{"id":135,"date":"2015-09-24T22:31:15","date_gmt":"2015-09-24T20:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=135"},"modified":"2016-01-06T16:40:09","modified_gmt":"2016-01-06T15:40:09","slug":"beth-levins-gesamtkunstwerk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/09\/24\/beth-levins-gesamtkunstwerk\/","title":{"rendered":"Beth Levins &#8222;Gesamtkunstwerk&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Aldil\u00e0 Records ARCD 005; EAN: 9 003643 980051<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-136\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2-001-300x266.jpg\" alt=\"2-001\" width=\"300\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2-001-300x266.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2-001-1024x909.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein scheinbar unkombinierbares Programm, vereint zu einem unzertrennbar wirkenden Ganzen ist auf dem ersten europ\u00e4ischen Album von Beth Levin zu h\u00f6ren. Inward Voice hei\u00dft die CD der amerikanischen Pianistin, die Schumanns Kreisleriana, Anders Eliassons Versione per pianoforte und Franz Peter Schuberts sp\u00e4te Sonate c-Moll D 958 zu kombinieren vermag.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange Zeit in gr\u00f6\u00dfter Bescheidenheit dem internationalem Star-Rummel fern geblieben, tritt die Amerikanerin Beth Levin endlich ans Licht mit ihrer ersten CD-Ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb der USA und bietet in dieser direkt ein atemberaubendes Programm dar. Jedes dieser Werke mit grundverschiedenem Gestus ist f\u00fcr sich schon eine technische und interpretatorische Herausforderung besonderer G\u00fcte, doch Beth Levin geht noch ein St\u00fcck weiter: Sie l\u00e4sst die Werke in einem einzigen durchgehenden Bogen verlaufen, so flie\u00dft Schumann ohne merklichen Bruch in die eigenwillige, 135 Jahre sp\u00e4ter komponierte Versione des schwedischen Neuerers Anders Eliasson \u00fcber, welche wiederum von Schubert so aufgefangen und zur\u00fcck in klassische Sph\u00e4ren geworfen wird, als w\u00e4re es exakt so komponiert. Somit schafft die Pianistin ein wahres Gesamtkunstwerk, verbunden durch die zum H\u00f6rer durchdringende Zuwendung zu jedem St\u00fcck und zu jeder Note.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Cover macht fast den Eindruck, als handle es sich bei Inward Voice um eine etwas klein geratene Schallplatte mit seinem stilllebenhaften Schattenabbild eines Baumes und dem kleinen eingerahmten Schriftzug mit dem Inhalt der CD. Dies, malerisch anzuschauen und unmittelbar an alte Vinyltontr\u00e4ger erinnernd, tr\u00e4gt \u2013 ebenso wie die von Gil Reavill verfassten Gedichte zu den einzelnen Programmpunkten \u2013 zu einer einheitlichen Gesamterscheinung bei, zu jener \u00fcberw\u00e4ltigend konzipierten Programmdramaturgie, die die Amerikanerin kunstvoll ersonnen hat. Nicht zuletzt Teil dieser Erscheinung ist ihr Spiel, welches sich n\u00e4mlich komplett von der Masse heutiger Gepflogenheiten abhebt; sie erreicht eher die musikalischen Qualit\u00e4ten der gro\u00dfen Musiker der fr\u00fchen zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Mittlerweile gebr\u00e4uchliche H\u00f6rgewohnheiten und standardisierte Auffassungen lassen Beth Levin vollkommen kalt, sie folgt einem ganz eigenen Weg. Allgemein ist ihr Spiel \u00e4u\u00dferst feinf\u00fchlig und frei von jeder Gehetztheit, alles beh\u00e4lt eine innere Ruhe; gerade in den sehr bewegten und lebhaften Stellen der Kreisleriana sowie dem meist zur Hetzjagd ausufernden Finale der Schubertsonate beweist sie unglaubliche Kontrolle und schafft damit absolute Referenz. Ebenso spektakul\u00e4r ist das technische Verm\u00f6gen der Pianistin, handelt es sich doch