{"id":1588,"date":"2017-03-24T23:28:06","date_gmt":"2017-03-24T22:28:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1588"},"modified":"2017-03-24T23:28:06","modified_gmt":"2017-03-24T22:28:06","slug":"kubanische-festivitaeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/03\/24\/kubanische-festivitaeten\/","title":{"rendered":"Kubanische Festivit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Am 10. M\u00e4rz spielt die kubanische Konzertpianistin Yamil\u00e9 Cruz beim Klavierzyklus von Piano Fies Riemerling Werke aus Europa und Kuba. Das Programm beginnt mit Robert Schumanns Faschingsschwank aus Wien Op. 26, worauf das erste Buch aus Isaac Alb\u00e9niz&#8216; Iberia folgt. Die zweite H\u00e4lfte ist Kuba gewidmet, neben sieben T\u00e4nzen von Ignacio Cervantes ist die Suite Andalucia von Ernesto Lecuona zu h\u00f6ren, die Europa und die \u201aNeue Welt\u2019 vereint.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konzertreihe von Piano Fies entwickelt sich immer mehr zu einem ambitionierten Gro\u00dfprojekt. Wo anfangs noch wenige Interessierte den Kl\u00e4ngen etablierter Musiker lauschten, ist nun der kleine Konzertsaal in Riemerling (obgleich bereits in einen gr\u00f6\u00dferen Raum gewechselt wurde) stets bis auf den letzten Platz besetzt und die Wartelisten sind lang. Die N\u00e4he zum Publikum wird gro\u00dfgeschrieben und die Atmosph\u00e4re ist vertraut, beinahe intim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am heutigen Abend ist es Yamil\u00e9 Cruz Montero, die in diesem legeren Rahmen auftritt und die H\u00f6rer mit ihrem europ\u00e4isch-kubanischen Programm verzaubert. Eingef\u00fchrt wird traditionell von Frau Professorin Bianca Bodalia von der Musikhochschule M\u00fcnchen, die mit Charme und verst\u00e4ndlich vermitteltem Fachwissen Einblicke in die dargebotenen Werke gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn direkt ein Highlight der Konzertliteratur, Schumanns Faschingsschwank aus Wien Op. 26, hochvirtuos und von klanglich-musikalischen Herausforderungen durchzogen. Die ersten Takte \u00fcberraschen sogleich, denn Yamil\u00e9 Cruz Montero st\u00fcrzt sich nicht ungehalten ins Get\u00fcmmel oder bietet eben nicht sofort h\u00f6chste Kraft auf. Sie baut auf, verausgabt sich nicht bereits im ersten Ansturm, sondern erzeugt ein Kontinuum, das den H\u00f6rer durch das Werk tr\u00e4gt. So entsteht ein gewaltiger Bogen, der das gesamte Opus umspannt &#8211; dieser ist artikuliert wie ein einziger gro\u00dfer Spannungsverlauf, der sich \u00fcber die lange Strecke auftut und genauso nat\u00fcrlich wieder schlie\u00dft. So erh\u00e4lt der Schwank Stringenz und organischen Zusammenhang fernab der so h\u00e4ufig zu bew\u00e4ltigenden Richtungslosigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht weniger erstaunlich ist Yamil\u00e9 Cruz Monteros Auff\u00fchrung der Iberia-Suite, aus welcher sie das erste Buch spielt. Vertraut ist die Suite in vertr\u00e4umt impressionistischer Manier, gepr\u00e4gt von effektvoller Konturlosigkeit und schillernden Farben. Solch nebul\u00f6se Aufgeregtheit scheint dem kubanischen Gem\u00fct der Pianistin gegen den Strich zu gehen, und sie mei\u00dfelt deutlich die rhythmischen Nuancen heraus, verleiht den drei St\u00fccken Pr\u00e4gnanz und greifbare Form. F\u00fcr enormen Farbenreichtum ist dabei ebenso Platz, nur nicht willk\u00fcrlich ausgeteilt, sondern zu einheitlichem Fluss geb\u00fcndelt. Dabei entfaltet Yamil\u00e9 Cruz Montero ein weites Spektrum dynamischer Zwischenschattierungen, lediglich der Pianissimobereich w\u00e4re nach unten noch erweiterbar (dieser bleibt immer schwierig einzusch\u00e4tzen, damit auch die hinteren Reihen noch jeden Ton vernehmen k\u00f6nnen, und au\u00dferdem mag auch sein, dass nicht jeder Fl\u00fcgel hier eine endlose Palette bereitstellt). Bei Iberia zeigt sich die ganze Vollendung ihres Anschlags, dem zwar die Kraft einer L\u00f6win innewohnt, der diese allerdings feingliedrig korreliert und immer den Erfordernissen der Musik anzupassen vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wahres Heimspiel hat Yamil\u00e9 Cruz Montero in der zweiten H\u00e4lfte des Konzertprogramms, die Werke der kubanischen Komponisten liegen ihr im Blut (die hier zu h\u00f6renden St\u00fccke werden gemeinsam mit weiteren gegen Ende des Jahres bei Grand Piano auf CD erscheinen). Einundvierzig T\u00e4nze fasste Ignacio Cervantes zu einem Zyklus zusammen, woraus heute sieben zu h\u00f6ren sind. Es sind verspielte Miniaturen von \u00fcbersch\u00e4umender Lebensfreude, durchwoben mit rhythmischen Feinheiten und f\u00fcr das europ\u00e4ische Ohr erstaunlichen Skurrilit\u00e4ten. Virtuoser und eher mit klassischen Modellen vertraut gibt sich die Musik von Ernesto Lecuona, der als kubanischer Gershwin gilt. Sie sechss\u00e4tzige Suite Andalucia eint kubanisches Lebensgef\u00fchl mit spanischer Attit\u00fcde und den Ambitionen einer gro\u00dfen klassischen Komposition. Yamil\u00e9 Cruz Montero geht ebenso intensiv im organischen Leben der Musik auf wie bei Schumann oder Alb\u00e9niz, spielt mit feingliedrigem Bewusstsein \u00fcber Form und Struktur, vernachl\u00e4ssigt auch nicht das lyrische Moment und besticht mit unerh\u00f6rter rhythmischer Pr\u00e4gnanz. Eine gro\u00dfartige Musikerin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. M\u00e4rz spielt die kubanische Konzertpianistin Yamil\u00e9 Cruz beim Klavierzyklus von Piano Fies Riemerling Werke aus Europa und Kuba. Das Programm beginnt mit Robert Schumanns Faschingsschwank aus Wien Op. 26, worauf das erste Buch aus Isaac Alb\u00e9niz&#8216; Iberia folgt. 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