{"id":1564,"date":"2017-03-10T23:47:13","date_gmt":"2017-03-10T22:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1564"},"modified":"2017-03-10T23:47:13","modified_gmt":"2017-03-10T22:47:13","slug":"happy-birthday-haendel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/03\/10\/happy-birthday-haendel\/","title":{"rendered":"Happy Birthday H\u00e4ndel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Messiah-Konzert in Halle am 25. Februar 2017<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Gillian Keith, Sopran &#8211;\u00a0 Franziska Rabl, Alt\u00a0 &#8211; Robert Sellier, Tenor &#8211;\u00a0 Padraic Rowan, Bass &#8211; 400 S\u00e4nger aus aller Welt\u00a0 &#8211; Staatskapelle Halle<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u00a0Proinns\u00edas \u00d3 Duinn, Dirigent<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Konzert in der Georg-Friedrich-H\u00e4ndel Halle in H\u00e4ndels Geburtsstadt Halle hat zwei verschiedene Aspekte: einen gesellschaftlichen und einen musikalischen. Seit 2000 findet allj\u00e4hrlich um den Geburtstag des Komponisten (23. Februar 1685) eine Auff\u00fchrung des \u201eMessias\u201c statt. Dazu l\u00e4dt der \u201eHappy Birthday H\u00e4ndel\u2013Verein\u201c S\u00e4nger und Ch\u00f6re aus der ganzen Welt ein. Die Hallenser Staatskapelle spielt und ungef\u00e4hr 400 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger singen unter der Leitung des irischen Dirigenten Proinns\u00edas \u00d3 Duinn. Die erste Probe ist am Donnerstag Abend, eine weitere am Freitag und nach der Generalprobe am Samstag Vormittag ist am Abend die Auff\u00fchrung. So weit das \u00c4u\u00dferliche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Schon zu H\u00e4ndels Lebzeiten wurde die Auff\u00fchrung des \u201eMessias\u201c mit immer gr\u00f6\u00dferen Ch\u00f6ren ein Teil der Rezeption, die ja in Amerika zu Johann Strau\u00df\u2019 Zeiten mit Tausenden von S\u00e4ngern ihre Fortsetzung fand. Und auch heute ist H\u00e4ndels \u201eMessias\u201c ein bevorzugtes St\u00fcck der Chorbewegung, die seit ungef\u00e4hr 15 oder 20 Jahren S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger zu allen m\u00f6glichen Projekten zusammenf\u00fchrt, wie etwa dem \u201eRequiem\u201c von Mozart, den Messen von Schubert, dem Verdi-Requiem oder anderen Kompositionen. L\u00e4ngst ist daraus tats\u00e4chlich eine richtige \u201eBewegung\u201c geworden, die nat\u00fcrlich beide Seiten \u2013 das gemeinsame Singen und das gemeinsame \u201eFeiern\u201c \u2013 miteinander verbindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Einen gemischten Chor von 400 Menschen zusammen zu f\u00fchren, ist eine ganz besondere Aufgabe, die Proinns\u00edas \u00d3 Duinn allerdings seit Jahren in souver\u00e4n vereinigender Weise \u00fcbernimmt. Er kennt nat\u00fcrlich seinen \u201eMessias\u201c\u00a0 in- und auswendig, und er schafft es, in den wenigen Proben aus der \u201eMasse\u201c der Singenden einen wirklichen Chor herauszubilden. Allerdings kennen sich viele der Mitwirkenden schon seit Jahren, und die Begegnung ist ein zentraler Aspekt der Auff\u00fchrung. Auch haben sich fast alle gut vorbereitet, wodurch das Proben mit Proinn\u00edas \u00d3 Duinn vom ersten Moment an \u201eklappt\u201c. Nat\u00fcrlich ist bei einer solchen Gr\u00f6\u00dfenordnung nicht gerade an Feinheiten der Phrasierung oder an besondere Abstufung der Dynamik zu denken. Jedoch, er gibt sein Bestes, mit bestechender Energie und eine geh\u00f6rigen Portion Humor bringt er die Massen zum chorischen Singen, versucht, das Beste aus der kurzen Probezeit herauszuholen, und so ist der Chor am Samstag Abend bereit, allj\u00e4hrlich diesen \u201eMessiah\u201c zu einem Erlebnis werden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unterst\u00fctzt wird Proinns\u00edas \u00d3 Duinn dabei von vier Solisten und vor allem von der Staatskapelle Halle, die seit 2006 die Auff\u00fchrung instrumental erm\u00f6glicht. Alle gehen sehr bereitwillig auf \u00d3 Duinns Dirigieren ein, und da hilft nat\u00fcrlich die langj\u00e4hrige Vertrautheit von Orchester und Dirigent. Allerdings muss ich an dieser Stelle zwei Musiker herausgehoben erw\u00e4hnen: die Konzertmeisterin Doroth\u00e9e Stromberg, die mit unbedingtem Einsatz ihre Kolleginnen und Kollegen anf\u00fchrt, und den Kontrabassisten Steffen Slowik. Ganz selten habe ich jemanden erlebt, der seinen Continuo-Part und auch das \u00dcbrige so mit Leib und Seele und nat\u00fcrlich auch mit seinem ganzen Wissen und unwiderstehlicher Pr\u00e4senz musiziert