{"id":1764,"date":"2017-07-13T18:03:38","date_gmt":"2017-07-13T16:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1764"},"modified":"2017-07-13T18:05:06","modified_gmt":"2017-07-13T16:05:06","slug":"romantik-pur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/07\/13\/romantik-pur\/","title":{"rendered":"Romantik pur [Rezensionen im Vergleich]"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Felix Draeseke (1835-1913): Quintett op. 77 f\u00fcr 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli; Szene op. 69 f\u00fcr Violine und Klavier; Quintett op. 48 f\u00fcr Violine, Viola, Violoncello, Horn und Klavier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solistenensemble Berlin (Matthias Wollong, Violine op.69 &amp; 77; Georg Pohle, Horn op. 48; Brigitta Wollenweber, Klavier op. 69 &amp; 48); Breuninger Quartett (Sebastian Breuninger, Violine op.77; Stanley Dodds, Violine op. 77; Annemarie Moorcraft, Viola op.77; David Riniker, Violoncello op.77); G\u00e4ste: Felix Schwartz, Viola op.48; Andreas Gr\u00fcnkern, Violoncello op. 48 &amp; 77<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1761\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1761\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/0102.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">CPO, 555 107-2: EAN: 7 61203 51072 6<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Franz Schuberts unvergleichlichem Quintett C-Dur kann sich wenig andere Kammermusik messen. Das Quintett op. 77 von Felix Draeseke\u00a0 (1835-1913) kann es, und zwar sehr eindrucksvoll und \u00fcberzeugend. Wie viele andere Komponisten auch, ist Felix Draeseke und seine Musik auch heute noch nicht in den Olymp aufgestiegen, in den sie eigentlich l\u00e4ngst geh\u00f6rt. Das von Christoph Schl\u00fcren verfasste ausf\u00fchrliche Booklet gibt dar\u00fcber und \u00fcber die Ursachen umfassend und kenntnisreich Auskunft, so dass wir uns ganz auf die Musik konzentrieren k\u00f6nnen.\u00a0 Das knapp \u00fcber eine halbe Stunde dauernde Streichquintett gl\u00e4nzt \u2013 wie das Schubert\u2019sche \u2013 mit zwei Celli, was dem gesamten Klang eine fundierte Note gibt.\u00a0 Die vier S\u00e4tze \u2013 der erste (langsam und d\u00fcster), dann das Scherzo (sehr schnell und prickelnd), es folgt der dritte (langsam und getragen) und abschlie\u00dfend der vierte Finale (langsam und d\u00fcster \u2013 rasch und feurig) \u2013 \u00fcberzeugen sowohl durch die intensive Klanglichkeit, die allen f\u00fcnf Instrumenten eignet, als auch durch die polyphonen und melodisch weittragenden Strukturen. Dass Draeseke sich durchaus \u2013 jenseits aller Romantik \u2013 auch als Neuerer verstand, beweist seine oftmals k\u00fchne Harmonik. Die Urauff\u00fchrung seines Quintetts fand \u00fcbrigens 1903 in Basel statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Szene op. 69 f\u00fcr Violine und Klavier\u00a0 &#8211; kaum 10 Minuten lang \u2013 ist von der Besetzung her kein Experiment, aber was in Draesekes Komposition besticht, ist seine melodische Erfindung, seine polyphone Textur in beiden Instrumenten, die dieser Kombination von Geige und Klavier einen ganz eigenen Reiz verleiht. Die Harmonik ist durchaus neut\u00f6nerisch \u2013 entgegen den damaligen \u201eRegeln\u201c der ma\u00dfgeblich Unterrichtenden, wof\u00fcr Draeseke auch dementsprechend angefeindet wurde. Nach seinem \u201eGermania-Marsch\u201c 1861 war er so verschrien, dass er f\u00fcr 14 Jahre in die Schweiz ins Exil ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besetzung des dritten Werks war urspr\u00fcnglich f\u00fcr Horn und Streichquartett angelegt, aber auf Bitten des Verlegers ersetzte der Komponist die zweite Violine durch eine Klavierstimme, die in dieser Komposition entscheidende Aufgaben \u2013 sowohl melodisch als auch harmonisch und klanglich \u2013 \u00fcbernimmt. Die Musik gl\u00e4nzt durch Spielfreude und ausgepr\u00e4gte melodische und harmonische Attraktivit\u00e4t, was die seltene Besetzung noch unterstreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Grund, sich anhand dieser Ver\u00f6ffentlichung sehr viel intensiver und n\u00e4her mit der Musik eines immer noch fast g\u00e4nzlich Vergessenen zu besch\u00e4ftigen, ist, dass wenige Komponisten in ihrer Art Melodisches, Polyphones und Kontrapunktisches zu solch meisterlicher Klangsprache und Musik vereint haben wie Felix Draeseke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Ulrich Hermann, Juni 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Felix Draeseke (1835-1913): Quintett op. 77 f\u00fcr 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli; Szene op. 69 f\u00fcr Violine und Klavier; Quintett op. 48 f\u00fcr Violine, Viola, Violoncello, Horn und Klavier Solistenensemble Berlin (Matthias Wollong, Violine op.69 &amp; 77; Georg Pohle, Horn op. 48; Brigitta Wollenweber, Klavier op. 69 &amp; 48); Breuninger Quartett (Sebastian Breuninger, Violine &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/07\/13\/romantik-pur\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Romantik pur [Rezensionen im Vergleich]<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[2076,2074,428,819,2072,2075,221,2073],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1764"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1764"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1768,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1764\/revisions\/1768"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}