{"id":1760,"date":"2017-07-11T20:53:34","date_gmt":"2017-07-11T18:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1760"},"modified":"2017-07-13T18:05:26","modified_gmt":"2017-07-13T16:05:26","slug":"neben-bruckner-und-brahms","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/07\/11\/neben-bruckner-und-brahms\/","title":{"rendered":"Neben Bruckner und Brahms [Rezensionen im Vergleich]"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">cpo, 555 107-2; EAN: 7 61203 51072 6<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1761\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1761\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"346\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kammermusik von Felix Draeseke ist auf vorliegender CD von cpo in Kooperation mit Deutschlandradio Kultur zu h\u00f6ren. Sein Streichquintett op. 77 wird dabei vom Breuninger Quartett und Andreas Gr\u00fcnkorn am zweiten Violoncello gespielt, das Quintett op. 48 f\u00fcr Streichtrio, Horn und Klavier bietet das Solistenensemble Berlin dar, auch hier spielt Gr\u00fcnkorn als Cellist mit, an der Bratsche ist Felix Schwartz zu h\u00f6ren. Zwischen den Quartetten ist noch die Scene op. 69 f\u00fcr Violine und Klavier mit Matthias Wollong und Brigitta Wollenweber zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist begl\u00fcckend, in letzter Zeit immer neue Einspielungen von Felix Draeseke zu h\u00f6ren. Viel zu lange war es still um den gro\u00dfen deutschen Komponisten, zweifelsohne einen der substanziellsten seiner Periode. Als Zeitgenosse von unter anderen Bruckner und Brahms folgt er keinem vorgegebenen Pfad, sondern schl\u00e4gt eigene Wege ein, schafft einen einzigartigen &#8222;Draeseke-Klang&#8220;, der durch eine gewisse Gemessenheit und Schattenhaftigkeit gepr\u00e4gt ist. Seine Musik ist meisterlich gesetzt im komplexen und oft polyphonen Satz, die Struktur brodelt vor Dramatik, seine Themen hingegen sind gerne schweifend und redselig. Obgleich sich eine Vielzahl namhafter Dirigenten, an der Spitze Hans von B\u00fclow, Arthur Nikisch, Ernst von Schuch, Richard Strauss, Hermann Kutzschbach und Hans Pfitzner, f\u00fcr seine Musik einsetzten, geriet Draeseke bald nach seinem Tod in Vergessenheit. Das gleiche Schicksal sollte \u00fcbrigens auch seinen wohl begabtesten Sch\u00fcler, Paul B\u00fcttner, ereilen, der nach gro\u00dfen Erfolgen aufgrund seiner Ehe zu einer J\u00fcdin in der Zeit der Nationalsozialisten aus den Programmen gestrichen wurde. Aus Draesekes Sch\u00fclerschaft sind wenigstens Walter Damrosch und Eugen d&#8217;Albert, der aber nicht wirklich ein Sch\u00fcler im engeren Sinn war, als Komponisten zumindest etwas dem Blick der \u00d6ffentlichkeit erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Solistenensemble Berlin und Andreas Gr\u00fcnkorn sind mit dem Quintett op. 48 zu h\u00f6ren, welches f\u00fcr die eigenartige Besetzung Violine, Bratsche, Cello, Horn und Klavier geschrieben ist. Bei solch ungew\u00f6hnlicher Instrumentierung ist es nat\u00fcrlich nicht m\u00f6glich, ein solch eingespieltes Ensemble wie ein festes Streichquartett oder -quintett zu finden, doch ist die intensive Einstudierung und das Aufeinandereingestelltsein der Musiker nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Manchmal ist die Hauptstimme noch allzu dominant im Vordergrund und die Unterstimmen verlieren sich, so dass nicht die gesamte Polyphonie ersichtlich wird. Es \u00fcberwiegt eine unruhige Hektik, gerade in den beiden ersten S\u00e4tzen, \u00fcber der Ruhe und Lyrik zu kurz kommen. Der letzte Satz besticht mit mehr innerer Haltung. Dessen ungeachtet ist viel Liebe f\u00fcrs Detail un\u00fcberh\u00f6rbar und die getane Arbeit an solch einem seltenen St\u00fcck bemerkenswert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Scene f\u00fcr Violine und Klavier erklingt geb\u00fcndelter und l\u00e4sst manchmal auch feine Lyrik durchscheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reflektiert gestaltet sich das Quintett op. 77, dargeboten durch das Breuninger Quartett, ebenfalls mit Beihilfe von Andreas Gr\u00fcnkorn. Die Musiker sind gut aufeinander eingespielt und k\u00f6nnen auch das vertikale Geflecht der Harmonik mit Bedeutung erf\u00fcllen. Die Unruhe geschieht auf einer viel innerlicheren Ebene als im anderen, fr\u00fcheren Quintett, ein st\u00e4ndiges Brodeln aus dem Untergrund dient als feuriger Motor f\u00fcr die Musik, wobei auch die Entspannung ein wesentliches Element bleibt und Kontraste schafft. Sowohl die Phrasierung der einzelnen Musiker als auch ihr Zusammenwirken geschehen nat\u00fcrlich und ungezwungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herausragend ist der umfangreiche Booklet-Text dieser Einspielung, der auf Leben und Werk fl\u00fcssig und profund eingeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle drei dieser Werke sind es wert, ins st\u00e4ndige Kammermusik-Repertoire aufgenommen zu werden. Die hier zu h\u00f6rende Aufnahme ist die bislang begl\u00fcckendste dieser St\u00fccke &#8211; bei selten gespielten St\u00fccken ist es nur nat\u00fcrlich, dass die Darbietung noch kleine W\u00fcnsche offen l\u00e4sst, und so bleibt zu hoffen, dass die Entdeckung Draesekes weiter voranschreitet und dieser gro\u00dfartige Komponist nach und nach weiter erschlossen und auch endlich im gro\u00dfen Konzertsaal etabliert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>cpo, 555 107-2; EAN: 7 61203 51072 6 Kammermusik von Felix Draeseke ist auf vorliegender CD von cpo in Kooperation mit Deutschlandradio Kultur zu h\u00f6ren. 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