{"id":1293,"date":"2016-11-12T23:34:33","date_gmt":"2016-11-12T22:34:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1293"},"modified":"2016-11-12T23:34:41","modified_gmt":"2016-11-12T22:34:41","slug":"pomp-um-beethoven","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/11\/12\/pomp-um-beethoven\/","title":{"rendered":"Pomp um Beethoven"},"content":{"rendered":"<p>Arthaus Musik; EAN: 4 058407 092483<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0068.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1294\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1294 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0068-300x225.jpg\" alt=\"0068\" width=\"381\" height=\"286\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0068-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0068-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0068-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 381px) 100vw, 381px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Alle Symphonien Ludwig van Beethovens einzuspielen: dieser Mammutaufgabe stellte sich nun Philippe Jordan gemeinsam mit dem Orchestre de l&#8217;Op\u00e9ra National de Paris. Bei Arthaus Musik ist das Resultat in Bild und Ton auf vier DVDs erschienen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4u\u00dferst repr\u00e4sentativ erscheint die gro\u00dfe Box, mit welcher sich Philippe Jordan in den Kanon derer einreiht, die alle neun Symphonien Beethovens kommerziell festgehalten haben. In einer \u00e4u\u00dferst stabilen breitformatigen Box befinden sich ein Hardcover-gebundenes und reichlich mit Bildern best\u00fccktes Booklet sowie drei DVD-H\u00fcllen mit insgesamt vier DVDs, auf welchen die neun Meisterwerke sowie eine Dokumentation von Reiner E. Moritz \u00fcber Philippe Jordan zu finden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Bildaufnahmen k\u00f6nnen sich durchaus sehen lassen, die Aufnahmequalit\u00e4t ist bestechend scharf und makellos, die Kameras sind wohl positioniert. Die Schnitte sind allesamt recht musikalisch gesetzt, und auch die Kamerafahrten wirken nie planlos. Das Bild ruht nicht zu lange auf einer Stelle, springt aber auch nicht allzu wild herum, beleuchtet dabei oft auch interessante Details, die durch die visuelle Hervorhebung besonders nachdr\u00fccklich zu Geh\u00f6r gebracht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gro\u00dfen Gesten und m\u00e4chtigem Pomp geht Philippe Jordan an die Gratmesser-Werke seiner Zunft. Das Orchester intoniert triumphal wahre Siegesm\u00e4rsche, gl\u00e4nzt in den h\u00f6chsten Lagen. Die Tempi sind durchweg schnell und nach vorne dr\u00e4ngend, auch die langsamen S\u00e4tze nimmt Jordan recht z\u00fcgig. Dies hat unweigerlich die Unterbelichtung subtiler Details zur Folge, doch ist erstaunlich, dass das Orchester selbst in den hektischsten Passagen lupenrein synchron spielt, scheinbar vollkommen ohne Probleme. Die Bewegungen Jordans beim Dirigieren sind weit ausladend und machen optisch gro\u00dfen Eindruck, dienen jedoch oftmals mehr der Show als der Musik. Daraus resultierend verschleift gerne der Rhythmus, der nicht genau vorgegeben wird, besonders die Punktierungen leiden darunter &#8211; extrem zu h\u00f6ren ist dies im langsamen Satz der Eroica, im ersten Satz der f\u00fcnften Symphonie (wo schon der zweite Einsatz nicht auftaktig wirkt) sowie im ber\u00fcchtigten Kopfsatz der siebten Symphonie, vom dem Celibidache einst sagte, er sei das schwerste St\u00fcck der symphonischen Literatur. Eine zweite Konsequenz der Gesten des Dirigenten ist, da sie nicht immer der nat\u00fcrlichen Phrasierung entsprechen, dass das Orchester zu monochromer Gleichf\u00f6rmigkeit neigt, was gerade in den Tutti-Passagen &#8211; vor allem in der neunten Symphonie &#8211; zu marsch\u00e4hnlicher Pauschalisierung f\u00fchrt. Dies wirkt zwar sehr pr\u00e4chtig, pomp\u00f6s und eindrucksvoll, unterdr\u00fcck jedoch in gleichem Ma\u00dfe alles Mannigfaltige, Flexible in diesen so minuti\u00f6s durchstrukturierten Werken. Sehr angenehm klingen die M\u00e4nnersoli in der Neunten (Robert Dean Smith, G\u00fcnther Groissb\u00f6ck), besonders der Tenor ragt durch klare Tongebung und eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Stimme hervor. Bedauerlich ist, dass die Mezzo-Sopranistin Daniela Sindram von der \u00fcberm\u00e4chtigen Sopranistin Ricarda Merbeth zugedeckt wird. Der von Jos\u00e9 Luis Basso einstudierte Chor ist streckenweise schlecht abgestimmt und gerade in der gro\u00dfen polyphonen Aufgipfelung, wo sich die einzelnen Themen noch einmal gegenseitig \u00fcberlagern, geht dann doch eine ganze Menge unter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist letztlich der Pomp, der siegt, der gro\u00dfe mitrei\u00dfende Effekt, der die Zuschauer zum Jubeln bringt. Publikumswirksam ist diese Gesamtaufnahme aller Symphonien Beethovens zweifelsohne, sie erf\u00fcllt das Klischee vom zornigen Meister, wobei es leider durchaus an so einigem fehlt, was nicht weniger in diesen Meisterwerken auf subtileren, feinf\u00fchligeren Ebenen existiert, sofern man nicht lediglich dem Bann der extrovertierten Kraftdemonstration erliegen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arthaus Musik; EAN: 4 058407 092483 Alle Symphonien Ludwig van Beethovens einzuspielen: dieser Mammutaufgabe stellte sich nun Philippe Jordan gemeinsam mit dem Orchestre de l&#8217;Op\u00e9ra National de Paris. 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