{"id":1300,"date":"2016-11-18T18:00:05","date_gmt":"2016-11-18T17:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1300"},"modified":"2016-11-13T15:38:07","modified_gmt":"2016-11-13T14:38:07","slug":"grandiose-kammermusik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/11\/18\/grandiose-kammermusik\/","title":{"rendered":"Grandiose Kammermusik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Lawo, LW 1066 &amp; 1081; EAN: 7 090020 180694 &amp; 7 090020 180939<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0069.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1301\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1301\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0069-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0069-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0069-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0069.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0070.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1302\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1302\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0070-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0070-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0070-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/0070.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das gesamte Kammermusikwerk des norwegischen Komponisten Ketil Hvoslef wird derzeit f\u00fcr Lawo eingespielt. Die ersten beiden CDs sind mittlerweile erschienen, auf ihnen sind zu h\u00f6ren: Erkejubel, Duo Due, Frammenti Di Roma (I-XI), Scheherazade Forteller Videre, Canis Lagopus, Duodu, Ludium for 7 flutes, Oktett f\u00fcr Fl\u00f6ten, Dano Tiore, Duo for accordions, Quartetto Percussivo.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich unbestreitbar einer der substanziellsten und eigenst\u00e4ndigsten Komponisten unserer Zeit, ist der Name Ketil Hvoslef bisher fast nie in Konzerten oder Einspielungen au\u00dferhalb seines Heimatlandes zu h\u00f6ren. Der Norweger wurde 1939 als Sohn des gro\u00dfen Symphonikers Harald S\u00e6verud (bekannt u.a. durch Kjempevisesl\u00e5tter oder seine neue Schauspielmusik zu Ibsens Peer Gynt, durch neun Symphonien, seine Instrumentalkonzerte oder brillanten Miniaturen f\u00fcr Klavier) geboren, nutzt als K\u00fcnstler seit seinem 40. Lebensjahr den Nachnamen seiner Mutter, um nicht mit dem ber\u00fchmten Vater verwechselt zu werden. Nicht eine einzige Symphonie komponierte Hvoslef bisher, daf\u00fcr eine gro\u00dfe Auswahl an verschiedenartigsten Instrumentalkonzerten (zum Teil f\u00fcr spannende Besetzung wie Violine und Pop-Band oder Fl\u00f6te, Gitarre und Streicher) und noch weit mehr Kammermusik f\u00fcr die abenteuerlichsten Konstellationen. Diese soll nun f\u00fcr Lawo komplett erscheinen, die ersten beiden CDs sind bereits auf dem Markt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Stil von Ketil Hvoslef ist unverkennbar sein eigener, er geh\u00f6rt keiner Schule an und auch von der Musik seines Vaters setzt er sich klar ab. Die Musik Hvoslefs zeichnet sich aus durch improvisatorisch freie Formen, die stets grenzenlose Inspiration verspr\u00fchen und dabei trotz aller Freiheit bezwingend stringent sind, immer eine fesselnde Klangmagie entfalten, die schlichtes Material mit scharfen Dissonanzen und rhythmischen Finessen zu unerh\u00f6rtem Zusammenwirken verbindet, sowie durch eine r\u00fccksichtslose Obsessivit\u00e4t, die restlos ausgereizt wird, ohne je ihre Spannung und ihren Zauber zu verlieren oder gar ins Monotone, Redundante umzuschlagen. Dabei hat jedes St\u00fcck seinen unverwechselbar pers\u00f6nlichen Charakter, nicht zuletzt indem Hvoslef nur selten die gleiche Instrumentation in zwei St\u00fccken verwendet, und er kann mit absolut jeder nur erdenklichen Besetzung spielerisch umgehen, ohne an Gewandtheit einzub\u00fc\u00dfen oder nur ein einziges Mal banal zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vier Duette finden sich auf den beiden CDs, darunter die beiden hinrei\u00dfenden Streicherduette Duodu (Geige und Bratsche), welches eines seiner meistaufgef\u00fchrten Werke ist und dessen Name sich von &#8222;du og du!