{"id":1429,"date":"2017-01-06T21:05:56","date_gmt":"2017-01-06T20:05:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1429"},"modified":"2017-01-06T21:05:56","modified_gmt":"2017-01-06T20:05:56","slug":"geniales-in-kongenialer-darbietung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/01\/06\/geniales-in-kongenialer-darbietung\/","title":{"rendered":"Geniales in kongenialer Darbietung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">ALBA, ABCD 399; EAN: 6 417513 103991<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/0081.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1430\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1430\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/0081-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"322\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/0081-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/0081-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/0081.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Werke von Pehr Henrik Nordgren sind auf &#8222;Storm &#8211; Fear&#8220; des Ostrobothnian Chamber Orchestra unter Leitung von Juha Kangas zu h\u00f6ren. Solist im Konzert Nr. 2 f\u00fcr Klavier, Streicher und Schlagwerk Op. 112 und dem Konzert f\u00fcr die linke Hand alleine und Kammerorchester Op. 129 ist Henri Sigfridsson, Monica Groop singt den Liederzyklus nach Gedichten von Edith S\u00f6dergran Op. 123 f\u00fcr Mezzosopran, Streicher und Harfe.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Storm &#8211; Fear&#8220; ist ein wahrer Schatz auf dem aktuellen CD-Markt: Nicht nur, dass Pehr Henrik Nordgren (1944-2008) einer der substanziellen Komponisten der zweiten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhunderts und des beginnenden einundzwanzigsten Jahrhunderts war (mehr als einmal h\u00f6rte ich, wie er als Finnlands bedeutendster Meister seit Sibelius ger\u00fchmt wurde), sondern auch Juha Kangas und sein Ostrobothnian Chamber Orchestra geh\u00f6ren zu den f\u00fchrenden Kammerorchestern unserer Zeit und bescherten uns bereits einige legend\u00e4ren Aufnahmen, viele davon gerade von nordischen Komponisten wie Grieg, Eliasson, Vasks oder eben Nordgren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf vorliegender CD sind zwei der drei Klavierkonzerte des finnischen Komponisten zu h\u00f6ren, die allesamt f\u00fcr den Japaner Izumi Tateno verfasst wurden. Das dritte, das Konzert f\u00fcr die linke Hand, entstand auf Anfrage Tatenos, nachdem er aufgrund einer Hirnblutung seine rechte Hand nur noch teilweise bewegen konnte. Zwischen den beiden Werken ist ein Liederzyklus nach Edith S\u00f6dergran auf schwedisch zu h\u00f6ren, alle Werke entstanden nach 2000. Der profund informierende Bookletttext entstammt der Feder von Kalevi Aho, des neben seinem Lehrer Rautavaara erfolgreichsten finnischen Komponisten der letzten Jahre, der auf dem Gebiet der Oper, des Solokonzerts und der Symphonik weltweit gro\u00dfe Erfolge feiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stilistisch war der 2008 verstorbene Nordgren ein Einzelg\u00e4nger, er passte sich keiner Schule oder Traditionslinie an. Seine Musik entstammt seinem Inneren und rei\u00dft mit einer Vitalit\u00e4t und gl\u00fchenden Lebendigkeit mit, ist erf\u00fcllt von kompromissloser Ungebundenheit, Zwanglosigkeit und Nat\u00fcrlichkeit. Alles befindet sich im Kontinuum, eines resultiert wie selbstverst\u00e4ndlich aus dem anderen. Dabei ist der Grundgestus das, was wir als &#8222;nordisch&#8220; bezeichnen w\u00fcrden: d\u00fcster und nach unten gerichtet. Die Musik ist mystisch, umnebelt, geheimnisvoll brodelnd und im Verborgenen polternd; sie ist nicht direkt und schon gar nicht erwartungsgem\u00e4\u00df, immer findet sie einen verh\u00fcllten und doch unmittelbaren Weg, erreicht so ungeahnte Wirkung. Am dunkelsten ist wohl das Konzert f\u00fcr die linke Hand nach der von Lafcadio Hearn aufgezeichneten japanischen Geistergeschichte Der Leichenreiter: Wie bildhaft all der Schrecken und die Furcht sich zeigen, beinahe sieht man die Geschichte vor sich ablaufen! Herausragend ist Nordgrens Umgang mit dem kleinbesetzten Kammerorchester, hier aus neunzehn Streichern bestehend, denn jeder hat eine eigene Stimme, und so entsteht eine multiple Klanglava, die manche Komposition f\u00fcr gro\u00dfes Symphonieorchester an Volumen spielend \u00fcberbietet. Weder die Solokonzerte, noch die Lieder sind auf virtuosen Effekt oder Zurschaustellung aus, alles dreht sich um den musikalischen Sinn und die Stimmigkeit und Stringenz der Aussage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zu Nordgrens Tod arbeitete Juha Kangas an erster Stelle mit dem Komponisten zusammen, bei allen hier zu h\u00f6renden Werken leitete er die Urauff\u00fchrung. Das Resultat aus der engen Kooperation und Kangas\u2019 unbestechlichen Gesp\u00fcr f\u00fcr den Ausgleich zwischen horizontalem (Melodie) und vertikalem (Harmonie) Druck, f\u00fcr Bogen und Phrasierung sowie f\u00fcr die Korrelation des Ganzen als Einheit ist schlichtweg \u00fcberw\u00e4ltigend. Henri Sigfridsson und Monica Groop passen sich beide selbstlos in das dichte Geflecht ein und finden ihren hervorgehobenen Platz in einer Einheit, die vollkommen aufeinander abgestimmt ist und an der absolut nichts auch nur ansatzweise auszusetzen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ALBA, ABCD 399; EAN: 6 417513 103991 Werke von Pehr Henrik Nordgren sind auf &#8222;Storm &#8211; Fear&#8220; des Ostrobothnian Chamber Orchestra unter Leitung von Juha Kangas zu h\u00f6ren. 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