{"id":1452,"date":"2017-01-19T22:57:59","date_gmt":"2017-01-19T21:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1452"},"modified":"2017-01-20T19:17:38","modified_gmt":"2017-01-20T18:17:38","slug":"savonarola-und-die-musik-scattered-ashes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/01\/19\/savonarola-und-die-musik-scattered-ashes\/","title":{"rendered":"Savonarola und die Musik: Scattered Ashes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Savonarola und die Musik: Scattered Ashes<br \/>\nJosquin\u2019s Miserere &amp; The Savonarolan Legacy<br \/>\nMAGNIFICAT, dirigiert von PHILIP CAVE<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Linn Records, CKD 517<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ulrich0052.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1456\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1456\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ulrich0052-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"310\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ulrich0052-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ulrich0052-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ulrich0052.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Giramolo Savonarola (1452-98) war mir bisher nur als Religionskritiker ein Begriff, der die Verbreitung seiner Ideen mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen b\u00fc\u00dfen musste. Dass er aber eine ganze Reihe von Texten \u2013 au\u00dfer seinen Predigten \u2013 hinterlassen hat und bis zuletzt Texte wie das vorliegende Miserere verfasste, war mir neu. Und dass diese Texte sich in ganz Europa in Windeseile verbreiteten und von vielen zeitgen\u00f6ssischen Komponisten \u2013 aber auch in sp\u00e4teren Jahrhunderten \u2013 vertont wurden, das wirft sowohl auf den Text und seinen Verfasser als auch auf die Komponisten der damaligen Zeit ein v\u00f6llig neues und sehr auf- und anregendes Licht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zumal mit einem Ensemble wie dem 1991 von seinem Leiter Philipp Cave gegr\u00fcndeten Chorensemble \u201eMagnificat\u201c, das sich die Restaurierung und Wiederauff\u00fchrung\u00a0 vergessener chorischer Meisterwerke aus Reformation und sp\u00e4ter Renaissance zur Aufgabe gemacht hat. Das Booklet gibt \u00fcber den Chor, seinen Leiter, die Mitwirkenden und nat\u00fcrlich \u00fcber die Texte und geschichtliche Hintergr\u00fcnde ersch\u00f6pfend Auskunft, wenn auch nur auf Englisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was diese Gruppe an Musik \u00fcberzeugend gestaltet und wiederbelebt, ist beispielhaft und braucht den Vergleich mit anderen Ensembles wahrlich nicht zu scheuen. Die Ausgewogenheit der Stimmen, die Phrasierung, die Darstellung vertracktester polyphoner Strukturen, die Textverst\u00e4ndlichkeit\u00a0 und nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt der Klang von \u201eMagnificat\u201c sind so, dass mich diese Musik in einen Bann zieht, der so manches andere an \u201emusica antiqua\u201c verblassen l\u00e4sst. Besonders beeindruckt hat mich die gro\u00dfe Ruhe, mit der jede einzelne Komposition gestaltet und dargestellt wird, ob sie vom Titelgeber Josquin des Prez (1450\/55-1521) oder von den anderen Komponisten wie Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-94), Claude Le Jeune (1528-1600), Orlando di Lasso (1532-1594), Jean Lh\u00e9ritier ( 1480?-1551?), Nicolas Gombert (1495?-1560), Jacobus Clemens non Papa (1510\/15-1555\/56) und William Byrd (1543-1623) stammt.\u00a0 Sicher hat daran der Leiter des Ensembles einen besonders gro\u00dfen Anteil, denn wie das Programmheft beschreibt, scheint er ein \u201eBesessener\u201c zu sein, dessen gro\u00dfes Engagement sich offenkundig auf alle S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger \u00fcbertragen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Noch dazu, dass in der damaligen Zeit die Menschen sich ihrer Ausrichtung bewusst waren, zu \u201eMutter Erde\u201c und \u201eVater Himmel\u201c \u2013 oben wohnt \u201eder liebe Gott\u201c und unten \u201eder Teufel\u201c und wir als Menschen eben dazwischen eingespannt oder eingesperrt ad libitum.)<br \/>\nNat\u00fcrlich w\u00e4re ohne Savonarola und Jan Hus mit ihren Schicksalen einige Jahrzehnte sp\u00e4ter ein Mann wie Martin Luther nicht denkbar gewesen, auch wenn ihm gl\u00fccklicherweise der Scheiterhaufen erspart blieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kompositionen auf dieser CD unterstreichen, dass Savonarolas Ideen und Texte eben keine Eintagsfliegen geblieben sind, sondern eine weiter reichende Wirkung hatten, allen Widerst\u00e4nden zum Trotz.<\/p>\n<p>Eine CD, die neue Ma\u00dfst\u00e4be im Bereich der Chormusik setzt, besonders auf dem Gebiet der \u201eAlten Musik\u201c, und das ist h\u00f6chst erfreulich.<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann, Januar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Savonarola und die Musik: Scattered Ashes Josquin\u2019s Miserere &amp; The Savonarolan Legacy MAGNIFICAT, dirigiert von PHILIP CAVE Linn Records, CKD 517 Giramolo Savonarola (1452-98) war mir bisher nur als Religionskritiker ein Begriff, der die Verbreitung seiner Ideen mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen b\u00fc\u00dfen musste. 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