{"id":145,"date":"2015-10-02T22:19:31","date_gmt":"2015-10-02T20:19:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=145"},"modified":"2015-10-03T01:35:16","modified_gmt":"2015-10-02T23:35:16","slug":"auftragswerke-von-sehr-unterschiedlichem-niveau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/10\/02\/auftragswerke-von-sehr-unterschiedlichem-niveau\/","title":{"rendered":"Auftragswerke von sehr unterschiedlichem Niveau"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e9tier, msv28554, EAN: 809730855429<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Grete1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-146\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Grete1-300x300.jpg\" alt=\"Grete1\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Grete1-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Grete1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Grete1-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Grete1.jpg 1417w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Diese interessante CD des US-amerikanischen Labels m\u00e9tier zeigt, wie unterschiedlich das Niveau im Bereich der neotonalen Musik heute ist. Mit der \u201eEtruria\u201c betitelten zweiten Symphonie des Schweizers Thomas Fortmann, dem \u201eCapriccio\u201c f\u00fcr Violine und Orchester von Robert Nelson und \u201eAstral Blue\u201c von dem US-Komponisten Pieter Lieuwen haben wir hier immerhin drei gro\u00df angelegte Werke von lebenden Komponisten auf dem Album. Als \u201eWiedergutmachung\u201c f\u00fcr so viel Zeitgen\u00f6ssisches bekommt der H\u00f6rer dann noch eine Transkription Merlin Pattersons von Percy Graingers zauberhaftem Zyklus \u201eLincolnshire Posy\u201c zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als w\u00e4ren wie noch in den Zeiten der guten alten Schallplatte, k\u00f6nnte man diese CD getrost in eine A- und eine B-Seite unterteilen. Die A-Seite enthielte dann die offen gesagt relativ uninspirierten Werke Thomas Fortmanns und Robert Nelsons. Fortmann ist ein Komponist, der (man muss es leider so sagen) nicht auf h\u00f6chstem Niveau schreibt, was man vor allem an der Orchestrierung seiner zweiten Symphonie merkt. Sein Stil ist f\u00fcr einen Mitteleurop\u00e4er recht ungew\u00f6hnlich, erinnert eigentlich eher an die Musik von US-Komponisten wie William Schuman oder Roy Harris. Nur ist sie viel weniger \u00fcberzeugend gemacht. Seine Orchestrierung hat L\u00fccken so gro\u00df, dass man einen Hut durchwerfen k\u00f6nnte und der Einsatz des gro\u00dfen Bestands an Perkussionsinstrumenten in seiner \u201eEtruria\u201c-Symphonie wirkt beh\u00e4big und schwerf\u00e4llig. Das ganze St\u00fcck wirkt wie ein tanzender Zirkuselefant: Trotz aller M\u00fche nicht grazil, sondern beh\u00e4big und auch etwas plump.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u201eCapriccio\u201c von Robert Nelson ist leider das mit Abstand schw\u00e4chste St\u00fcck auf dem Album. Es ist zwar handwerklich viel viel besser gemacht als Fortmanns Symphonie und wei\u00df mit kluger, effektvoller Orchestration vordergr\u00fcndigen Glanz zu verspr\u00fchen, aber in seiner ganzen Art und Weise ist das St\u00fcck unglaublich antiquiert. H\u00e4tte man mich gefragt, wer dieses St\u00fcck wohl komponiert haben k\u00f6nnte, h\u00e4tte ich wom\u00f6glich auf einen weniger inspirierten Moment von Arnold Bax getippt. Die sperrige Chromatik, die Nelson allein zu dem Zweck ins St\u00fcck eingebaut zu haben scheint, damit der Violinsolist (das St\u00fcck wird auf diesem Album vom Widmungstr\u00e4ger des Werks Andrzej Grabiec gespielt) etwas zum Brillieren hat. Musikalisch macht das hingegen kaum Sinn und wirkt in der ansonsten extrem konservativen Musiksprache Nelsons auch eher deplatziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kann man sich fragen, warum ich dieses Album \u00fcberhaupt rezensiere, und das liegt eben an der \u201eB-Seite\u201c, die mit dem St\u00fcck \u201eAstral Blue\u201c von Pieter Lieuwen