{"id":1459,"date":"2017-01-22T18:44:51","date_gmt":"2017-01-22T17:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1459"},"modified":"2017-01-25T00:07:48","modified_gmt":"2017-01-24T23:07:48","slug":"authentizitaet-eines-ganzen-kontinents","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/01\/22\/authentizitaet-eines-ganzen-kontinents\/","title":{"rendered":"Authentizit\u00e4t eines ganzen Kontinents"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Entre Mundos in der M\u00fcnchner Unterfahrt<\/p>\n<figure id=\"attachment_1470\" aria-describedby=\"caption-attachment-1470\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0004.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1470\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1470\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0004-300x154.jpg\" alt=\"Ernst0004\" width=\"498\" height=\"256\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0004-300x154.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0004.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1470\" class=\"wp-caption-text\">Copyright Bruno Hilz<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Am Samstag, den 21. Januar, gastierte das Quartett des Entre Mundos Projekts in der Unterfahrt, der tradierten M\u00fcnchner Jazz-Location im Einstein Kulturzentrum, mit feinsinnigen und exzellent ausgef\u00fchrten Arrangements von Folklore aus Chile, Peru, Brasilien, Argentinien, Cuba und Kolumbien \u2013 also einer Reise durch die vier Hauptstr\u00f6mungen der lateinamerikanischen Musik: brasilianisch, karibisch, Tango und Andenmusik.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_1462\" aria-describedby=\"caption-attachment-1462\" style=\"width: 362px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0003.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1462\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1462\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0003-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"204\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0003-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0003-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0003-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0003.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1462\" class=\"wp-caption-text\">Copyright: YCM<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den vielen lateinamerikanischen Bands in Deutschland, die einen authentischen Bezug zur heimischen Folklore haben, nehmen Entre Mundos seit einigen Jahren eine Sonderstellung ein, die sie nicht nur ihrem exquisiten Niveau verdanken, sondern auch der Vielseitigkeit der Stile, in denen sie zuhause sind. Bisher kannten wir Entre Mundos als Trio, bestehend aus der chilenischen S\u00e4ngerin Cristina G\u00e1lvez, die in ihrer Heimat zu den f\u00fchrenden Jazzs\u00e4ngerinnen z\u00e4hlt und heute in Oberbayern lebt; dem peruanischen Pianisten Juan Jos\u00e9 Chuquisengo, der geradezu als Synonym f\u00fcr musikalische Grenzenlosigkeit gelten darf \u2013 Chuquisengo hat zwei legend\u00e4re CDs f\u00fcr Sony Classical aufgenommen (Ravel und \u201aTranscendent Journey\u2019), die ihn, in vieler Hinsicht Dinu Lipatti und Murray Perahia verwandt, als einen der gro\u00dfen einsamen Meister der Verinnerlichung ausweisen, und sein Stilspektrum in der Weltmusik reicht weit \u00fcber Lateinamerika und Europa hinaus; und sein Landsmann Augusto Aguilar, ein vor Vitalit\u00e4t, Freude und Humor \u00fcberbordender Allround-Musiker, der uns mit Oboe, Caj\u00f3n, Saxophon, Gitarre und Gesang gleicherma\u00dfen zu fesseln versteht und bei Bedarf stets im Handumdrehen die Stimmung aus dem Meditativen auf den Siedepunkt zu treiben versteht. Nun ist in der Unterfahrt erstmals ein weiterer Musiker hinzugetreten: der Grieche Christos Asonitis, der sich in den letzten Jahren als einer der besten M\u00fcnchner Jazz-Schlagzeuger etablieren konnte und auch immer nach stilistischer Erweiterung bestrebt ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1471\" aria-describedby=\"caption-attachment-1471\" style=\"width: 362px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0005.