{"id":139,"date":"2015-09-27T17:47:59","date_gmt":"2015-09-27T15:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=139"},"modified":"2015-09-27T17:47:59","modified_gmt":"2015-09-27T15:47:59","slug":"die-tiroler-moderne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/09\/27\/die-tiroler-moderne\/","title":{"rendered":"Die Tiroler Moderne"},"content":{"rendered":"<p>musikmuseum 20; CD13019; ISBN: 9 079700 700061<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/32.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-140\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/32-300x265.jpg\" alt=\"3\" width=\"300\" height=\"265\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/32-300x265.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/32-1024x903.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Opera 50 bis 52 des Tiroler Komponisten Michael F. P. Huber erschienen erstmals auf CD mit dem Orchester der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl. Dabei handelt es sich um die dritte Symphonie des Innsbruckers sowie sein Konzert f\u00fcr Harfe und das f\u00fcr Viola d&#8217;amore, Solisten hierbei sind Martina Rifesser und Andreas Ticozzi.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Orchester der Akademie St. Blasius erwirbt sich schon lange Zeit gro\u00dfe Verdienste durch ihr beachtliches Engagement f\u00fcr unbekannte und zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler, vor allem die aus Tirol stammenden sowie auch einige aus den nordeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die mittlerweile 20. CD der Tiroler Reihe musikmuseum ist vollst\u00e4ndig Michael F. P. Huber aus der Heimatstadt des Orchesters gewidmet, der bereits auf der siebten Ver\u00f6ffentlichung mit seiner zweiten Symphonie und Streichorchesterwerken vertreten ist. Mit Huber hat das Orchester einen wahrlich interessanten Komponisten entdeckt, der sich wenig aus den aktuellen Vorstellungen von &#8222;zeitgen\u00f6ssischer Musik&#8220; macht &#8211; sprich, er geh\u00f6rt nicht zu der dominierenden Masse an Tonsetzern, die sich ausschlie\u00dflich f\u00fcr noch ausgefallenere Klangspiele und strukturlose, f\u00fcr den H\u00f6rer unverst\u00e4ndliche Musik ohne jeglichen Zusammenhang aufopfern. Viel eher konzentriert er sich auf pr\u00e4gnante Rhythmik und die logische Verarbeitung seiner Themen, die einen erkennbaren Kontext schaffen und eine klar ersichtliche Struktur bilden &#8211; oft in vertrauten Gro\u00dfformen wie hier in Konzert und Symphonie. Dennoch l\u00e4sst sich keinesfalls behaupten, seine Musik sei in irgendeiner Weise regressiv, auch wenn ihr das vermutlich die meisten fest etablierten Anh\u00e4nger der avantgardistischen Musiklobby vorwerfen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Teil der CD besteht aus zwei grundverschiedenen Solokonzerten mit jeweils einer kleinen Orchesterbesetzung. Das dreis\u00e4tzige Harfenkonzert Op. 50 verzichtet vollkommen auf Bl\u00e4ser, ben\u00f6tigt daf\u00fcr neben den Streichern ein sehr solistisch gesetztes Klavier, das immer wieder in ein Wechselspiel mit der Harfe tritt (wobei der so prominent mitwirkende Pianist bedauerlicherweise namentlich selbst im Booklet nur in allerletzter Reihe der Mitwirkenden aufscheint: Mathias Schinagl), sowie zwei Schlagwerkspieler. Von Anfang an zeigt sich, dass Michael F. P. Hubert trotz unkonventionellem Umgang mit dem Material tief in der Tradition verankert ist: Tonleitern und Terzintervalle dominieren das Bild. Das Konzert besticht durch seine rhythmische Pr\u00e4senz und sein komplexes Zusammenspiel. Der Dirigent Karlheinz Siessl schafft es, den Klang klar und durchsichtig zu halten, so dass auch in den verzwicktesten Passagen keine Stimme zu sehr untergeht, und vermag es, insgesamt eine helle und strahlende Wirkung zu erzielen. Der h\u00f6chst anspruchsvolle Solopart wird dabei m\u00fchelos von der ebenfalls aus Tirol stammenden Martina Rifesser gemeistert, die ihrem Instrument alle nur vorstellbaren Klangfarben entlocken kann, vom tiefem Scheppern und hohem Knallen bis hin zu einem \u00e4u\u00dferst sanglichen Ton, was bei der gezupften Harfe vielen nicht gelingen mag. Durch seine gute Anpassungsf\u00e4higkeit imponiert auch der Pianist Mathias Schinagl, dessen Stimme untrennbar mit dem Soloinstrument verbunden erscheint. Das gesamte Zusammenspiel aller oft in extremen Konfliktrhythmen stehenden Partien ist durchgehend h\u00f6chst beziehungsreich und so verzeiht man gerne gelegentliche Asynchronit\u00e4ten zwischen Schlagwerk und Harfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das eins\u00e4tzige Konzert f\u00fcr Viola d&#8217;amore und Kammerorchester Op. 51 kann nicht ganz an das so pr\u00e4sente und einheitlich wirkende Harfenkonzert heranreichen. Zwar hat auch dieses einen ganz eigenen Reiz durch den