{"id":1713,"date":"2017-06-12T16:35:03","date_gmt":"2017-06-12T14:35:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1713"},"modified":"2017-06-12T16:35:13","modified_gmt":"2017-06-12T14:35:13","slug":"eine-doppelte-reise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/06\/12\/eine-doppelte-reise\/","title":{"rendered":"Eine doppelte Reise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Arthaus, 109317; EAN: 4 058407 093176<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unitel, 738104; EAN: 8 14337 01381 3<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/0100.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1714\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1714\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/0100-300x179.jpg\" alt=\"0100\" width=\"600\" height=\"358\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/0100-300x179.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/0100-768x459.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/0100-1024x612.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zwei Einspielungen der Winterreise von Franz Schubert erschienen nun im Vertrieb Naxos, beide als Live-Aufnahme und in DVD-Format: Arthaus publizierte eine 1979 in der Berliner Siemensvilla entstandene Aufnahme mit Dietrich Fischer-Dieskau und Alfred Brendel, Unitel ver\u00f6ffentlicht die am 8. und 15. Juli 2014 im Rahmen des Festival d&#8217;Aix-en-Provence in Frankreich aufgenommene Darbietung von Matthias Goerne und Markus Hinterh\u00e4user mit einer Hintergrundvisualisierung durch William Kentridge.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur in Miroslav Srnkas Oper South Pole kann der H\u00f6rer gleich zwei Erkundungstouren durch Schnee und Eis erleben, nein, auch der Vertrieb Naxos erm\u00f6glicht derlei Gegen\u00fcberstellung durch zwei Neuerscheinungen von Franz Schuberts unverg\u00e4nglchem Liederzyklus \u201aWinterreise\u2019. F\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre liegen zwischen den Aufnahmedaten, und sowohl in akustischer wie in optischer Hinsicht sind deutliche Unterschiede zu verzeichnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stimme Dietrich Fischer-Dieskaus pr\u00e4gte Generationen und entzieht sich aufgrund des massiven Einflusses fast schon einer objektiven Besprechung. Manche kritisieren seine Unbeteiligtheit am textlichen Geschehen und die Starrheit seines Tonfalls, andere bevorzugen eben diese n\u00fcchterne Passivit\u00e4t und Schlichtheit &#8211; und beide Seiten haben in gleichem Ma\u00dfe Recht. Mechanisierungen und gelegentliche, nicht dem musikalischen Phrasenfluss entsprechende Schwerpunktsetzungen stechen unangenehm ins Ohr, doch l\u00e4sst seine Zur\u00fcckhaltung Platz f\u00fcr freie Entfaltung der innermusikalischen Bedeutung, viele melodischen Finessen treten unerwartet hervor. Nicht der S\u00e4nger steht im Mittelpunkt, sondern die Musik. Legend\u00e4r sind die Kontraste, die Fischer-Dieskau erschafft und damit bei pr\u00e4zisester Verst\u00e4ndlichkeit einzelne Passagen stimmlich voneinander abhebt, geradezu schon, als w\u00e4ren mehrere S\u00e4nger am Start, die da zusammenwirken. Zu statisch hingegen agiert Alfred Brendel als Klavierpartner, der kaum Nuancierungen und dynamische Feinheiten plaziert. Er bleibt stets im Schatten des S\u00e4ngers, verleiht ihm nicht den n\u00f6tigen Widerpart, der auch durch die Tasten singen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leidenschaftlicher involviert gibt sich Matthias Goerne in der neueren Einspielung aus Frankreich. Seine Stimme funkelt in unz\u00e4hligen Abschattierungen und bl\u00fchender Lebendigkeit, bleibt dabei immer klar und meist auch gut verst\u00e4ndlich. Manchmal l\u00e4sst er sich jedoch etwas zu sehr hinrei\u00dfen von \u00fcbersch\u00e4umenden Emotionen und der Kontext bricht in sich zusammen, was gerade die so hinrei\u00dfende Schlussnummer &#8222;Der Leiermann&#8220; aufgeb\u00fcrdet bekommt, die ihre Simplizit\u00e4t und unschuldige Nat\u00fcrlichkeit einb\u00fc\u00dft. Doch \u00fcberwiegend stellt auch Goerne die Musik in den Mittelpunkt, reflektiert genauestens innermusikalische Prozesse und r\u00fcckt vieles ans Licht, was meist verborgen bleibt. Erstaunlich sanft und flexibel ist Goernes Vibrato? Allgemein legt er eine introvertiert zarte Seite offen, der Oberfl\u00e4chlichkeit fremd ist. Am Klavier bleibt Markus Hinterh\u00e4user wie schon Brendel eher im Hintergrund, doch auch dort phrasiert er konturiert und vernachl\u00e4ssigt nicht das harmonisch so ausgekl\u00fcgelte Konstrukt, auf dem sich der Gesang erst entfaltet. Die Visualisierung durch William Kentridge bringt &#8211; gerade im Gegensatz zum dunkel-monochromen Erscheinungsbild bei Fischer-Dieskau und Brendel &#8211; Abwechslung und einige stimmungsvolle Elemente ein, lenkt dabei nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig von der Musik ab, bringt allerdings auch keinen signifikanten Mehrwert in die Auff\u00fchrung hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juni 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arthaus, 109317; EAN: 4 058407 093176 Unitel, 738104; EAN: 8 14337 01381 3 Zwei Einspielungen der Winterreise von Franz Schubert erschienen nun im Vertrieb Naxos, beide als Live-Aufnahme und in DVD-Format: Arthaus publizierte eine 1979 in der Berliner Siemensvilla entstandene Aufnahme mit Dietrich Fischer-Dieskau und Alfred Brendel, Unitel ver\u00f6ffentlicht die am 8. und 15. Juli &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/06\/12\/eine-doppelte-reise\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine doppelte Reise<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[121],"tags":[1992,1406,1997,289,87,1994,1993,200,1996,1995],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1713"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1713"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1713\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5034,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1713\/revisions\/5034"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1713"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1713"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1713"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}