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1471\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1471\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0005-300x200.jpg\" alt=\"Ernst0005\" width=\"362\" height=\"241\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0005-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernst0005.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1471\" class=\"wp-caption-text\">Copyright Bruno Hilz<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Asonitis hatte also einen erheblich vergr\u00f6\u00dferten Perkussions-Apparat um sich herum aufgebaut, erg\u00e4nzt um das Latin-Spektrum, und es ist wirklich respekteinfl\u00f6\u00dfend, wie schnell er sich als einziger Europ\u00e4er die f\u00fcr ihn teils neuen Tanzidiome angeeignet hat. Das Spektrum von Entre Mundos ist sehr weit, und ganz besonders faszinierend war es, als die afro-s\u00fcdamerikanische Welt von Aguilars narrativ pulsierendem Caj\u00f3n-Spiel und das raffinierte Schlagzeugspiel von Asonitis gemeinsam ins Zentrum der Aufmerksamkeit r\u00fcckten und sich gegenseitig befruchteten. Cristina G\u00e1lvez f\u00fchrte h\u00f6chst charmant durch das Programm, mit Humor und Selbstironie, darin vortrefflich unvorhersehbar erg\u00e4nzt von Augusto Aguilar, der immer die Lacher auf seiner Seite haben wird. Cristina G\u00e1lvez hat eine in der H\u00f6he leuchtende, in der tiefen Mittellage ganz besonders kernig ausdrucksvolle Stimme, der man gerne ein Konzert lang folgt (zwei reine Instrumentalst\u00fccke sorgten zugleich f\u00fcr zus\u00e4tzliche Abwechslung) und die in ihrer im sch\u00f6nen Sinne leicht herben und sehr ausdrucksstarken Art in Erinnerung bleibt. Juan Jos\u00e9 Chuquisengo ist zwar ein ber\u00fchmter Solist, hier jedoch ein vollendeter Teamplayer, der sich \u00fcber weite Stecken so vollendet einpasst, dass man seine Anwesenheit glatt \u00fcbersehen k\u00f6nnte, w\u00fcrde er nicht in feinst abgestufter und abget\u00f6nter Gestaltung am laufenden Band subtile pianistische Wunder vollbringen. Augusto Aguilar verk\u00f6rpert am unmittelbarsten den Typus des mit allen Wassern gewaschenen Routiniers im besten, spontanen Sinne, mit einer immer fesselnden physischen Pr\u00e4senz und auf allen Instrumenten, mit denen er sich einbringt, bestens zuhause. Und Christos Asonitis verleiht dem Schlagzeugapparat eine Vielseitigkeit, wie man sie nicht oft h\u00f6rt. Mag im ersten St\u00fcck des Abends der eine oder andere noch ein bisschen \u201awarming up\u2019 gesp\u00fcrt haben, so war das Quartett schnell vollendet in Fahrt und wartete mit immer unwiderstehlicher mitrei\u00dfendem Groove auf \u2013 in den flinken, un\u00fcbertrefflich eleganten St\u00fccken, wie sie f\u00fcrs brasilianische Repertoire so bezeichnend, aber auch im kolumbianischen zu finden sind, ebenso wie in den innigen, wehm\u00fctigen Nummern aus Argentinien, Chile, Peru oder Cuba. Peruanische Walzer m\u00f6gen in Lateinamerika popul\u00e4r sein \u2013 wir Europ\u00e4er kennen so etwas meist noch gar nicht und d\u00fcrfen es hier in zauberhaftester Weise kennenlernen. Die farbenpr\u00e4chtige Authentizit\u00e4t eines ganzen Kontinents, den die Dem\u00fctigung durch die christlichen Kolonisatoren eint, kommt in ihrer unersch\u00f6pflichen F\u00fclle zur Entfaltung. Was auch immer von den vieren angefasst wird, entfaltet suggestive Authentizit\u00e4t und l\u00e4sst das Publikum nicht mehr los. Kein Wunder, dass dieses dann auch am Ende nicht mehr nach Hause gehen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der musikalischen Seite ist die menschliche besonders bemerkenswert: so ernsthaft, freudig, feurig, brillant und souver\u00e4n die vier Musiker agieren, so ist nicht ein Anflug von Pr\u00e4tention bei ihnen festzustellen, und auch keine oberfl\u00e4chliche Euphorie. Die Professionalit\u00e4t wurde nicht um den Preis der Spontaneit\u00e4t und Lebendigkeit errungen, und das Zuh\u00f6ren hat sowohl eine animierende als auch eine erf\u00fcllende, sowohl eine erdende als auch eine erhebende Wirkung auf das Publikum. Besseres l\u00e4sst sich von einem Konzertabend nicht sagen.<\/p>\n<p><strong>[Ernst Richter, Januar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entre Mundos in der M\u00fcnchner Unterfahrt Am Samstag, den 21. 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