besser umgesetzt, als das gleichfalls vorhandene zart Ver\u00e4stelte, klanglich fein Abzustimmende. Roussel ist auf jeden Fall der n\u00e4chste Meister seiner Generation, gleich nach Debussy und Roussel, und allenfalls Paul Dukas und Florent Schmitt k\u00f6nnen ihm gleichwertig zur Seite gestellt werden. Unter diesen ist er jedenfalls in seinem reifen Schaffen der Unverwechselbarste. Sehr schade, dass ein Celibidache, der das besser konnte als irgendein anderer, von Roussel nur die Petite Suite und die Suite en fa (beide mit den M\u00fcnchner Philharmonikern, bei Warner Classics) sowie die Dritte Symphonie (mit dem Orchestre National de France, beim japanischen Label Altus, nur Export) aufs Programm setzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Technisch spielt das Orchestre de la Suisse Romande unter Yamada vorz\u00fcglich, allerdings ohne besondere Finesse, es ist einfach nur tadellos solide, aber wo bleibt von Seiten des Dirigenten die Feinabstimmung der Akkorde, das Aussch\u00f6pfen der orchestral mischenden Farbpalette, das f\u00fcr die organische Verbidnung so unentbehrliche subtile Rubato? Nein, \u00fcber korrekt \u2013 und vorz\u00fcglich aufgenommen \u2013 geht das nicht hinaus. Was nat\u00fcrlich in den sp\u00e4ten Six \u00c9pigraphes antiques von Debussy, in der nicht genialen, aber sehr gekonnten Orchestration Ansermets, mit ihrer heikleren Faktur noch deutlicher zu sp\u00fcren ist. In dieser Musik ist so viel mehr drin, als hier rauskommt, und das kann die beste Tontechnik nicht kompensieren! Am ehesten gelingt der frivole Schwung von Francis Poulencs neoklassizistisch unterhaltender Ballett-Suite \u201aLes Biches\u2019, wenn auch hier alles Hintergr\u00fcndige, Verfeinertere fehlt, und gewiss kein Sinn f\u00fcr den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang \u2013 der eben einer gewissen weitschauenden B\u00fcndelung der Energien von Seiten Yamadas bed\u00fcrfte \u2013 zu finden ist. Fazit: toll zusammengestellt, exzellent aufgenommen, technisch tadellos und musikalisch mit Powerplay, aber relativ nichtssagend umgesetzt. \u00dcbrigens war auch schon Ansermet, wenngleich viel mehr auf die Aussage individueller Details bedacht, kein gro\u00dfer Klangalchimist und auch kein Meister durchgehend tragf\u00e4higer Spannungsentwicklung, sondern stets immer recht schulmeisterlich\u2026 Aber heute sollten wir doch eine gewisse Entwicklung erhoffen d\u00fcrfen, auch wenn das kaum vorkommt, und vorliegende Einspielung durchaus auf der H\u00f6he der Zeit ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum nicht sehr tiefgehenden Booklettext sei erw\u00e4hnt, dass der Autor, der offenkundig erstmals mit der Musik Roussels zu tun hatte, f\u00e4lschlich behauptet, Vincent d\u2019Indy sei ein Sch\u00fcler Roussels gewesen \u2013 es war nat\u00fcrlich umgekehrt. So etwas kann passieren, wenn man sich bei Wikipedia in der Eile verliest, doch dass auch die \u00dcbersetzer und die Redaktion es nicht bemerken, ist schon bemerkenswert. Schauen wir mal, wer das dann wieder abschreibt\u2026<\/p>\n<p><strong>[Annabelle Leskov, Oktober 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albert Roussel: Bacchus et Ariane-Suiten op. 43 Nr. 1 &amp; 2; Claude Debussy\/orchestr. 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