&#8220; (soviel wie &#8222;Oh mein Gott!&#8220;) ableitet, und Duo Due (zweites Duo) f\u00fcr Geige und Cello. Obwohl die Werke so unterschiedlichen Charakter haben, weisen sie doch beide die oben genannten Charakteristika auf und halten die Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde, ohne jemals abzufallen. Neben einem Duo f\u00fcr Akkordeons gibt es auch ein Duo f\u00fcr Geige und Harfe mit dem Titel <em>Scheherazade forteller videre<\/em> (Scheherazade weitererz\u00e4hlt), ein besonders interessantes Werk, das dort ankn\u00fcpft, wo Rimsky-Korsakovs Scheherazade aufh\u00f6rt, und mit orientalischem Flair eine geradezu orchestrale Wirkung entfaltet, dabei immer wieder um kleine Motive kreisend, um die herum sich neue Geschichten entspinnen. Sehr bemerkenswert ist das Fl\u00f6ten-Oktett, welches (wie das Cover zeigt) ein achtbeiniges Wesen &#8211; wie einen Octopus &#8211; darstellt. Es ist faszinierend, welche Kl\u00e4nge der Besetzung f\u00fcr acht Fl\u00f6ten entlockt werden k\u00f6nnen, die einen dichten, beinahe an Ligeti gemahnenden Ton bis hin zur fast elektronisch wirkenden Clusterbildung erzeugen k\u00f6nnen, und wie sich die Fl\u00f6ten tats\u00e4chlich zu einem gro\u00dfen Lebewesen einen, das sich f\u00fchlend und windend vorw\u00e4rts bewegt. Nicht weniger ein Highlight zeitgen\u00f6ssischer Kammermusik ist Dano Tiore f\u00fcr Sopran, Violine, Viola, Cello und Cembalo. Anstelle eines sinnigen Textes tr\u00e4gt die Sopranistin Fantasiew\u00f6rter vor, die lediglich dem Ausdruck der Musik dienen und deren Wirkung intensivieren sollen &#8211; eine Rechnung, die frappant aufgeht. Schnelle rezitativische Passagen und geheimnisvolle Kantilenen wechseln sich ab, dem entsprechend stehen klangvolle Streichtrio-Passagen oder trockene Cembalo-Fl\u00e4chen als Begleitung zur Verf\u00fcgung, die kontrastieren, aber auch sich mischen k\u00f6nnen. Jedes Werk &#8211; auch die hier nicht besonders gew\u00fcrdigten &#8211; besitzt jedenfalls eine vollkommen eigene Pers\u00f6nlichkeit und gibt eine weitere Facette des unb\u00e4ndig kreativen Geists Hvoslefs preis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Musiker einzeln zu loben w\u00fcrde jeden Rahmen sprengen, so gern ich es tats\u00e4chlich machen w\u00fcrde. Doch agieren kurzum alle auf allerh\u00f6chstem Niveau und es gibt absolut nichts auszusetzen. Die Werke sind auf kongeniale Weise dargeboten &#8211; alles wurde unter Anwesenheit des Komponisten geprobt und eingespielt. Durchgehend ist die Essenz erfasst, die unm\u00f6glichsten Schwierigkeiten sind spielerisch gemeistert und alles befindet sich im kontinuierlichen Fluss, der die improvisatorische Leichtigkeit der Form tr\u00e4gt. Die Musiker wirken als Gemeinschaft zusammen und sind in jeder Besetzung in makelloser Synchronizit\u00e4t, in gemeinsamem musikalischen Atem aufeinander eingespielt. Die Musiker sind: Gary Peterson, Britt Pernille Lindvik, John-Arild Suther, Kjell Erik Husom, Einar R\u00f8ttingen, Alexander Ulriksen, Ricardo Odriozola, John Ehde, Steinar Hannevold, Christian Stene, Per Hannevold, Marija Kadovi\u010d, M\u0103ra \u0160miuk\u0161e, Ilze Klava, Peter Palotai, Moa Bromander, Sofya Dudaeva, Cecilia Lind, Rebecca Lambrecht, Ingrid S\u00f8fteland Neset, Knut Magnus B\u00f8en, Juana Gundersen, Gro Sandvik, Hilde Haraldsen Sveen, Jostein Stalheim, Kai Andre Hansen, Torleif Torgersen, Peter Kates und Manuel Hofst\u00e4tter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden vorliegenden CDs geh\u00f6ren zu den besten Kammermusikeinspielungen der letzten Jahre, sowohl von der k\u00fcnstlerischer Qualit\u00e4t her als auch hinsichtlich der Inspiration und handwerklichen Vollendung der Werke. Gespannt erwarten wir nun sieben weitere CDs!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lawo, LW 1066 &amp; 1081; EAN: 7 090020 180694 &amp; 7 090020 180939 Das gesamte Kammermusikwerk des norwegischen Komponisten Ketil Hvoslef wird derzeit f\u00fcr Lawo eingespielt. 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