{"id":1385,"date":"2016-12-17T22:20:29","date_gmt":"2016-12-17T21:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1385"},"modified":"2016-12-17T22:20:29","modified_gmt":"2016-12-17T21:20:29","slug":"verschlungene-tonalitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/17\/verschlungene-tonalitaet\/","title":{"rendered":"Verschlungene Tonalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Audiomax 707 1979-2; EAN: 7 60623 19792 0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0077.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1386\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1386\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0077-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"310\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0077-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0077-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0077.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Variationen f\u00fcr Violine, Violoncello und Klavier \u00fcber Motive aus dem Buch Hiob und eine Auswahl an Liedern von Alexander Asteriades wurden f\u00fcr Audiomax, Musikproduktion Dabringhaus und Grimm von J\u00f6rg Gottschick (Bariton), Nicola Birkhan (Violine), Verena Obermayer (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier) eingespielt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich vom Serialismus abwendend, machten es sich einige Komponisten zur Aufgabe, aus der harmonischen Orientierungslosigkeit auszubrechen und zur Tonalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, dieser allerdings ein neues Gesicht zu verleihen zu versuchen und einen eigenen Zugang zu ihr zu finden. Der k\u00fcrzlich verstorbene Einojuhani Rautavaara gilt mit seinem ersten Klavierkonzert als Vater des so genannten Postserialismus, zu dem auch der viel unternommene Versuch geh\u00f6rt, eine individualisierte Tonalit\u00e4t zu kreieren. Zu den bedeutendsten Namen dieser postmodernen Tradition z\u00e4hlt hierzulande neben Willhelm Killmayer auch der 1941 geborene Alexander Asteriades, von dem hier eine Auswahl von Werken in der Besetzung f\u00fcr Klaviertrio sowie f\u00fcr Bariton und Klavier vorliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Asteriades schafft eine bei aller Schlichtheit recht verschlungene Harmonik, die keine eindeutig-klaren Pfade verfolgt. Es schl\u00e4ngelt sich ein st\u00e4ndiger Fluss durch die Werke, der klare Konturen nicht entstehen l\u00e4sst. Oft entstehen somit zwiegespaltene Klangkonstellationen, die etwas Unruhiges und Unstetes haben, sich nicht festlegen wollen. Konsonanz und Dissonanz stehen gleichwertig nebeneinander, harte Dissonanzen werden vollst\u00e4ndig in die Musik integriert und verlieren durch die dadurch entstehende Gew\u00f6hnung an sie ihre grelle Wirkung, wirken als vollkommen nat\u00fcrlicher Bestandteil. Gewisserma\u00dfen entzieht sich die Musik den allgemeinen Beschreibungen f\u00fcr Musik, sie entleiht sich Grundlagen aus verschiedensten Traditionen und schafft etwas Eigenes, das in keine bisher musikwissenschaftlich erforschte Schublade so recht passen mag, viel eher zwischen diesen steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser verschlungenen Tonalit\u00e4t geht aber auch der H\u00f6rer recht schnell verloren, die Musik flie\u00dft eher am H\u00f6rer vor\u00fcber als dass er ihr folgen k\u00f6nnte. Gerade die Variationen f\u00fcr Klaviertrio laufen so schnell Gefahr, in ihrer Form nicht verstanden zu werden, da sich eine Gleichg\u00fcltigkeit beim H\u00f6rer einstellen kann, der der &#8222;simplen Komplexit\u00e4t&#8220; nur schwerlich zu folgen vermag. In den Liedern wird durch den Text ein klarere Orientierung geboten, wodurch auch die harmonischen Ver\u00e4stelungen leichter nachvollziehbar werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur f\u00fcr die H\u00f6rer scheint die Musik undurchsichtig, auch die Musiker sind vor allem im Trio etwas im Nebel gefangen. So stellt sich bald eine gewisse Gleichf\u00f6rmigkeit ein, die dynamische Ausgestaltung der Melodik ist recht flach, die harmonische Spannung bleibt teils in G\u00e4nze au\u00dfen vor, zu sehr vermischt sich Spannung mit Entspannung. Es entstehen traumhafte und atemberaubende Momente, doch der Kontext l\u00e4sst diese Augenblicke unorganisch im Raum stehen, und die hinrei\u00dfende Wirkung ist ebenso schnell wieder verflogen. Am \u00fcberzeugendsten gelungen ist &#8222;Ein Winterabend&#8220; aus den drei Liedern nach Gedichten von Georg Trakl, hier findet Asteriades ein angenehmes Gleichgewicht in seiner Tonalit\u00e4t, und auch die Musiker gl\u00e4nzen mit einer freien Nat\u00fcrlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Dezember 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Audiomax 707 1979-2; EAN: 7 60623 19792 0 Variationen f\u00fcr Violine, Violoncello und Klavier \u00fcber Motive aus dem Buch Hiob und eine Auswahl an Liedern von Alexander Asteriades wurden f\u00fcr Audiomax, Musikproduktion Dabringhaus und Grimm von J\u00f6rg Gottschick (Bariton), Nicola Birkhan (Violine), Verena Obermayer (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier) eingespielt. 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