Verzicht auf s\u00e4mtliche hohen Streicher und die stattdessen zusammen oft vierstimmig gesetzten Celli und Kontrab\u00e4sse und durch wirkungsstarke Konstellationen wie beispielsweise den einleitenden Kanon, der sich nie komplett in die H\u00f6he zu schrauben vermag, doch fehlt hier ein wenig der gro\u00dfe Zusammenhang, der die drei Abschnitte als ein bezwingendes Gemeinsames erfahren lie\u00dfe. Auch ist die Musik nicht mehr ganz so unmittelbar verst\u00e4ndlich wie im Opus 50, einige Passagen wirken eher konstruiert. Die Umstellung von seiner normalen Violine und Viola zu der siebensaitigen und mit Resonanzsaiten vollkommen von heute gebr\u00e4uchlichen Instrumenten abweichenden Viola d&#8217;amore gelingt Andreas Ticozzi ohne Probleme. Er entlockt dem historischen Instrument einen recht rauhen \u2013 statt, vielleicht erwartet, lieblichen &#8211; Ton, wodurch die Saiten ein leicht kratziges, zum Gesamtklang allerdings stimmiges Timbre erhalten. Der Solist nimmt den meist mehrstimmigen und herausfordernden Violasatz allgemein recht herb und mit einem gewissen Trotz, mit dem die Stimme auch oft genug gegen das Kammerorchester aufbegehrt, wodurch sich die Kompositionsweise auch im Spiel sehr deutlich abzeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das letzte Werk der CD ist die 2013 komponierte Symphonie Nr. 3 Op. 52, die dem hier am Pult antretenden Karlheinz Siessl gewidmet ist. In den beiden S\u00e4tzen des knapp 30-min\u00fctigen Werkes kann nun auch einmal das voll besetzte Orchester der Akademie St. Blasius in Erscheinung treten. Auf den pomp\u00f6s schmetternden ersten Satz folgen zur\u00fcckgenommenere Metamorphosen, die auch zu gr\u00f6\u00dferen Ausbr\u00fcchen im Stand sind und am Ende den Zuh\u00f6rer vollkommen ersch\u00fcttert zur\u00fccklassen. Das zweifelsohne einen H\u00f6hepunkt im bisherigen Symphonieschaffen des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts darstellende Orchesterwerk verfolgt einen klaren Aufbau aus einem einzigen Grundmaterial, das immer weiter und freier fortgesponnen wird, dabei teils humorvoll und losgel\u00f6st, teils aber auch \u00e4u\u00dferst dunkel und tiefgr\u00fcndig sein kann und sich in gr\u00f6\u00dfter Obsessivit\u00e4t ins Unermessliche steigert, womit es sich in der Doppelb\u00f6digkeit ein wenig an russisches Symphonieschaffen des mittleren 20. Jahrhunderts anzuschlie\u00dfen scheint. Hier kann sich das Orchester der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl voll ausleben, die Musiker haben genauestes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Musik, quasi ein Heimspiel. Der Dirigent ist in der Lage, den gro\u00dfen Orchesterapparat vollst\u00e4ndig durchsichtig zu halten, sogar bei den akzentuiert gewaltigen H\u00f6hepunkten gleitet er niemals in blindlings l\u00e4rmende Banalit\u00e4ten oder mechanische Manieren ab. Immer hat er den musikalischen Bogen im Kopf und entsprechend den derzeitigen &#8222;Standpunkt&#8220;, an welcher Stelle im St\u00fcck man sich gerade befindet. Nicht zuletzt zentral ist f\u00fcr Karlheinz Siessl auch jede einzelne Stimme, die er ausgestalten l\u00e4sst und dann in ein einheitliches Ganzes einf\u00fcgt, wodurch gerade die polyphonen Passagen eine \u00fcberragende Wirkung erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu allen Beteiligten gibt das Booklet genauere Ausk\u00fcnfte, au\u00dferdem stehen dort wissenswerte Details \u00fcber die drei Werke &#8211; wenngleich ohne Nennung der ehrenvollen Widmung der dritten Symphonie. Aufgenommen wurde die Musik jeweils im Rahmen von Konzertprojekten an verschiedenen Orten, wobei die Klangqualit\u00e4t durchgehend auf ausgezeichnetem Niveau ist, alles ist sehr zufriedenstellend abgemischt und ausgewogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend liegen auf dieser CD drei wahrlich technisch ausgereifte, einfallsreiche, pr\u00e4gnante sowie auch ins Ohr gehende und bei aller Mannigfaltigkeit der Textur verst\u00e4ndliche Orchesterwerke von Michael F. P. Huber vor, die von dem gl\u00e4nzenden Orchester der Akademie St. Blasius und dem auf diesem Gebiet der Musik sichtlich erfahrenen Dirigenten Karlheinz Siessl in exemplarischer Qualit\u00e4t dargeboten werden. Es ist ein sehr wertvoller Beitrag f\u00fcr die leider bisher sehr unbekannte Musikkultur Tirols, die dringend auch von anderen Seiten der Aufmerksamkeit bedarf, um sie auch hier in Deutschland endlich auf die Konzertb\u00fchnen zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, September 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>musikmuseum 20; CD13019; ISBN: 9 079700 700061 Die Opera 50 bis 52 des Tiroler Komponisten Michael F. P. Huber erschienen erstmals auf CD mit dem Orchester der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl. 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