{"id":1585,"date":"2017-03-22T23:43:59","date_gmt":"2017-03-22T22:43:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1585"},"modified":"2017-03-22T23:43:59","modified_gmt":"2017-03-22T22:43:59","slug":"lebendig-wandelnde-wesen-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/03\/22\/lebendig-wandelnde-wesen-der-musik\/","title":{"rendered":"Lebendig wandelnde Wesen der Musik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Rahmen der Meisterkonzerte des Theaters in Kempten (TiK) spielen die Salzburg Chamber Soloists unter Lavard Skou-Larsen am 18. M\u00e4rz 2017 zwei Kammersymphonien von Dmitri Schostakowitsch &#8211; op. 118a nach dem 10. und op. 110a nach dem 8. Streichquartett jeweils in der Bearbeitung durch Rudolf Barschai &#8211; sowie zwei der Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach, d-Moll BWV 1052 und A-Dur BWV 1055. Solistin am modernen Konzertfl\u00fcgel ist die \u00f6sterreichisch-russische Pianistin Lisa Smirnova. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur von wenigen Komponisten ist zu sagen, dass kein einziger Ton zu viel und keiner zu wenig ist, dass absolut alles am rechten Platz steht. Zu diesen geh\u00f6rt Johann Sebastian Bach, den selbst in einem un\u00fcberschaubar gigantischem \u0152uvre nie die Kreativit\u00e4t verlie\u00df. Zwei seiner insgesamt acht Cembalokonzerte sind am heutigen Abend mit Lisa Smirnova am gro\u00dfen Konzertfl\u00fcgel von Steinway &amp; Sons zu h\u00f6ren, dasjenige in A-Dur BWV 1055 und das wohl bekannteste in d-Moll BWV 1052. Die \u00d6sterreicherin russischer Herkunft besticht nach anf\u00e4nglich etwas romantischen Ans\u00e4tzen im Kopfsatz des A-Dur-Konzerts mit erstaunlicher Feingliedrigkeit der Stimmf\u00fchrung. Sie h\u00f6rt sich exakt auf die Streicher ein und reflektiert deren Ton auf dem Tasteninstrument, verschmilzt mit ihnen zu einer untrennbaren Einheit. Dabei gelingt ihr eine nat\u00fcrliche und organische Phrasierung, die durch ihren perlenden Anschlag unterst\u00fctzt wird. Abgesehen vom Kopfsatz des d-Moll-Konzerts kommt auch die ganze Vielfalt der Unterstimmen zum Tragen und ergibt ein angenehmes Klangvolumen. Lisa Smirnova kennt ihren Bach inwendig wie nur wenige und spielt mit einer ekstatischen Hingabe, und ihre Mitspieler, angef\u00fchrt von Skou Larsen, verschmelzen mit ihr zu einer Ausdruckseinheit von unwiderstehlicher Glut und Ausdrucksdichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dmitri Schostakowitsch hatte ein gewaltiges Ziel vor Augen, welches er in seiner Lebenszeit nicht realisieren konnte: Vierundzwanzig Symphonien und ebenso viele Streichquartette zu verfassen, die wie die Pr\u00e4ludien und Fugen aus Bachs Wohltemperiertes Klavier in allen vierundzwanzig Tonarten stehen. Beiden Gattungen schenkte er letztlich f\u00fcnfzehn Werke. Ein Intimus Schostakowitschs, der Weltklassebratschist und legend\u00e4re Dirigent des Moskauer Kammerorchesters Rudolf Barschai, bearbeitete vier der Quartette als Kammersymphonien f\u00fcr Streichorchester (Nr. 3, 4, 8, 10), f\u00fcgte damit auch jeweils eine Kontrabassstimme hinzu. Bei der As-Dur-Kammersymphonie op. 118a f\u00fchrt Lavard Skou Larsen den Dirigierstab, bei op. 110a und bei den Bach-Konzerten sitzt er am Konzertmeisterpult. In beiden Positionen h\u00e4lt er seine Salzburg Chamber Soloists mehr als vortrefflich zusammen und schafft eine einheitlich pulsierende Ganzheit. Ausnahmslos spielen die Musiker auf technisch wie musikalisch allerh\u00f6chstem Niveau, selbst in den schwierigsten Passagen behalten sie die Souver\u00e4nit\u00e4t und fokussieren sich vollkommen auf ihre musikalisch stimmige und feurig innige Darbietung &#8211; der Name &#8222;Soloists&#8220; ist Programm. Die Einzelstimmen wie ihr Zusammenwirken sind zutiefst empfunden, von der fragilen Solo-Kantilene bis zum brodelnden Lavastrom im Tutti. Die Kammersymphonien beginnen zu atmen und sich wie lebendige Wesen kontinuierlich zu wandeln, die Details in der Momentaufnahme und das Gesamte im Fluss stets parallel im Blick in der hinrei\u00dfenden Einstudierung Lavard Skou Larsens, der mit seinen ph\u00e4nomenalen Mitstreitern einmal mehr zeigt, was h\u00f6chste Streichorchesterkultur heute sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Meisterkonzerte des Theaters in Kempten (TiK) spielen die Salzburg Chamber Soloists unter Lavard Skou-Larsen am 18. M\u00e4rz 2017 zwei Kammersymphonien von Dmitri Schostakowitsch &#8211; op. 118a nach dem 10. und op. 110a nach dem 8. 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