{"id":1343,"date":"2016-12-01T23:55:30","date_gmt":"2016-12-01T22:55:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1343"},"modified":"2016-12-02T16:54:53","modified_gmt":"2016-12-02T15:54:53","slug":"alles-von-wild-bis-berueckend-zart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/01\/alles-von-wild-bis-berueckend-zart\/","title":{"rendered":"Alles von wild bis ber\u00fcckend zart"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Konzert vom Sonntag, den 27. November 2016\u00a0 19 Uhr; Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Symphonieorchester Wilde Gungl M\u00fcnchen; Margarita Oganesjan, Klavier, Doren Dinglinger, Violine, Uladzimir Sinkevich, Violoncello; Michele Carulli, Dirigent<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ludwig van Beethoven: Konzert f\u00fcr Klavier, Violine, Violoncello und Orchester (Tripelkonzert) C-Dur op. 56; Johannes Brahms: Symphonie Nr. 1 c-moll op. 68<\/p>\n<figure id=\"attachment_1345\" aria-describedby=\"caption-attachment-1345\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161127_CloseUpSolisten_website_MHBE4611_web_mh.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1345\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1345 size-medium\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161127_CloseUpSolisten_website_MHBE4611_web_mh-300x200.jpg\" alt=\"Photo Matthias Hallensleben\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161127_CloseUpSolisten_website_MHBE4611_web_mh-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161127_CloseUpSolisten_website_MHBE4611_web_mh-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161127_CloseUpSolisten_website_MHBE4611_web_mh-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161127_CloseUpSolisten_website_MHBE4611_web_mh.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1345\" class=\"wp-caption-text\">Photo Matthias Hallensleben<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die allererste Frage nach dem Tripelkonzert von Beethoven: Warum, unbegreiflicherweise, h\u00f6rt man diese wundervolle Musik nicht viel \u00f6fter im Konzertsaal?\u00a0 Oder, etwas \u201ecooler\u201c gefragt: Was ist besser als ein Solist? Eben deren drei, noch dazu von derart exquisitem Zuschnitt wie an diesem Abend. Dass Michele Carulli die Wilde Gungl und sich selbst hinter die drei Solisten postierte \u2013 \u00fcbrigens auf seinen Wunsch, um dem Trio das bessere Zusammenspiel zu erm\u00f6glichen \u2013, f\u00fchrte zwar an einigen Stellen zu leichten Irritationen, ist jedoch dennoch bemerkenswert. Und diese beeindruckende Musik unmittelbar beim Entstehen erleben zu k\u00f6nnen, ist jedesmal ein solches Erlebnis, damit kommt keine noch so gute und perfekte CD mit. Live is Life! Und die Musiker des Orchesters begleiteten die Solisten mit \u00e4u\u00dferster Intensit\u00e4t und bereiteten ihnen das w\u00fcnschenswert obligate \u201eSilbertablett\u201c. Michele Carulli dirigierte wie immer mit Leib und Seele, befeuerte seine Instrumentalisten und brachte vor allem wieder einmal die Streichergruppen zum Bl\u00fchen und zum Klingen. Besonders sch\u00f6n gelang der zweite Satz, das melodi\u00f6se Largo, in dem der Cellist zu Hochform auflief. Was allerdings nicht hei\u00dfen soll, dass die anderen beiden Solisten es ihm nicht gleich getan h\u00e4tten. Aber die dem Cello einkomponierte Kantilene ist eben besonders beeindruckend und war bei Uladzmir Sinkevich in allerbesten H\u00e4nden. Margarita Oganesian, die in M\u00fcnchen schon des \u00f6fteren zu h\u00f6ren war, ist eine wunderbare Musikerin, die den Klavierpart nicht nur bravour\u00f6s spielte, auch das Zusammenspiel der drei war gro\u00dfartig, wozu die Geigerin Doren Dinglinger ihre silberne Geige bestechend ins Spiel brachte. Intensiver Applaus und Blumen&#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause stand ein Koloss auf dem ambitionierten Programm: Die erste Symphonie in c-moll op. 68 von Johannes Brahms. Im \u2013 im Ticketpreis inbegriffenen \u2013 Programmheft war \u00fcber die vielen Skrupel des Komponisten zu lesen, mit denen die Entstehung seiner sp\u00e4ten \u201eErsten\u201c befrachtet war. Nach der Auff\u00fchrung wurde mir klar, warum Arnold Sch\u00f6nberg sich immer auch als Nachfolger und in der Tradition von Brahms stehen sah: So k\u00fchn und modern ist sie eben auch heute noch, diese Symphonie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht, weil sie ein wirklich gro\u00dfes Orchester verlangt mit Kontrafagott, vier H\u00f6rnern und drei Posaunen, wobei letztere bis zum letzten Satz warten m\u00fcssen. Was\u00a0 den Musikerinnen und Musikern da abverlangt wird, geht hart an die Grenze, da ist nicht mehr von Amateurorchester oder Laienspielern die Rede, da wird alles gefordert, auch vom Dirigenten \u2013 der \u201eseine\u201c Wilde Gungl mit Feuereifer und vollem K\u00f6rpereinsatz zum Entstehen dieses Werkes anleitete und anregte. Vom wilden Fortissimo bis zum sanftesten Pianissimo ist alles vertreten, bis hin zu den sch\u00f6nsten Kl\u00e4ngen oder der ber\u00fcckenden, wohlbekannten Melodie im letzten Satz. Seine \u201ekontrapunktischen Kunstst\u00fccke\u201c, wie sie Eduard Hanslick bem\u00e4ngelte, machten dessen Urteil nach der Wiener Erstauff\u00fchrung nicht schlechter, im Gegenteil, er lobte sie als eines der \u201eeigent\u00fcmlichsten und gro\u00dfartigsten Werke der Sinfonieliteratur.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langanhaltender Beifall, wiederholtes Erscheinen des Dirigenten, der dann per Handschlag sich bei allen besonders geforderten Orchester-Solisten \u2013 H\u00f6rner, Bl\u00e4ser, Pauke usw. \u2013 bedankte und seiner Begeisterung mit einer Zugabe \u2013 einem Teil aus dem vierten Satz \u2013 freien Lauf lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Abend, der wieder einmal zeigte, zu welchem Niveau die Liebe zur Musik und die Arbeit an der Musik im Stande sind. Das Orchester \u201eWilde Gungl\u201c ist unter seinem neuen Dirigenten Michele Carulli wieder ein gro\u00dfes St\u00fcck gewachsen, was das zahlreich erschienene Publikum begeistert und dankend zu Kenntnis nahm und nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ceterum censeo: Es wird Zeit, dass das verschlafene M\u00fcnchner Zeitungsfeuilleton die \u201eWilde Gungl\u201c und ihre Konzerte endlich einmal zur Kenntnis nimmt. Auch das geh\u00f6rt zur Aufgabe einer M\u00fcnchner Zeitung!<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann, November 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzert vom Sonntag, den 27. 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