{"id":1412,"date":"2016-12-30T15:57:45","date_gmt":"2016-12-30T14:57:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1412"},"modified":"2016-12-30T15:57:53","modified_gmt":"2016-12-30T14:57:53","slug":"ebenso-solide-wie-unspektakulaer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/30\/ebenso-solide-wie-unspektakulaer\/","title":{"rendered":"Ebenso solide wie unspektakul\u00e4r"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek: Orchestersuiten aus Jen\u016ffa, K\u00e1tia Kabanov\u00e1 und Osud (\u201eSchicksal\u201c)<br \/>\nPrague Radio Symphony Orchestra &#8211; Tom\u00e1\u0161 Netopil<\/p>\n<p>Label: Supraphon (Vertrieb: note1); Art.-Nr.: SU4194-2 \/ EAN: 099925419424<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Grete0020.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1413\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1413\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Grete0020-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Grete0020-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Grete0020-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Grete0020.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine neue CD des wunderbaren Labels Supraphon aus Prag stellt drei Orchestersuiten aus Opern Leo\u0161 Jan\u00e1\u010deks vor. \u201eMoment mal!\u201c, denkt sich da der geneigte Jan\u00e1\u010dek-Fan: Jan\u00e1\u010dek hat ja aus seinen drei Opern Jen\u016ffa, K\u00e1tia Kabanov\u00e1 und Osud (\u201eSchicksal\u201c) gar keine Suiten ausgekoppelt. Kein Problem, denn das haben andere erledigt: Osud hat Franti\u0161ek J\u00edlek zusammengestellt, K\u00e1tia Kabanov\u00e1 Jaroslav Smolka und als j\u00fcngstes Beispiel f\u00fcr diese Art der Jan\u00e1\u010dek-Opernmusik-Zweitverwertung hat sich der Dirigent Manfred Honeck der Oper Jen\u016ffa angenommen, deren Orchestersuite er zusammen mit Arrangeur Tom\u00e1\u0161 Ille verwirklicht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man mag zu dieser Herangehensweise stehen, wie man will. Fakt ist: Sie macht auf kompakte und recht unterhaltsame Art Musik Jan\u00e1\u010deks zug\u00e4nglich, die sich sonst als Intermezzo oder kurzes Verbindungsglied in den Weiten gro\u00dfer Opernpartituren verbirgt und im gro\u00dfen Werkzusammenhang eines B\u00fchnenst\u00fccks manchmal ein Schattendasein fristet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die noch stark sp\u00e4tromantisch angehauchte Jen\u016ffa bietet \u2013 sicherlich auch dank ihres d\u00f6rflichen Sujets, in dem es vor Ankl\u00e4ngen an die tschechische Folklore nur so wimmelt \u2013 reichlich musikalisches Material, das sich gut f\u00fcr eine Suite eignet. Die von Honeck und Ille unterbrechungsfrei angelegte musikalische Sause vollzieht allerdings manch ungelenke Wendung, die wohl daher r\u00fchrt, dass man sich bem\u00fchte, m\u00f6glichst wenig Musik hinzu zu komponieren, um die einzelnen Teile miteinander verbinden zu k\u00f6nnen. Ille hat die Suite zwar nicht chronologisch angelegt, sondern in Art einer musikalischen Collage, trotzdem gelang es nicht vollauf \u00fcberzeugend, ein musikalisches Konstrukt, ein gro\u00dfes Ganzes, zu bilden, das man als eigenst\u00e4ndiges Werk sch\u00e4tzen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Oper K\u00e1tia Kabanov\u00e1 wurde erst sp\u00e4t durch Charles Mackerras in ihrer originalen Form samt den verschollen geglaubten Orchester-Intermezzi auf die B\u00fchne gebracht. Suiten-Arrangeur Jaroslav Smolka hat diese Intermezzi offenbar noch nicht gekannt und konzentrierte sich auch auf solche Teile der Oper, bei denen in