{"id":1366,"date":"2016-12-09T23:13:42","date_gmt":"2016-12-09T22:13:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1366"},"modified":"2016-12-09T23:13:42","modified_gmt":"2016-12-09T22:13:42","slug":"eine-junge-gewinnerin-mit-aussichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/09\/eine-junge-gewinnerin-mit-aussichten\/","title":{"rendered":"Eine junge Gewinnerin mit Aussichten"},"content":{"rendered":"<p>Naxos 8.573725; EAN: 7 47313 37257 7<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0075.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1367\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1367\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0075-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"328\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0075-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0075-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0075.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als Gewinnerin der Ja\u00e9n International Piano Competition 2015 spielt die 1998 geborene Pianistin Anastasia Rizikov eine CD der Laureate Series von Naxos ein. Auf dem Programm steht die Sturm-Sonate d-Moll op. 31\/2 von Ludwig van Beethoven, Triana aus dem zweiten Buch von Alb\u00e9niz&#8216; Iberia, So\u00f1ando Mar\u00eda Magdalena von Juan Cruz-Guevara sowie die Klaviersonate e-Moll op. 7 von Edvard Grieg.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube nicht an Wunderkinder. Ich wei\u00df um fingertechnische Begabung, den Nutzen von langem wie intensiv-konzentriertem \u00dcben (und dies begleitend besserer oder schlechterer Unterweisung), und in manchen F\u00e4llen ist da ein musikalisches Gesp\u00fcr, welches mit der Zeit immer weiter ausreifen kann. Die meisten jungen Talente verf\u00fcgen \u00fcber die beiden zuerst genannten Aspekte, der dritte &#8211; und die Arbeit am dritten &#8211; bleibt hingegen oft au\u00dfen vor. Zweifelsohne l\u00e4sst sich von Anastasia Rizikov behaupten, dass sie alle drei Punkte vereint und schon jetzt zu einer Symbiose verschmelzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch nicht einmal die Vollj\u00e4hrigkeit hatte die kanadische Pianistin erreicht, als sie vorliegende CD einspielte \u2013 nach dem Gewinn der Ja\u00e9n International Piano Competition.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wenige Jahre \u00e4lter war Edvard Grieg, als er seine einzige Solo-Klaviersonate schrieb, die in gewisser Weise bereits das Klavierkonzert antizipiert, eine volkst\u00fcmliche Nat\u00fcrlichkeit und Einheit zeigt, als w\u00e4re sie aus einem Guss geschaffen (tats\u00e4chlich dauerte es nur elf Tage, sie niederzuschreiben). Beethovens Sturm-Sonate entstand parallel zu den Schlussz\u00fcgen seiner zweiten Symphonie, wobei er auf eine gro\u00dfe Anzahl bereits komponierter bedeutsamer Werke zur\u00fcckblicken konnte. Ein absolutes Reifewerk ist Iberia von Isaac Alb\u00e9niz, diese zw\u00f6lf St\u00fccke sind die letzten fertiggestellten Kompositionen des Spaniers, tragen das gesamte Geschick, die ausgekl\u00fcgelte Tonalit\u00e4t in all ihrer Organik, die spanische W\u00fcrze und die suggestiv schillernde Farbigkeit seines Stils auf vollendete Weise in sich. Diesen drei St\u00fccken ist hier So\u00f1ando Mar\u00eda Magdalena von Juan Cruz-Guevara gegen\u00fcber gestellt, welches f\u00fcr den Wettbewerb geschrieben wurde, eine sonore Reihe von Variationen \u00fcber ein Thema, das in vier St\u00fccke unterteilt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kann von einer zur Zeit der Aufnahme sechzehnj\u00e4hrigen Pianistin nicht erwartet werden, dass sie die umfassende Form solcher gro\u00dfen Werke in ihrer G\u00e4nze einheitlich erfassen kann &#8211; selbst den gr\u00f6\u00dften Meistern gelang dies noch in sp\u00e4teren Jahren nicht (und man nehme Heinz \u00a0Tiessens Bericht \u00fcber den jungen Eduard Erdmann zu Kenntnis &#8211; Erdmann ist zweifelsohne einer der gr\u00f6\u00dften Pianisten, von dem es Plattenaufnahmen gibt -, in dem er der bereits vollj\u00e4hrigen Begabung noch erhebliche M\u00e4ngel als ausf\u00fchrender wie schaffender K\u00fcnstler attestierte &#8211; nachzulesen in &#8222;Begegnungen mit Eduard Erdmann&#8220;). Doch dessen ungeachtet gehen Anastasia Rizikovs F\u00e4higkeiten weit \u00fcber die einwandfreie technisch-mechanische Beherrschung der Werke hinaus. Sie hat eine ausgesprochen lyrische Ader und ein feines Gef\u00fchl f\u00fcr melodische Gestaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade bei Beethoven geht ihr Temperament noch manchmal etwas durch mit Rizikov, und das Forte verleitet sie zu aufbrausendem Donnern, welches doch manchmal recht harsch l\u00e4rmend klirrt. Jedoch vermag sie, die Melodielinien singen zu lassen, und weist ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Talent f\u00fcr Phrasierung auf &#8211; gerade im dritten Satz kann sie damit begeistern. Ihre vielseitige Anschlagskultur demonstriert Anastasia Rizikov in Alb\u00e9niz\u2019 Werk, dem sie eine zur\u00fcckhaltende Farbenpracht verleiht und subtile rhythmische Tanzgeb\u00e4rde. Auch in komplexen, kaum zusammenh\u00e4ngenden Formen wie Cruz-Guevaras So\u00f1ando Mar\u00eda Magdalena findet sich die Pianistin akkurat zurecht und versucht sp\u00fcrbar, Strukturen zu ersp\u00fcren. In aller romantischer Pracht entsteht Griegs Solosonate, in die Rizikov sich trotz manch \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Rubati (im \u00dcbrigen ein schwieriger Streitpunkt, da Grieg selbst seine Tempi extrem frei gestaltete, wie in Aufnahmen von 1903 auf Grammophon und 1906 auf Welte-Mignon nachweisbar) wahrhaftig hineinversetzen kann &#8211; dieses Werk ist am ehesten &#8222;ihre Welt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Anastasia Rizikovs Spiel einen eigenst\u00e4ndigen Status gibt, ist ihr einzigartiger Anschlag, der sofort aufhorchen l\u00e4sst. Es liegt ein gewisses Gewicht auf jeder Note, und doch ist alles so frei und unbek\u00fcmmert, also w\u00fcrde ein Schmetterling \u00fcber die Tasten gleiten. Mittels dieses scheinbaren Paradoxons entsteht eine ganz eigene Magie, ein Wiedererkennungswert im positiven Sinne &#8211; wenn Rizikova beginnt, mit ihren Melodien zu singen, verzaubert sie, dann bleibt f\u00fcr Augenblicke die Welt stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November-Dezember 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.573725; EAN: 7 47313 37257 7 Als Gewinnerin der Ja\u00e9n International Piano Competition 2015 spielt die 1998 geborene Pianistin Anastasia Rizikov eine CD der Laureate Series von Naxos ein. Auf dem Programm steht die Sturm-Sonate d-Moll op. 31\/2 von Ludwig van Beethoven, Triana aus dem zweiten Buch von Alb\u00e9niz&#8216; Iberia, So\u00f1ando Mar\u00eda Magdalena von &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/09\/eine-junge-gewinnerin-mit-aussichten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine junge Gewinnerin mit Aussichten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[1515,23,1272,1516,1517,1514,86,200],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1366"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1366"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5001,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1366\/revisions\/5001"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}