{"id":1493,"date":"2017-02-04T23:45:37","date_gmt":"2017-02-04T22:45:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1493"},"modified":"2017-02-08T22:43:50","modified_gmt":"2017-02-08T21:43:50","slug":"tristan-meets-prokofieff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/02\/04\/tristan-meets-prokofieff\/","title":{"rendered":"Tristan Meets Prokofieff"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Hochschule f\u00fcr Musik und Theater M\u00fcnchen: Klavierfestival 2017<br \/>\nStudierende der Klasse Professor Antti Siirala<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Donnerstag, den 2. Februar 2017 fand in der Hochschule im Rahmen des Klavierfestivals 2017 ein Abend mit Studierenden von Professor Antti Siirala statt.<br \/>\nUm es gleich vorweg zu sagen: Klavier spielen k\u00f6nnen sie nat\u00fcrlich alle, und wie! Aber das Spannende an diesem Klavier-Abend ist halt die M\u00f6glichkeit des Vergleichs.<br \/>\nNicht bez\u00fcglich der Auswahl der St\u00fccke, die von Johann Sebastian Bach bis zu Lowell Liebermann reichte, einem Komponisten, der 1961 geboren wurde und in Amerika lebt, sondern auch hinsichtlich der sehr pers\u00f6nlichen Art, mit der jede Spielerin, jeder Spieler sich und die Musik vorstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gabriel Reichert begann mit Bachs Toccata aus der Partita Nr. 6 in e-moll BWV 830. Man w\u00fcrde gerne noch mehr gerade von dieser Partita h\u00f6ren von diesem jungen Musiker. Nat\u00fcrlich hat es der erste besonders schwer, denn alles Andere folgte ja noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sprang Yi Yi gleich buchst\u00e4blich ins kalte Wasser mit dem St\u00fcck \u201eGargoyles op.29\u201c von Lowell Liebermann. (Auch ich musste nachschauen, was Gargoyles eigentlich hei\u00dft.: Wasserspeier!) In dem St\u00fcck faszinierte mich pers\u00f6nlich der zweite Teil \u201eAdagio semplice, ma con molto rubato\u201c am meisten. Es klang besonders gesanglich und war am unmittelbarsten zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erica Guo gefiel mit den ersten 12 Pr\u00e9ludes op. 28 von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, von denen ja einige besonders bekannt sind und sicher einige Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer an eigene Klavier-Versuche gemahnten.<br \/>\nInsgesamt kamen die St\u00fccke gesanglich und mit sch\u00f6n gestaltetem Ton daher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor der Pause bekamen wir von Junhyung Kim die \u201eTrois mouvements de P\u00e9trouchka\u201c von Igor Stravinsky zu h\u00f6ren. Nat\u00fcrlich sind diese drei St\u00fccke ein Rei\u00dfer, den uns Junhyung Kim auch mund- und h\u00f6rgerecht servierte. Ein Entertainment f\u00fcr Herz und Ohren, mit aller k\u00f6rperlichen Energie dem Steinway-Fl\u00fcgel nicht nur entlockt, sondern auch knackig dargeboten. Die ziemlich einfachen, aber sehr eing\u00e4ngigen Melodien, mit denen Stravinsky seinen P\u00e9trouchka da auftreten l\u00e4sst, verfolgen einen nat\u00fcrlich noch in der Pause, auch die ganze rhythmische Attit\u00fcde ist aufs Beste in den H\u00e4nden des Pianisten aufgehoben. Das Vergn\u00fcgen, das er selbst am Spielen hat, \u00fcbertr\u00e4gt sich durchaus auf die Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause zun\u00e4chst die herrlichen Variationen f-moll Hob. XVII: 6 von Joseph Haydn. Ho-Yel Lee spielte sie mit feinstem Gesp\u00fcr f\u00fcr Melodik und Harmonik. Auch sein \u201eAnschlag\u201c \u2013 welch ein grausiges Wort f\u00fcr dieses \u201eFingerspitzengef\u00fchl\u201c \u2013 lie\u00df die Musik des so oft untersch\u00e4tzten Joseph Haydn zur vollen Bl\u00fcte kommen. Nach der Stravinsky\u2019schen Musik war kaum ein gr\u00f6\u00dferer Gegensatz denkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amadeus Wiesensee hatte Liszts Transkription von Richard Wagners \u201eIsoldens Liebestod\u201c aus Tristan und Isolde aufs Programm gesetzt. Mir schwante Schauerliches on solchen Unterfangens, aber: Wie gro\u00df war die \u00dcberraschung, als Wiesensee schon mit den ersten Anfangsakkorden dem Fl\u00fcgel einen wirklich magischen Klang entlockte, den er durchaus bis zum allerletzten verklingenden Ton beibehielt. Die Magie dieser Musik wurde in einem Ma\u00df erlebbar, die ich keinem der jungen Spielerinnen und Spieler zugetraut h\u00e4tte. Aber Amadeus Wiesensee und sein \u2013 mir von fr\u00fcheren Konzerten bereits bekanntes \u2013 wunderbar ausgeh\u00f6rtes und erlebtes Klavierspiel machte die Wagnerschen Melodien und Harmonien zu einem unerh\u00f6rten Erlebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was konnte danach denn \u00fcberhaupt noch kommen? Nun. Die Choreographie des Abends \u2013 klug ausgew\u00e4hlt \u2013 brachte mit So-Hyang In und ihrem St\u00fcck, n\u00e4mlich der 8. Sonate in B-Dur op.44 von Sergej Prokofieff, eines der beeindruckendsten Klavierwerke des 20. Jahrhunderts als Abschluss. Wie So-Hyang In dieses ungeheuerliche, dreis\u00e4tzige Meisterwerk mit all ihrem K\u00f6nnen und ihrer Kunst im gro\u00dfen Konzertsaal der Musikhochschule zur Auff\u00fchrung brachte, verdient hohe Anerkennung und brachte ihr viele Bravos und Hervorrufe ein.<br \/>\nDiese achte von Prokofieffs Klaviersonaten \u2013 Emil Gilels gewidmet \u2013 ist ein Koloss. Mit einem langsamen Andante dolce beginnend, kommt es \u00fcber ein Andante sognando (ein tr\u00e4umerisches Andante) zum letzten Satz, der nicht nur Vivace \u00fcberschrieben ist, sondern der Spielerin alles an Kraft und Pr\u00e4senz, aber auch an kluger Disposition abverlangt, was m\u00f6glich ist. Diese Musik von Sergej Prokofieff\u00a0 bewegte mich so sehr, dass ich sie \u2013 kaum zu Hause angelangt \u2013 sofort noch einmal bei Youtube\u00a0 anh\u00f6ren musste, was nat\u00fcrlich nur ein schwacher Abglanz der Darbietung sein sollte, die mir an diesem Abend in der M\u00fcnchner Musikhochschule geschenkt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Ulrich Hermann, Februar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochschule f\u00fcr Musik und Theater M\u00fcnchen: Klavierfestival 2017 Studierende der Klasse Professor Antti Siirala Am Donnerstag, den 2. Februar 2017 fand in der Hochschule im Rahmen des Klavierfestivals 2017 ein Abend mit Studierenden von Professor Antti Siirala statt. Um es gleich vorweg zu sagen: Klavier spielen k\u00f6nnen sie nat\u00fcrlich alle, und wie! 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