{"id":1510,"date":"2017-02-10T23:10:26","date_gmt":"2017-02-10T22:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1510"},"modified":"2017-02-11T00:21:22","modified_gmt":"2017-02-10T23:21:22","slug":"konzert-verzupft-im-wildwuchs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/02\/10\/konzert-verzupft-im-wildwuchs\/","title":{"rendered":"Konzert \u201eVerzupft\u201c im Wildwuchs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Ulrich0056.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1511\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1511\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Ulrich0056-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Ulrich0056-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Ulrich0056-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Ulrich0056.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Samstag den 4. Februar stellte das Gitarren-Ensemble \u201eVerzupft\u201c seine Debut-CD im Rahmen eines Konzerts im \u201eCaf\u00e9 Wildwuchs\u201c in der M\u00fcnchner Leonrodstrasse vor. In diesem kleinen \u2013 von Beginn an rauchfreien \u2013 Saal begannen die drei Musiker um\u00a0 den \u201ePrimarius\u201c Ren\u00e9 Senn , die zweite Gitarre spielte Doris Leibold, und die dritte Gitarre war gut aufgehoben in den H\u00e4nden von Thomas Kohl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei begannen mit sogenannter \u201eBauernmusik\u201c. Wer aber nun allzu sehr an Wirtshaus und Krachlederne dachte, wurde sogleich eines Besseren belehrt. Was da von der B\u00fchne kam, war alles andere als die \u00fcbliche Bayerische Volksmusik. Wer \u2013 wie\u00a0 Ren\u00e9 Senn \u2013 zu seinen Vorbildern den Bayerischen Musiker Joseph Eibl (den Eibl Sepp), aber andererseits auch Jimi Hendrix\u00a0 z\u00e4hlt, von dem darf man auch in Punkto Volksmusik etwas Anderes erwarten. Und das h\u00f6rte man auch vom ersten St\u00fcck an: Der Gitarren-Bayerische, eine Original-Komposition f\u00fcr drei Gitarren von Tobi Reiser sen. (1907-74), gemeinhin der Begr\u00fcnder jener klassischen \u201eStub\u2019n-Musik\u201c, wie sie heute so verbreitet ist \u2013 allerdings spielte \u201eVerzupft\u201c laut Ansage dieses St\u00fcck heut zum letzten Mal, denn wie unl\u00e4ngst die Recherche von Doris Leibold ergeben hatte, spielte Tobi Reiser im Dritten Reich eine sehr unerquickliche Rolle, weshalb sich nicht nur das Ensemble, sondern sogar die Stadt Salzburg sich von ihm distanziert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es folgte eine ganze Reihe von T\u00e4nzen und St\u00fccken aus einer Sammlung, die sich tats\u00e4chlich \u201eBauernmusi\u201c nennt, und die jeweils nach den Ansagen von Doris Leibold erklangen. Unterbrochen wurde diese Session von einem altenglischen Liebeslied \u201eAs I Was Awalking\u201c mit Doris Leibold als S\u00e4ngerin, die mit ihrer hellklingenden Stimme von den beiden Gitarristen wunderbar untermalt wurde. \u00dcberhaupt ist \u2013 im Gegensatz zu sehr vielen klassischen Gitarristinnen und Gitarristen \u2013 das gesangliche Melodiespiel vor allem bei Ren\u00e9 Senn und Thomas Kohl ein ganz besonderes Merkmal. Wie wunderbar phrasiert diese Melodien daherkommen, kontrapunktiert von den Bassl\u00e4ufen auf der dritten Gitarre von Doris Leibold, ist beispielhaft. Aber ist es bekanntlich bei der Bayerischen Volksmusik sowieso zentraler Ausgangspunkt: Das Singen. Demzufolge k\u00f6nnen einiger der besten Volksmusik-Gitarristen \u2013 siehe der Eibl Sepp \u2013 Melodien so nat\u00fcrlich\u00a0 spielen, wie \u201ees sich geh\u00f6rt\u201c, da sie es bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben. (Wie auch Sergiu Celibidache darauf hinwies.) Und sowohl Ren\u00e9 Senn als auch Thomas Kohl geh\u00f6ren zu dieser \u201eGattung\u201c zweifellos dazu. Auch auf der CD ist das alles nachzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der zweite Teil des Abends brachte noch andere Musik in unser Ohr: Und da ging dann einfach musikalisch die Post ab! Blues vom Feinsten, rhythmisch mit der Kontrabass-Gitarre von Doris Leibold zum sch\u00f6nsten grooven gebracht und von den beiden Herren in bester Spiellaune dem knallvollen Saal pr\u00e4sentiert. T-Bone Walker, Freddy Q und andere standen dann auf dem Programm, und die Tatsache, dass eben auch Jimi Hendrix zu den Vorbildern geh\u00f6rt, war genau wieder einmal der Beweis, dass es letztlich nur zwei Arten von Musik gibt: Gute \u2013 wie an diesem Abend \u2013 und schlechte, \u00fcber die wir hier allerdings kein weiteres, \u00fcberfl\u00fcssiges Wort verlieren wollen.<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann, Februar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag den 4. Februar stellte das Gitarren-Ensemble \u201eVerzupft\u201c seine Debut-CD im Rahmen eines Konzerts im \u201eCaf\u00e9 Wildwuchs\u201c in der M\u00fcnchner Leonrodstrasse vor. 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