{"id":1372,"date":"2016-12-12T00:59:02","date_gmt":"2016-12-11T23:59:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1372"},"modified":"2016-12-12T00:59:45","modified_gmt":"2016-12-11T23:59:45","slug":"bezaubernde-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/12\/bezaubernde-vielfalt\/","title":{"rendered":"Bezaubernde Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Lebanese Piano Music; Tatjana Primak-Khoury, Piano<br \/>\nAnis Fuleihan: Klaviersonate Nr. 9 (1970);Houtaf Khoury: Piano Sonata No. 3 \u00abPour un instant perdu&#8230;\u00bb (2013); Boghos Gelalian: Tre cicli (1969); Boghos Gelalian: Canzone e toccata (1981); George Baz: Esquisses (1959); Toufic Succar: Varations sur un Th\u00e8me oriental (1947)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">GP 715; EAN: 7 47313 97152 7<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ulrich0049.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1373\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1373\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ulrich0049-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ulrich0049-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ulrich0049-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ulrich0049.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Libanon? Und Musik? Ja, Palmen, Zedern, Meer, Gebirge, Beirut, Krieg und alle m\u00f6glichen politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, aber komponierte Musik?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch, es gibt Komponisten im Libanon, und die schreiben wundersch\u00f6ne und sehr vielf\u00e4ltige Musik, wie diese CD beweist. Vier Ersteinspielungen und Klaviermusik vom feinsten, gespielt von einer hervorragenden urmusikalischen Pianistin, die \u2013 in der Ukraine geboren und aufgewachsen \u2013 mit dem libanesischen Komponisten Houtaf Khoury (*1967) verheiratet ist. Sie ist eine exzellente Sachwalterin nicht nur der Klaviermusik ihres Mannes, nein, all der St\u00fccke, die auf dieser faszinierenden Scheibe erklingen. Das reicht von einem Variationszyklus vom \u00e4ltesten Komponisten Toufic Succar (*1922) von 1947, einem herrlich verspielten St\u00fcck bis hin zu Khourys Sonate Nr. 3 von 2013, einem dreis\u00e4tzigen Werk, das einen pessimistischen, aber ungeschminkten Blick auf das derzeitige Leben in diesem so zerrissenen Land freigibt, einem Land, von dem Houtaf Khoury sagt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201e Die Libanesen glauben mehr an ihre K\u00fcnstler als an ihre Politiker. Und ich glaube, wir als K\u00fcnstler k\u00f6nnen viel ver\u00e4ndern.\u201c (In welchem Land der derzeitigen Welt w\u00e4re es anders?) Das dreisprachige Booklet gibt umfassend Auskunft \u00fcber die einzelnen Komponisten und ihre Situation. Einige, wie der 1900 geborene und 1970 verstorbene Anis Fuleihan (die hier vorliegende 9. Klaviersonate schrieb er kurz vor seinem Tod), wurden auch im Ausland popul\u00e4r, andere wie George Baz (1926-2012) spiegeln den franz\u00f6sischen Einfluss wider, unter dem der Libanon ja bis 1943 stand. Baz beschreibt seine Musik als \u201eErinnerung an den Impressionismus, angereichert durch kleine pers\u00f6nliche Entdeckungen.\u201c Was in seiner Klaviermusik auch deutlich zu h\u00f6ren ist, aber das ist ja nicht die schlechteste Voraussetzung f\u00fcr klanglich \u00fcberzeugende und bewegende Kompositionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch Boghos Gelalian (1927-2011) hatte unter widrigen Umst\u00e4nden zu leiden, zuerst als Armenier, dann im Libanon als Klavier- und Kontrapunktlehrer, der seinen Unterricht stoisch und unter erschwertesten Bedingungen fortsetzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seine Musik, von der mir besonders die klagende \u201eCanzone\u201c zusagt, ist meisterlich. Aber allen St\u00fccken gemeinsam ist, dass sie von einer Pianistin ins Leben gerufen werden, deren Spiel bei aller manchmal erforderlichen Lautst\u00e4rke nie hart wird, immer \u00e4u\u00dferst melodisch und durchh\u00f6rbar bleibt und einen ganz speziellen Klang produziert, der immer daran erinnert, das die \u201eDinger\u201c T A S T E N hei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie schon Heinrich Jacoby 1945 in seinem \u00fcberaus wichtigen Buch \u201eJenseits von Begabt und Unbegabt\u201c auf Seite 329 schreibt: Der Name \u201eTasten\u201c sagt im Grunde alles aus, was zu geschehen h\u00e4tte, wenn jemand mit dem Klavierspielen anfangen will!\u201c (Wie viele Pianisten vergessen das immer wieder?) Nicht aber Tatjana Primak-Khoury, die mit dieser Einspielung der libanesischen Klaviermusik den denkbar besten Dienst erweist und uns mit einer wunderbaren, bisher unbekannten Kunst bekannt macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, November 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebanese Piano Music; Tatjana Primak-Khoury, Piano Anis Fuleihan: Klaviersonate Nr. 9 (1970);Houtaf Khoury: Piano Sonata No. 3 \u00abPour un instant perdu&#8230;\u00bb (2013); Boghos Gelalian: Tre cicli (1969); Boghos Gelalian: Canzone e toccata (1981); George Baz: Esquisses (1959); Toufic Succar: Varations sur un Th\u00e8me oriental (1947) GP 715; EAN: 7 47313 97152 7 Libanon? 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