um eine ungeschnittene Liveaufnahme im Studio und dennoch l\u00e4sst sich fast an keiner Stelle einmal eine punktuelle Unsauberkeit herausfiltern &#8211; auch bei genauer Kenntnis des Notentexts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beth Levin wei\u00df genau, was sie will. Ersichtlich wird dies alleine schon durch die Tatsache, dass die Kreisleriana in dieser Einspielung ein einziger Track ist und nicht in die acht St\u00fccke zersplittert wurde. Endlich wird man derart gezwungen, dieses Einheitswerk wirklich als Einheit zu h\u00f6ren! Auch innerhalb des Werkes ist exakt bedacht, welche Wiederholungen gespielt werden sollen und welche nicht, ebenso bei Schubert. Nicht vergessen sollten auch Beth Levins Notizen zur Kreisleriana im allgemein sehr lesenswerten und interessant illustrierten Booklet bleiben, die pers\u00f6nliche Assoziationen zu Schumanns Op. 16 und Tipps f\u00fcr Pianisten beinhalten. In keinem der St\u00fccke scheute die Pianistin davor zur\u00fcck, kleine dynamische Akzentuierungen vorzunehmen, um die energetische Linie herauszubringen anstatt stur zum Beispiel ein auf die Aufl\u00f6sung deplatziertes Sforzato \u00fcberm\u00e4\u00dfig herausknallen zu lassen. Gerade bei Eliassons Versione per pianoforte, einem von nur f\u00fcnf Klavierwerken des im vorletzten Jahr verstorbenen Meisters (welches im \u00dcbrigen hier als Ersteinspielung vorliegt), nutzte sie detailliert leichte dynamische Abweichungen, um die Lautst\u00e4rke in ein dem Spannungsbogen entsprechendes Verh\u00e4ltnis einzugliedern. Daf\u00fcr sind die dynamischen Unterschiede durchgehend umso betr\u00e4chtlicher, in einer vollkommen ungewohnt geradezu orchestrale Kontraste schaffenden Weise. Alle rhythmischen Komplikationen meistert Beth Levin dabei spielerisch, egal ob st\u00e4ndige Taktwechsel oder abstruseste Positionierung k\u00fcrzester Notenwerte, nichts bringt sie von einem gleichm\u00e4\u00dfigen Pulsieren ab, so dass auch die zwei Monate vor seinem Tod komponierte Sonate c-Moll Franz Schuberts mit ihren sprunghaften Wechseln von triolischem zu duolischem Denken keine Schwierigkeit, jedoch umso spannenderes Geschehen darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So bleibt nur, gespannt zu warten auf die hoffentlich bald nachfolgende n\u00e4chste Einspielung von Beth Levin, f\u00fcr alle, die nach diesem gro\u00dfen Wurf sicherlich Lust auf mehr bekommen. Mit nur einem Tag Aufnahmezeit hat sie bewiesen, dass auch ohne Willk\u00fcr und unreflektierte Eingriffe in den Notentext sowie ohne erk\u00fcnstelte Manierismen, allerdings mit in seiner unwillk\u00fcrlichen Wucht absolut fesselndem Rubato, das scheint, als k\u00f6nne es gar nicht anders sein, ein g\u00e4nzlich eigener Stil geschaffen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, September 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aldil\u00e0 Records ARCD 005; EAN: 9 003643 980051 Ein scheinbar unkombinierbares Programm, vereint zu einem unzertrennbar wirkenden Ganzen ist auf dem ersten europ\u00e4ischen Album von Beth Levin zu h\u00f6ren. Inward Voice hei\u00dft die CD der amerikanischen Pianistin, die Schumanns Kreisleriana, Anders Eliassons Versione per pianoforte und Franz Peter Schuberts sp\u00e4te Sonate c-Moll D 958 zu &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/09\/24\/beth-levins-gesamtkunstwerk\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Beth Levins &#8222;Gesamtkunstwerk&#8220;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[92,7,91,87,93],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=135"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4912,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135\/revisions\/4912"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}