{"id":1539,"date":"2017-02-21T20:09:49","date_gmt":"2017-02-21T19:09:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1539"},"modified":"2017-02-19T16:12:36","modified_gmt":"2017-02-19T15:12:36","slug":"zielen-auf-unausgeschoepftes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/02\/21\/zielen-auf-unausgeschoepftes\/","title":{"rendered":"Zielen auf Unausgesch\u00f6pftes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong style=\"text-align: justify;\">Mensch und Musik <\/strong>von Hans Erik Deckert (Novalis-Verlag, 2016)<br \/>\nNovalis; ISBN: 978-3-941664-48-7<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/0087.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1530\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1530\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/0087-239x300.jpg\" alt=\"0087\" width=\"239\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/0087-239x300.jpg 239w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/0087-768x962.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/0087-817x1024.jpg 817w\" sizes=\"(max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Mensch und Musik&#8220; zielt auf in der Zeit nach unserer Jahrtausendwende auf neue Weise Unausgesch\u00f6pftes. Die Essays des Buches aus den Jahren 1981 bis 2015 widmen sich bei hohem geistig-seelischem Anspruch dem musikalischen Weg zum Selbst, zum <em>teamwork<\/em>, zur Gemeinschaft, der sozialen Potenz der Musik, der anthropologischen Potenz der Musik, mithin spirituellen Potenzen der Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die scheinbar n\u00fcchterne Ph\u00e4nomenologie der Tonalit\u00e4t wird gestreift bei der Er\u00f6rterung der Intervalle, der tonalen Koh\u00e4renz, der Bildung von Tongestalten und musikalischer Formprozesse. Die Funktion derartiger Elemente der Musiklehre und zudem die Funktion der Notenbeispiele des Buches (Beethoven, Mendelssohn, Schostakowitsch, Martinu) erf\u00fcllen sich bei Deckert erst dann, wenn sie sich in einem h\u00f6chst verantwortlichen Umgang \u00a0realisieren \u2013 einem erneuerten Umgang mit und in der Musikkultur. Deckert arbeitet im besten Sinne idealistisch heraus, was Musik, die ihren Namen verdient, eigentlich hei\u00dft, bedeutet und fordert! Dezent verbindet der Autor dies mit F\u00e4higkeiten und Werten wie Staunen, Hingabe, Demut, Dankbarkeit, Heiligkeit. Nicht umsonst erscheint Arnold Sch\u00f6nbergs Wort vom \u201ePriester der Kunst\u201c als kardinales Zitat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit verbunden ist f\u00fcr Deckert die Abwendung von Unterhaltung und die Kritik oder Verdammung des heute fast omnipr\u00e4senten Happy Sound, der die Menschen bei vielerlei t\u00e4glichen Verrichtungen vielerorts umsp\u00fclt &#8211; solange man nicht mit Deckert versucht, gegen den ein oder anderen modischen <em>mainstream<\/em> zu schwimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deckerts Abgrenzung von Rock und Pop muss man zumindest dezidiert, ja radikal nennen. Rock-Musik und ihre Varianten werden im Anschluss an den 1940 geborenen Jan W. Morthenson unter den Verdacht faschistoider Gesellschaftsbildung gestellt (auch kn\u00fcpft Deckert an das Diktum \u201eHinrichtung der Sinne\u201c an, das Urs Frauchiger gepr\u00e4gt hat , mit dem Deckert \u00fcbrigens auch die Hochsch\u00e4tzung Sergiu Celibidaches verbindet).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerne m\u00f6chte ich Deckert zustimmen, dass jedwedes Milit\u00e4rische (ein Musiker wie Arturo Toscanini wird nicht explizit genannt, k\u00f6nnte aber mitgemeint sein) das Gegenteil von Musik im emphatischen Sinne ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Deckert die Gegenwart in einer tiefen Krise sieht, werden meines Erachtens sehr berechtigte Sorgen wachgerufen durch Stichworte wie Reiz\u00fcberflutung und eine Abstumpfung, deren musikalische Kehrseite mancherorts interpretatorische Egomanie war. Abstumpfung, Leerlauf, Tr\u00e4gheit, Wertezerfall umschreiben einen Teil dessen, wodurch Deckert sich herausgefordert f\u00fchlt. In der Verbannung der <em>popular music<\/em> indessen geht der Autor, der Rudolf Steiner verpflichtet ist, (mir) zu weit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier gebe ich zu Bedenken: Kann nicht auch ein chorisch arrangierter Satz wie \u201eViva la vida\u201c (Coldplay) oder eine konzertant freilich immer nur elektrisch verst\u00e4rkt dargebotenes Songbook etwa einer Melody Gardot gerade unsere heutigen Jugendlichen zu Erfahrungen f\u00fchren, die auf die vielleicht noch tiefere Welt des Musikalischen wenigstens vorzubereiten verm\u00f6gen? Das Sprichwort, demzufolge man manchmal mit dem Teufel \u00fcber die Br\u00fccke gehen muss, bis man dr\u00fcben ist, bliebe Deckert wohl eher fremd. Vielleicht ist aber gerade das digitale Zeitalter voller solcher Notwendigkeiten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt ist diesem Buch ein Leserkreis zu w\u00fcnschen, der im Kreis von Instrumentallehrern, Lehrern an allgemeinbildenden Schulen und Instituten Aufmerksamkeit erregen m\u00f6ge. Deckert, der als junger Mann noch bei Pablos Casals und in Frankfurt bei Kurth Thomas gelernt hat, gibt gen\u00fcgend Anregung \u2013 nicht zuletzt bei der (ent)spannenden Frage nach den Vorteilen der Stimmtonh\u00f6he von 432 oder 435 Hertz, mit der der Autor aufgewachsen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Matthias Thiemel, Januar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mensch und Musik von Hans Erik Deckert (Novalis-Verlag, 2016) Novalis; ISBN: 978-3-941664-48-7 &#8222;Mensch und Musik&#8220; zielt auf in der Zeit nach unserer Jahrtausendwende auf neue Weise Unausgesch\u00f6pftes. 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