{"id":1286,"date":"2016-11-09T12:08:21","date_gmt":"2016-11-09T11:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1286"},"modified":"2016-11-09T12:08:21","modified_gmt":"2016-11-09T11:08:21","slug":"dichte-und-frische","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/11\/09\/dichte-und-frische\/","title":{"rendered":"Dichte und Frische"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Kubiz Unterhaching spielt das Bruckner Akademie Orchester am 6. November 2016 das Erste Cellokonzert von Camille Saint-Sa\u00ebns und die Dritte Symphonie, die &#8222;Eroica&#8220;, Ludwig van Beethovens. Dirigent ist Jordi Mora, Solistin im Cellokonzert Mariona Camats.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit wallend rotem Kleid erscheint die erst neunzehnj\u00e4hrige Mariona Camats auf der B\u00fchne, positioniert sich und startet direkt in die heiklen Solopassagen des hochvirtuosen ersten Cellokonzerts a-Moll op. 33 von Camille Saint-Sa\u00ebns. Es ist bemerkenswert, mit welcher Sicherheit und Leichtigkeit die aus Barcelona stammende Cellistin ihre Stimme meistert, wie gewandt sie selbst in den h\u00f6chsten Lagen agiert und wie spielerisch sie zwischen virtuoser Bravour und innig erf\u00fchltem Instrumentalgesang wechselt. Zwar hat die junge Cellistin vielleicht noch nicht ihren grundeigenen Ton gefunden, doch ist es ein langer Weg zur Erforschung dessen, der in Camats Alter noch nicht zur\u00fcckgelegt worden sein kann, und ich bin \u00fcberzeugt, Camats ist auf dem besten Wege und wird sehr bald damit verzaubern. Es w\u00e4re noch zu w\u00fcnschen, sie w\u00fcrde (gerade in der ber\u00fchmten Zugabe, Casals\u2019 El canto dels ocells) das Vibrato etwas sp\u00e4rlicher und funktioneller einsetzen. Doch allgemein beherrscht Camats bereits jetzt ihr Instrument auf vorz\u00fcgliche Weise und wird hoffentlich bald mit ihrer brillanten Musikalit\u00e4t zu gro\u00dfer Bekanntheit erbl\u00fchen. Die Abstimmung zwischen Solistin und Orchester funktioniert fantastisch, das Cello ist best\u00e4ndig deutlich zu h\u00f6ren, und doch wird ihr vielk\u00f6pfiger Begleitapparat nicht konturschwach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jordi Moras Bewegungen sind Musik. Er verzichtet vollkommen auf Pr\u00e4tenti\u00f6sit\u00e4t und ausladende Gesten, l\u00e4sst sich zu einhundert Prozent auf die Musik ein und folgt ihrem Fluss, den er mit seinen Gesten in maximaler Dichte auff\u00e4ngt und an seine Musiker weitergibt. Vor allem f\u00fcr diejenigen, die am Vorabend in der Selbstdarstellungs-Show mit Ljubka Biagioni zu Guttenberg und den Sofia Symphonics waren, ist dieses Konzert eine wahre Heilkur. Die intensive musikalische Arbeit, die Mora mit dem Bruckner Akademie Orchester verrichtete, ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, die Werke entstehen wie aus einem Guss und entstehen ohne Zerst\u00fcckelung in kleine Teile als Gesamtes vom Beginn bis zum Schluss in unwiderstehlichem Fluss. Das Orchester besteht aus Profimusikern wie auch aus ambitionierten Liebhabern, und so sind kleine Unsauberkeiten oder ein allgemein etwas zu aufdringliches Piano der Preis f\u00fcr ein umso lebendigeres und engagierteres Musizieren. Klarheit und Transparenz sind oberstes Gebot, nicht eine einzige Stimme geht in dem gerade bei Beethoven teils dichten und komplexen Geflecht unter. Dabei gelingen organische \u00dcberg\u00e4nge und intensive Steigerungen, Beethoven erstrahlt in selten geh\u00f6rtem Glanz, in Nat\u00fcrlichkeit und Frische. Und der langsame Satz &#8211; an dem so viele musikalisch scheitern &#8211; fesselt mit verhangen d\u00fcsterem Marschcharakter, der keinen der Zuh\u00f6rer unbetroffen l\u00e4sst. Die vertrackte Form des Kopfsatzes bleibt unmittelbar und der gewollt &#8222;falsche&#8220; Horneinsatz zu Beginn der Reprise \u00fcberrascht, als h\u00e4tte man ihn noch nie geh\u00f6rt. Heiter und locker perlen die beiden letzten S\u00e4tze, wobei das Finale durchbrochen wird von einem pl\u00f6tzlichen dunklen Teil, der wieder an die Marcia funebre gemahnt. Es ist selten, diese ber\u00fchmte Symphonie so lebendig und unverstaubt zu h\u00f6ren, wie hier in vorbildhafter Weise geschehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2016] \u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kubiz Unterhaching spielt das Bruckner Akademie Orchester am 6. November 2016 das Erste Cellokonzert von Camille Saint-Sa\u00ebns und die Dritte Symphonie, die &#8222;Eroica&#8220;, Ludwig van Beethovens. Dirigent ist Jordi Mora, Solistin im Cellokonzert Mariona Camats. 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