{"id":1330,"date":"2016-11-27T18:26:45","date_gmt":"2016-11-27T17:26:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1330"},"modified":"2016-11-27T18:36:07","modified_gmt":"2016-11-27T17:36:07","slug":"meer-mit-tiefgang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/11\/27\/meer-mit-tiefgang\/","title":{"rendered":"\u201eMeer\u201c mit Tiefgang"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Claude Debussy: Klaviermusik zu vier H\u00e4nden Vol. 2<br \/>\n(\u201eLa Mer\u201c, \u201eImages\u201c, \u201ePr\u00e9lude \u00e0 L\u2019Apr\u00e8s-Midi d\u2019un faune\u201c)<br \/>\nJean-Pierre Armengaud, Olivier Chauzu<br \/>\nNaxos, Art.-Nr.: 8.573463; EAN: 747313346370<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Grete0018.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1331\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1331\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Grete0018-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"389\" height=\"337\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Grete0018-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Grete0018-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Grete0018.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 389px) 100vw, 389px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jean-Pierre Armengaud und Olivier Chauzu stellen mit dieser CD Versionen der wohl bekanntesten Orchesterwerke Claude Debussys f\u00fcr Klavier vierh\u00e4ndig vor \u2013 und wissen mit einem eigenen Ansatz zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist h\u00e4ufig sehr interessant, wenn man Werke, die normalerweise in \u00fcppigen Orchesterbesetzungen bekannt sind, einmal in kleinen Besetzungen h\u00f6ren kann oder \u2013 in der oft wirkungsvollsten Form der Reduktion \u2013 als Klavierauszug. Was h\u00f6rt man da nicht alles neu, anders oder zum ersten Mal. Dicht orchestrierte Werke pr\u00e4sentieren sich von einer ganz neuen Seite und werden pl\u00f6tzlich \u201edurchh\u00f6rbar\u201c, erscheinen dem H\u00f6rer pl\u00f6tzlich transparent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht selten h\u00f6rt man dann auch die vermeintlich bekannte Orchesterfassung nach einer solchen H\u00f6rerfahrung wie mit neuen Ohren und wundert sich, warum einem manche Details fr\u00fcher nie aufgefallen waren, die man erst durch das H\u00f6ren der Klaviertranskription wahrgenommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So ging es mir k\u00fcrzlich mit dieser CD, die drei der bekanntesten Orchesterwerke Claude Debussys in gleicherma\u00dfen transparenten wie klangsinnlichen Interpretationen durch die beiden Pianisten Jean-Pierre Armengaud und Olivier Chauzu vorstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Armengaud gilt als Herausgeber von kritischen Editionen der Klaviermusik Erik Saties und Henri Dutilleux\u2018 als einer der herausragenden Experten f\u00fcr franz\u00f6sische Musik des 20. Jahrhunderts. Als Interpret ist er bislang nur beim NAXOS-Label aufgefallen. Chauzu hingegen ist ein viel gefragter Duo-Partner, spielt zum Beispiel immer wieder Duo-Konzerte mit Nicholas Angelich und Fran\u00e7ois Leleux.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bleibt die Frage: Von wem stammen denn diese vierh\u00e4ndigen Klavierversionen gro\u00dfer Debussy-Meisterwerke wie \u201eLa Mer\u201c, \u201eImages\u201c und \u201ePr\u00e9lude \u00e0 l\u2019Apr\u00e8s-midi d\u2019un faune\u201c? Sie stammen vom Komponisten selbst (\u201eLa Mer\u201c) sowie von Andr\u00e9 Caplet, einem etwas j\u00fcngeren Zeitgenossen Claude Debussys. Caplet ist ein Komponist gewesen, der in seinem eigenen Recht eigentlich eine Wiederentdeckung verdient h\u00e4tte, der aber vor allem \u2013 und darum geht es hier \u2013 sein Handwerk auf das Beste verstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jean-Pierre Armengaud und Olivier Chauzu wissen mit ihrem Spiel der vierh\u00e4ndigen Versionen von Debussys bekanntesten Werken unumwunden zu begeistern. Das Besondere an ihrer Darbietung ist, dass sie sich offenbar nicht an typischen Interpretationsans\u00e4tzen orientieren, die man von Einspielungen der Orchesterwerke her kennt. Die beiden ziehen hier eindeutig einen eigenen Ansatz durch, und diesen kann man nur uneingeschr\u00e4nkt bewundern: In beeindruckender Klarheit und Synchronizit\u00e4t einerseits verschaffen sie dem H\u00f6rer eine v\u00f6llige Werktransparenz, um andererseits mit einer \u2013 ich wiederhole diesen Neologismus gern \u2013 Klangsinnlichkeit zu beeindrucken, die wirklich begeisternd ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Glitzern der Sonnenstrahlen auf dem Meer, die deskriptiv-beschreibenden Inhalte dieser Musik (auch in den Images und dem Pr\u00e9lude finden sich zahlreiche solcher Momente), halte ich in diesen Versionen h\u00e4ufig f\u00fcr weitaus plastischer als in vielen der zahlreichen Orchestereinspielungen dieser St\u00fccke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass dies so ist, liegt an einer sehr pers\u00f6nlich gef\u00e4rbten Darstellung Armengauds und Chauzus, die denjenigen der besten Dirigenten in nichts nachsteht. Diese Klavier-Darbietungen vermitteln ein tiefes musikalisches Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen sowie eine reichhaltige emotionale Palette und zeigen somit Eigenschaften, wie man sie bei Klavier-Duos leider zunehmend selten findet. W\u00e4hrend mehrere andere Klavierduett-Besetzungen vor allem an technisch-mechanischen Meisterleistungen interessiert zu sein scheinen, sind Armengaud und Chauzu ein echtes Team, atmen und denken gleich und sind \u2013 ein nicht zu vernachl\u00e4ssigender Punkt \u2013 offenbar bestens auf einander eingespielt, haben alle St\u00fccke auch bez\u00fcglich ihres musikalischen Gehalts top einstudiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Produktion ist alles andere als ein Schnellschuss oder ein \u201enice to have\u201c. Sie ist Kunst, wie sie sch\u00f6ner, tiefer, inniger empfunden kaum zu finden sein wird. Und sie stellt in sich einen Wert dar, der \u00fcber den vordergr\u00fcndigen Aspekt der blo\u00dfen Klavierbearbeitung weit hinausreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, November 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claude Debussy: Klaviermusik zu vier H\u00e4nden Vol. 2 (\u201eLa Mer\u201c, \u201eImages\u201c, \u201ePr\u00e9lude \u00e0 L\u2019Apr\u00e8s-Midi d\u2019un faune\u201c) Jean-Pierre Armengaud, Olivier Chauzu Naxos, Art.-Nr.: 8.573463; EAN: 747313346370 Jean-Pierre Armengaud und Olivier Chauzu stellen mit dieser CD Versionen der wohl bekanntesten Orchesterwerke Claude Debussys f\u00fcr Klavier vierh\u00e4ndig vor \u2013 und wissen mit einem eigenen Ansatz zu \u00fcberzeugen. 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