der Suite die Trompete den Gesang substituiert. Das Ergebnis wirkt sehr atmosph\u00e4risch und durchaus \u00fcberzeugend. Nach heutigem musikwissenschaftlichen Standard verzichtet die Suite aber auf reizvolles Material. Und so m\u00fcsste man im Prinzip eine Suite zu dieser Oper heute ganz neu zusammenstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Osud (\u201eSchicksal\u201c) wurde zu Jan\u00e1\u010deks Lebzeiten als zu komplex f\u00fcr die B\u00fchnenauff\u00fchrung empfunden (einmal ganz abgesehen davon, dass auch das Libretto seinerzeit verst\u00f6rte, das sich unter anderem mit den Themen Prostitution und Selbstmord besch\u00e4ftigt). Die Oper kam erst 30 Jahre nach dem Tod des Komponisten durch den Dirigenten Franti\u0161ek J\u00edlek zur Auff\u00fchrung. Jener bearbeitete das Werk wohl ziemlich freim\u00fctig und schichtete ganze Etappen des Handlungsverlaufs um. Dies bot ihm quasi \u201enebenbei\u201c eine ideale Grundlage f\u00fcr die Zusammenstellung der hier zu h\u00f6renden Suite, die \u2013 das h\u00f6rt man ziemlich schnell \u2013 der \u00fcberzeugendste Beitrag auf der vorliegenden CD ist, wenn man einmal von dem ziemlich \u00fcberraschenden, v\u00f6llig abrupt einsetzenden Schluss absieht, bei dem man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass da etwas \u201efehlt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Leistung des Prager Radio-Sinfonieorchesters ist auf diesem Album im Prinzip solide und ohne Tadel, l\u00e4sst es aber \u2013 wom\u00f6glich auch aufgrund der etwas holzschnittartigen Einstudierung durch Tom\u00e1\u0161 Netopil \u2013 zuweilen an emotionalem Zugriff vermissen. Die deftigen Sachen w\u00fcnschte man sich deftiger, die zarten Sachen zarter, die heiteren Sachen heiterer, das Gewitter aus Osud bedrohlicher, usw. Der etwas weitschweifige Booklet-Text erz\u00e4hlt viel \u00fcber die Opern, aber frappierend wenig \u00fcber die Entstehung der hier zu h\u00f6renden Suiten, die ja doch im Zentrum dieses Albums stehen. Wenn es ein Schulaufsatz w\u00e4re, w\u00fcrde mal wohl sagen: \u201eAm Thema vorbei\u201c. Die Klangqualit\u00e4t der Aufnahme von den Tonmeistern des tschechischen Rundfunks ist ebenso solide (aber zugleich auch ebenso unspektakul\u00e4r) wie die gesamte Produktion. Fazit: Ein Album, das wohl vor allem die ganz eingefleischten Jan\u00e1\u010dek-J\u00fcnger brauchen, die alles andere schon haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, Dezember 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek: Orchestersuiten aus Jen\u016ffa, K\u00e1tia Kabanov\u00e1 und Osud (\u201eSchicksal\u201c) Prague Radio Symphony Orchestra &#8211; Tom\u00e1\u0161 Netopil Label: Supraphon (Vertrieb: note1); Art.-Nr.: SU4194-2 \/ EAN: 099925419424 Eine neue CD des wunderbaren Labels Supraphon aus Prag stellt drei Orchestersuiten aus Opern Leo\u0161 Jan\u00e1\u010deks vor. \u201eMoment mal!\u201c, denkt sich da der geneigte Jan\u00e1\u010dek-Fan: Jan\u00e1\u010dek hat ja aus &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/12\/30\/ebenso-solide-wie-unspektakulaer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ebenso solide wie unspektakul\u00e4r<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[387,1626,1103,1625],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1412"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1412"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1412\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1415,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1412\/revisions\/1415"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}