wie diesen Musiker. Auch er lie\u00df den Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein Wort zu den Solisten, ohne deren Pr\u00e4senz die Auff\u00fchrung des \u201eMessiah\u201c nicht m\u00f6glich w\u00e4re: Schon im Vorfeld ist man ja immer gespannt, wer dieses Jahr die Solopartien singen wird. Wenn dann amSamstag vormittags bei der Generalprobe die vier zum ersten Mal hinzutreten und meist ihre Partie zum Chor gewendet singen, dann erst kommt das richtige \u201eFeeling\u201c auf, bei einem Konzert mit dabei zu sein auch als Chors\u00e4nger \u2013 ich bin dabei einer von ungef\u00e4hr 40 Ten\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Proinns\u00edas \u00d3 Duinn begann mit dem zweiten Teil, also war Franziska Rabl mit ihrer Altstimme die erste, die wir h\u00f6rten: \u201eHe was despised\u201c. Dann kam Robert Sellier mit der Tenorklage: \u201eAll they that see Him,\u201c und den nachfolgenden, tief bewegenden St\u00fccken \u201eThy rebuke\u2026\u201c. Auch wenn er in seiner Arie \u201eThou shalt break them\u201c bei der Probe \u201emarkierte\u201c, seine Stimme, seine Gestaltung und seine Pr\u00e4senz waren bewegend. Die eigentliche \u00dcberraschung bei den Solisten allerdings war der 26-j\u00e4hrige Padraic Rowan, der die Bass-Arie \u201eWhy do the nations\u201c mit voller Kraft und St\u00e4rke und einer staunenswerten Stimme erf\u00fcllte. Gillian Keiths Sopran kam trug in der wohl sch\u00f6nsten Arie \u201eI know that my redeemer liveth\u201c leicht und bewegt im Riesenraum der H\u00e4ndelhalle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Abend also die Auff\u00fchrung: Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich nach nur drei Proben dieses geniale Riesenwerk nur bedingt in seinem Potential aussch\u00f6pfen und auch nicht komplett wiedergeben \u2013 doch registriere man die Tatsache, dass es ja eh keine endg\u00fcltige Fassung des \u201eMessiah\u201c gibt, jede ist eine andere Auswahl, was ebenfalls daf\u00fcr gesorgt hat, dass \u2013 anders als bei der \u201eMatth\u00e4us-Passion\u201c von Bach \u2013 H\u00e4ndels \u201eMessiah\u201c immer gegenw\u00e4rtig war und blieb. Die Musik, vor allem die Ch\u00f6re, kommt oft nicht \u00fcber das schlichte Realisieren der Noten oder der T\u00f6ne hinaus, allerdings ist bei den schnellen Tempi, die Proinns\u00edas \u00d3 Duinn nimmt, an ein bewussteres und musikalischeres Ausf\u00fchren kaum zu denken, besonders die Koloraturen in den tiefen Stimmen oder die Dynamik bei den hohen, das kommt oft nur sehr plakativ daher. Auch sind Feinheiten wie \u201efor unto us a <strong>child <\/strong>is born\u201c oder \u201e<strong>His <\/strong>yoke is easy\u201c _ und nicht \u201eHis <strong>yoke<\/strong> is easy\u201c usw. \u2013 nicht m\u00f6glich, was schade ist, denn H\u00e4ndel hat im \u201eMessiah\u201c intensiv mit und nach der englischen Sprache komponiert. Auch das Halleluia-Schlachtross wird bei solch einem \u201eEvent\u201c nat\u00fcrlich nicht besonders differenziert musiziert, wie es zu w\u00fcnschen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Daf\u00fcr waren Solisten und Orchester in Hochform, besonders die beiden M\u00e4nnerstimmen sangen all ihre Arien mit bewegender Intensit\u00e4t. Und die \u201ePifa\u201c habe ich pers\u00f6nlich selten so fein und ausgezeichnet geh\u00f6rt wie dieses Mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Selbstverst\u00e4ndlich gab es vom Publikum riesengro\u00dfen Beifall f\u00fcr alle, und als Zugabe wurde \u2013 l\u00e4ngst Tradition \u2013 das \u201eHalleluja\u201c wiederholt, womit ein gro\u00dfer Abend sein Ende fand.<br \/>\nBei alledem wurde dem anderen, dem gesellschaftlichen Teil des Projekts jeden Abend nach den Proben und auch nach dem Konzert noch ausgiebig Rechnung getragen in den verschiedensten Kneipen, Wirtsh\u00e4usern und Restaurants der Stadt Halle. So kamen alle auf ihre Kosten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, Februar 2017<\/strong><strong>]<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Messiah-Konzert in Halle am 25. Februar 2017 Gillian Keith, Sopran &#8211;\u00a0 Franziska Rabl, Alt\u00a0 &#8211; Robert Sellier, Tenor &#8211;\u00a0 Padraic Rowan, Bass &#8211; 400 S\u00e4nger aus aller Welt\u00a0 &#8211; Staatskapelle Halle \u00a0Proinns\u00edas \u00d3 Duinn, Dirigent Das Konzert in der Georg-Friedrich-H\u00e4ndel Halle in H\u00e4ndels Geburtsstadt Halle hat zwei verschiedene Aspekte: einen gesellschaftlichen und einen musikalischen. 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