{"id":1297,"date":"2016-11-14T18:00:28","date_gmt":"2016-11-14T17:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1297"},"modified":"2016-11-13T17:48:44","modified_gmt":"2016-11-13T16:48:44","slug":"geteilte-sache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/11\/14\/geteilte-sache\/","title":{"rendered":"Geteilte Sache"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-631\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-631\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-300x225.jpg\" alt=\"TNL_Philharmonie (1)\" width=\"351\" height=\"263\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/TNL_Philharmonie-1-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 351px) 100vw, 351px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Orchester, zwei Dirigenten, zwei Violinisten und ein Konzert mit zwei Solisten: Das Kammerorchester der M\u00fcnchner Philharmoniker und das Mariinsky Stradivarius Ensemble machen am Abend des 12. November geteilte Sache. Lorenz Nasturica-Herschcowici leitet Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur f\u00fcr Violine und Viola KV 364, wo er zusammen mit Yuri Afonkin auch die Soli spielt, und das zweite Violinkonzert D-Dur KV 211, in welchem Sergey Dogadin als Solist brilliert. Nach der Pause dirigiert Valery Gergiev von Edward Elgar Introduktion und Allegro f\u00fcr Streicher sowie die Serenade f\u00fcr Streicher e-Moll op. 20.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende eines langen Konzertmarathons im Rahmen des Festivals MPHIL 360\u00b0 steht ein wahres Fest f\u00fcr Streicher. Zwei der Streicherkonzerte Mozarts und zwei Werke f\u00fcr Streichorchester von Edward Elgar bilden das Programm \u201aMozart Meets Elgar\u2019 f\u00fcr ein Ensemble, welches sich aus dem Kammerorchester der M\u00fcnchner Philharmoniker und dem Mariinsky Stradivarius Ensemble zusammensetzt.<br \/>\nEr\u00f6ffnet wird der Abend von Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur f\u00fcr Violine und Viola KV 364 mit Lorenz Nasturica-Herschcowici und Yuri Afonkin als Solisten, ersterer leitet zudem das Orchester. Es ist ein heikles Doppelkonzert, da die Bratsche mit ihrem warmen, weichen und runden Klang gerne von der sch\u00e4rfer und brillanter t\u00f6nenden Violine \u00fcberschattet wird. Zu Beginn geschieht auch eben dies, und Afonkins inniges und zartes Spiel verliert sich etwas unter dem st\u00e4hlern gl\u00e4nzenden Ton von Nasturica-Herschcowici, der mit atemberaubender Beil\u00e4ufigkeit dieses Konzert meistert, doch sp\u00e4testens in der Kadenz des ersten Satzes finden die Solisten zusammen und verschmelzen gerade im zweiten Satz zu einer faszinierenden Einheit der klanglichen Gegens\u00e4tze. Ein Dirigent w\u00e4re bei dieser Concertante wirklich w\u00fcnschenswert gewesen (auch das Violinkonzert wurde schlie\u00dflich dirigiert, und dieses ist vom Zusammenspiel her nicht so heikel wie das Doppelkonzert), denn trotz redlicher Bem\u00fchungen Nasturica-Herschcowicis kommt es immer wieder zu unkontrollierten Temposchwankungen. Doch muss angemerkt werden, dass die Musiker ungeachtet dessen wie blind aufeinander eingespielt sind und es nicht ein einziges Mal zu kleinen Unf\u00e4llen kommt.<br \/>\nWesentlich pr\u00e4gnanter und glanzvoller erscheint das Orchester im Violinkonzert, diesmal unter dem Dirigat von Nasturica-Herschcowici, das Solo spielt sein junger und bereits sehr renommierter Kollege Sergey Dogadin. In k\u00fchler Distanz und frei von \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Emotionen brilliert er in der Solopartie, achtet dabei auf kristallklares Spiel. Als Zugabe gibt er die Introduktion \u201eNel cor pi\u00f9 non mi sento\u201c und das Thema der Variationen \u00fcber Paisiellos \u201eLa Molinara\u201c von Nicolo Paganini, was in seiner scherzend-leichtf\u00fc\u00dfigen Sprunghaftigkeit dem Violinisten noch mehr auf ihn zugeschnittene Gestaltungsm\u00f6glichkeiten beinhaltet als das vorangegangene Konzert. Sehr am\u00fcsant \u00fcbrigens, dass Lorenz Nasturica-Herschcowici, vielleicht infiziert von Maestro Gergiev, ebenfalls mit einem Zahnstocher dirigiert.<br \/>\nDieser hingegen bedient sich heute lediglich seiner blo\u00dfen H\u00e4nde zum Leiten der beiden Streichorchesterwerke Elgars. Mittlerweile hat sich Gergiev besser auf die M\u00fcnchner Philharmoniker eingestimmt als in den vergangenen Konzerten, welche ich geh\u00f6rt habe. Zwar ist die gro\u00dfe Form noch immer in disparat verstandene einzelne Segmente zersplittert, doch diese erhalten wesentlich mehr F\u00fclle und erfahren gr\u00f6\u00dfere Beachtung des Detailreichtums. Am wohlgef\u00e4lligsten gelingt die abschlie\u00dfende Serenade mit ihrem tiefen Brodeln, dem ewigen Wallen und der komplexen, dichten Faktur, die dem m\u00e4chtig-klangvollen Orchester mehr entgegenkommt als Mozart. Durch das zus\u00e4tzliche Quartett der Stimmf\u00fchrer werden in Introduktion und Allegro einige Konturen klarer und auch die harmonischen Finessen werden dadurch Solisten besonders unterstrichen, so dass manch ein faszinierender Moment entsteht, wenn pl\u00f6tzlich das Moll wieder hereinbricht oder ein Dur die Wolken verweht.<br \/>\nEin sehr spannendes Projekt, in einem Konzert mehrere Solisten und mehrere Dirigenten zu erleben &#8211; und dann noch mit vereinten Kr\u00e4ften aus zwei Orchestern, die in diesen Tagen au\u00dferdem s\u00e4mtliche sieben Prokofieff-Symphonien und Mozart-Violinkonzerte sowie den dritten Aufzug aus Parsifal und zweimal Peter und der Wolf stemmen, was nat\u00fcrlich zu viel ist, um auch nur eines davon wirklich grundlegend zu verwirklichen.<br \/>\n[Oliver Fraenzke, November 2016]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Orchester, zwei Dirigenten, zwei Violinisten und ein Konzert mit zwei Solisten: Das Kammerorchester der M\u00fcnchner Philharmoniker und das Mariinsky Stradivarius Ensemble machen am Abend des 12. 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