{"id":1808,"date":"2017-08-04T18:12:32","date_gmt":"2017-08-04T16:12:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1808"},"modified":"2017-08-04T18:12:40","modified_gmt":"2017-08-04T16:12:40","slug":"gehaltvoll-und-was-fuers-ohr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/04\/gehaltvoll-und-was-fuers-ohr\/","title":{"rendered":"Gehaltvoll und was f\u00fcrs Ohr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Arnold Rosner: Chamber Music<br \/>\nLabel: Toccata Classics; Vertrieb: Naxos; Kat.-Nr.: TOCC0408 \/ EAN: 506113444080<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1809\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1809\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"344\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der 2013 verstorbene amerikanische Komponist Arnold Rosner war mir bislang zwar nicht bekannt, aber diese CD vom britischen Label toccata classics hat dazu beigetragen, dass ich gro\u00dfe Lust darauf bekommen habe, diesen Zustand auch \u00fcber dieses Album hinaus zu \u00e4ndern. Haben wir es ja doch mit einem Komponisten zu tun, der offenbar ein gro\u00dfes \u0152uvre hinterlassen hat (allein auf diesem Album reicht die Spannweite der Opus-Nummern von Op. 18 (1963) bis Op. 121 (2006). Wo diese Musik herkommt, gibt es also wahrscheinlich noch mehr zu holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf Werkebene betrachtet haben wir es (wenn man dieses Album als alleinigen Ma\u00dfstab nimmt) mit einem scheinbar sehr formbewussten, konservativen Komponisten zu tun. Drei Sonaten (Je eine f\u00fcr Violine\/Klavier, Fagott\/Klavier und Cello\/Klavier) sind festzustellen, au\u00dferdem eine beinahe schon neo-barock anmutende Tanz-Suite mit vier St\u00fccken nach teils alten Satzbezeichnungen (z.B. \u201eSarabande\u201c) f\u00fcr Solo-Cello.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Spontan gef\u00e4llt mir die das Album er\u00f6ffnende Violinsonate am besten, bei der sich Rosner noch als ganz klar der typischen US-Moderne verpflichteter Komponist zeigt, dessen Tonfall etwas an Roy Harris oder William Schuman erinnert. In den drei sp\u00e4teren Werken ist Rosner idiomatisch wesentlich eigenst\u00e4ndiger. Vergleiche fallen durchaus schwer. Die Kompositionen sind durchweg tonal, stehen an der Schwelle von einer teils schwelgerisch-sp\u00e4tromantischen Melodik hin zu einem expressiveren Umgang mit der Tonalit\u00e4t unter Einbezug von gelegentlichen Dissonanzen und zum Teil unerwarteten harmonischen Wendungen. Rosner ist insbesondere in den sp\u00e4ten Werken auch ein sehr individueller Umgang mit dem Kontrapunkt anzumerken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mir gef\u00e4llt das alles au\u00dferordentlich gut. Das ist Musik, die gleich ab dem ersten Moment gef\u00e4llt, auch sofort von der Faktur her interessant klingt und sicherlich auch nach Jahren noch Aspekte offenbart, mit denen man sich als H\u00f6rer (und wom\u00f6glich auch als Interpret) lohnend besch\u00e4ftigen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Stichwort Interpreten: Hier haben wir leider eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig unausgegorene Truppe beisammen. Der bekannteste Name auf der Liste der K\u00fcnstler d\u00fcrfte Carson Cooman sein, der selbst als Komponist von zum Teil recht interessanter Orgelmusik re\u00fcssiert. Er erweist sich hier als tadelloser Pianist, dem offenbar viel an der dargebotenen Musik liegt. Er begleitet den ausgezeichneten Fagottisten David Richmond in der sehr geschmackvollen Fagott-Sonate. Die Violinsonate und die beinahe schon etwas exzessiv kontrapunktische Cello-Sonate bestreitet am Klavier hingegen Pianistin Margaret Kampmeier. Sie treibt ihre Duopartner manchmal ganz schon vor sich her, was nicht immer \u00fcberzeugt. Violinist Curtis Macomber gef\u00e4llt mir unter den Solisten leider am wenigsten, wobei es mir schwerf\u00e4llt dies zu begr\u00fcnden. Sein Spiel ist solide und technisch kaum zu kritisieren, aber es ist nicht souver\u00e4n, und auch Phrasierung ist nicht die St\u00e4rke Macombers. Vielleicht ist es aber auch nur mein subjektiver Geschmack, der sich gegen Macombers Ton str\u00e4ubt. Cellistin Maxine Neuman arbeitet sich auf diesem Album tapfer und absolut \u00fcberzeugend durch wirklich schwierige St\u00fccke. Dass dies f\u00fcr den H\u00f6rer keine Pflicht\u00fcbung sondern ein Genuss wird, liegt an ihrem empfundenen, musikalischen Vortrag. Spitze!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Aufnahmequalit\u00e4t des an zwei verschiedenen Standorten mitgeschnittenen Albums ist solide, wenn auch nicht wirklich \u201estate of the art\u201c. Es bleibt also zu hoffen, dass dieses Album vor allem einen Ansto\u00df f\u00fcr weitere Interpreten und Labels sein wird, dieses wirklich interessante Repertoire \u00f6fter aufzuf\u00fchren. Das ist doch erstaunlich gehaltvolle Musik, die auch ins Ohr geht. Hat man nicht so h\u00e4ufig!<\/p>\n<p><strong>[Grete Catus, August 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arnold Rosner: Chamber Music Label: Toccata Classics; Vertrieb: Naxos; Kat.-Nr.: TOCC0408 \/ EAN: 506113444080 Der 2013 verstorbene amerikanische Komponist Arnold Rosner war mir bislang zwar nicht bekannt, aber diese CD vom britischen Label toccata classics hat dazu beigetragen, dass ich gro\u00dfe Lust darauf bekommen habe, diesen Zustand auch \u00fcber dieses Album hinaus zu \u00e4ndern. Haben &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/04\/gehaltvoll-und-was-fuers-ohr\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Gehaltvoll und was f\u00fcrs Ohr<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[2094,200,277],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1808"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1808"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1811,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1808\/revisions\/1811"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}