{"id":1640,"date":"2017-04-15T23:54:29","date_gmt":"2017-04-15T21:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1640"},"modified":"2017-04-15T23:54:29","modified_gmt":"2017-04-15T21:54:29","slug":"aktuelle-musizierpraxis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/04\/15\/aktuelle-musizierpraxis\/","title":{"rendered":"Aktuelle Musizierpraxis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">cpo 555 077-2; EAN: 7 61203 50772 6<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/0093.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1641\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1641\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/0093-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"376\" height=\"326\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/0093-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/0093-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/0093.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die dritte CD mit Kammermusikwerken von Niels W. Gade widmet sich dem gro\u00dfen Streichoktett op. 17 F-Dur, dem Streichquartett-Satz a-Moll sowie dem unvollendeten Streichquartett F-Dur. Es spielt das Ensemble MidtVest, im Oktett erweitert durch das Danish String Quartet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Lob vom Kontinent und Kritik aus dem Norden, mit diesen Oppositionen hatte es Niels Wilhelm Gade zu tun. Als Sch\u00fcler von Mendelssohn und gef\u00f6rdert unter anderem von Schumann gewann Gade schnell eine weitreichende Reputation, doch andererseits warfen ihm Ole Bull und sp\u00e4ter auch dessen Sch\u00fctzling Edvard Grieg &#8222;verweichlichten Skandinavismus&#8220; vor, der das echt nordische verriete. Dabei stand Grieg als Sch\u00fcler Gades lange Zeit unter dessen Einfluss, wurde durch ihn zu seiner Symphonie und seiner einzigen Klaviersonate (unter anderem tonartlich und motivisch mit unverkennbaren Gemeinsamkeiten zu Gades Klaviersonate gespickt) inspiriert &#8211; zumindest bis sein &#8222;guter Engel&#8220; (so Grieg sp\u00e4ter) Ole Bull ihm sagte, w\u00fcrde er Gade weiter folgen, watete er nur im Schlamm. Gerade bei der Betrachtung von Gades Fr\u00fchwerk ist dieser Vorwurf allerdings nicht zutreffend, in jungem Alter verfasste der D\u00e4ne unglaublich inspirierte Musik in lebendiger Formung und von gr\u00f6\u00dftem Einfallsreichtum. Sp\u00e4ter wurde er verkopfter, akademischer, und lie\u00df sich nicht mehr so sehr von seinem Naturell treiben. Auf vorliegender CD sind Werke seiner fr\u00fcheren Jahre zu h\u00f6ren, von den Quartett-Fragmenten 1836 (Gade war gerade einmal 19) und 1840 bis zum Oktett von 1848.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ensemble MidtVest spielte bisher Holmboe, J\u00f8rgen Jersild, Abrahamsen und Bruun ein, ist bisher jedoch noch nicht im internationalen Bewusstsein angekommen. Vom Danish String Quartet, welches das Ensemble im Oktett erg\u00e4nzt, ist man hohen Standard gewohnt, seine Aufnahmen von unter anderen Carl Nielsen, Brahms, Robert Fuchs oder der aktuellen Zeitgenossen N\u00f8rg\u00e5rd, Abrahamsen und Ad\u00e8s bestechen mit exzellenter Darbietung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ensemble MidtVest h\u00e4lt den vom Danish String Quartet gesetzten Standards nicht ganz stand, kommt nicht an die Ungezwungenheit und Inspiration der Kollegen heran. In den Quartetten ist dies klar wahrnehmbar, und auch im Oktett k\u00f6nnen die vier Musiker des Danish String Quartett in der zusammengestellten Konstellation keine deutliche Verbesserung bewirken. Stattdessen erlebt der H\u00f6rer ein Musterbeispiel f\u00fcr aktuelle Musizierpraxis: Alles ist klar und lupenrein, brillant in der Tongebung und oberfl\u00e4chlich sch\u00f6n anzuh\u00f6ren; doch geht man schnell verloren in dieser an sich nicht zu komplexen Musik, verliert den Sinn f\u00fcr Zusammenhang. Woran liegt dies? Die Musiker spielen alles, was in der Partitur steht und setzen es genauestens um. Hierbei vergessen sie allerdings, dass die Noten lediglich ann\u00e4hernde Hinf\u00fchrung an eine Manifestation von etwas Klingendem sind und nur einen Teil des zu erzielenden Resultats darstellen. Erst wenn die Korrelation der T\u00f6ne ersp\u00fcrt wurde, eine nat\u00fcrlich den Spannungsgesetzen folgende Phrasierung der Musik durch inspirierten Geist Leben einhaucht, ist etwas Vollst\u00e4ndiges wahrzunehmen. Immer mehr geht das Bewusstsein dar\u00fcber verloren und wir h\u00f6ren &#8222;Verstaubtes&#8220;, lediglich die Partitur Wiedergebendes. (Ebenso h\u00e4ufig das zweite Extrem, die blanke Willk\u00fcr, die durch unerh\u00f6rte Freiheiten die physikalisch-musikalischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten verleugnet und am Kern der Musik vorbeigeht, sinnfrei wie ziellos herumexperimentiert.) Sowohl in den Quartetten wie auch im Oktett wird viel des Angemahnten vernachl\u00e4ssigt, von zusammenh\u00e4ngend erlebter Form kann keine Rede sein, und die Gestaltung ist nicht im Einklang mit den Spannungsverl\u00e4ufen, bis hin zur Betonung von offensichtlichen Aufl\u00f6sungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, April 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>cpo 555 077-2; EAN: 7 61203 50772 6 Die dritte CD mit Kammermusikwerken von Niels W. Gade widmet sich dem gro\u00dfen Streichoktett op. 17 F-Dur, dem Streichquartett-Satz a-Moll sowie dem unvollendeten Streichquartett F-Dur. Es spielt das Ensemble MidtVest, im Oktett erweitert durch das Danish String Quartet. 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