beginnt. Lieuwen ist einer der leider selbst in seinem Heimatland nur wenig beachteten Komponisten. Trotzdem ist Lieuwen einer, auf den man hinweisen muss, denn er hat alles, was ein guter neotonaler Komponist haben muss: Makelloses Handwerk, eine eigene, pers\u00f6nliche \u201eStimme\u201c, die unmittelbar wiedererkennbar ist und vor allem schreibt er wunderbar inspirierte, wirklich gute Musik, die im besten Sinne modern ist obwohl sich Lieuwen konzeptionell weitgehend in einem kompositorischen Rahmen bewegt, der auch im 19. Jahrhundert schon voll g\u00fcltig war. Seine Musik erinnert in Teilen an John Luther Adams, ist aber viel besser und hat zudem wie gesagt eine ganz eigene \u201eNote\u201c, die ein St\u00fcck von Lieuwen eben unverwechselbar zu einem St\u00fcck von Lieuwen macht. Leider leider gibt es derzeit neben dem hier zu h\u00f6renden wunderbaren St\u00fcck \u201eAstral Blue\u201c nur noch zwei andere CDs, die Musik von Pieter Lieuwen f\u00fcr uns Deutsche (die wir realistisch betrachtet wahrscheinlich live nie in den Genuss kommen werden, jemals ein St\u00fcck Lieuwens in einer deutschen Konzertveranstaltung h\u00f6ren zu k\u00f6nnen) greifbar machen (eine bei Albany Records und eine bei Naxos). Ansonsten herrscht hier an einer Stelle Ebbe, wo ich pers\u00f6nlich mir eine Flut w\u00fcnschen w\u00fcrde, zumal Lieuwens Musik auch ein durchaus gro\u00dfes Publikum ansprechen m\u00fcsste, weil sie unmittelbar zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich noch auf Merlin Pattersons Transkription zu Graingers \u201eLicolnshire Posy\u201c hinweisen. Patterson gilt als Profi auf dem Gebiet des gediegenen Arrangements, und das stellt er auch hier wieder unter Beweis. Graingers Komposition kann man sich kaum entziehen. Sie ist einfach zauberhaft, wenn sie auch keine \u201egro\u00dfe Musik\u201c im engeren Sinne darstellen mag. Aber sie z\u00e4hlt andererseits auch zur besten \u201eleichten\u201c Musik, die ich mir vorstellen kann.<br \/>\n\u201eLincolnshire Posy\u201c ist von Grainger im Original f\u00fcr Blechblasorchester geschrieben worden. Patterson erg\u00e4nzt in seiner Fassung nicht nur Streicher und etwas \u201eTschingderassa\u201c, sondern er hat das St\u00fcck wirklich grundlegend neu orchestriert und erreicht ein sehr ansprechendes Ergebnis. In dieser Fassung m\u00f6chte man dieses sch\u00f6ne St\u00fcck gern m\u00f6glichst vielen Sinfonieorchestern anempfehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da w\u00e4ren wir beim letzten Punkt: Bei den Interpreten. Das Moores Symphony Orchestra ist das Orchester der Moores School of Music aus Houston. Und daf\u00fcr dass es sich hier offenbar um ein reines Studentenorchester handelt, erreicht das Ensemble ein erstaunlich hohes Niveau, das vielen professionellen Orchestern das Wasser reichen kann, wenn auch nicht allen. Leichte Schw\u00e4chen gibt es manchmal in der Rhythmik der Streicher zu beklagen, aber solche kleinen M\u00e4ngel kennt man auch von manchem Orchester, das einen \u201egr\u00f6\u00dferen\u201c Namen tr\u00e4gt. Dirigent Franz Anton Krager macht seine Sache sehr gut und scheint ein Fan davon zu sein, effektvolle Orchestrierungen auch deftig auszukosten, was f\u00fcr den H\u00f6rer nat\u00fcrlich eine Menge Spa\u00df beim H\u00f6ren bedeutet.<br \/>\nKurz gesagt ist dieses Album eine nur halb pr\u00e4chtige Angelegenheit, aber die H\u00e4lfte, die man \u201epr\u00e4chtig\u201c nennen darf, ist so toll, dass ich den Kauf der CD eigentlich nur empfehlen kann. Und vom Moores Symphony Orchestra w\u00fcrde ich bald gern mehr h\u00f6ren. Das ist ein wirklich tolles Ensemble!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Grete Catus, September 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e9tier, msv28554, EAN: 809730855429 Diese interessante CD des US-amerikanischen Labels m\u00e9tier zeigt, wie unterschiedlich das Niveau im Bereich der neotonalen Musik heute ist. 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