{"id":1812,"date":"2017-08-07T14:54:37","date_gmt":"2017-08-07T12:54:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1812"},"modified":"2017-08-07T14:54:49","modified_gmt":"2017-08-07T12:54:49","slug":"die-oper-von-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/07\/die-oper-von-der-erde\/","title":{"rendered":"Die Oper von der Erde?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">GUSTAV MAHLER (1860-1911): Das Lied von der Erde (Fassung f\u00fcr Gesang und Klavier)<br \/>\nAlexandra von Roepke, Mezzosopran; Peter Furlong, Tenor; Christian K\u00e4lberer, Klavier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Thorofon CTH 2638; 4 003913 126382<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Ulrich0065.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1813\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1813\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Ulrich0065-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"358\" height=\"310\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Ulrich0065-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Ulrich0065-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Ulrich0065.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n\u201aDas Lied von der Erde\u2019 \u2013 heute allbekannt in der Orchesterfassung \u2013 wurde von Gustav Mahler selbst auch f\u00fcr Klavier bearbeitet. Allerdings kam es zur Urauff\u00fchrung dieser Fassung erst 1989 und es ist ausdr\u00fccklich kein \u201aKlavierauszug\u2019 jener Orchesterfassung, die heute l\u00e4ngst die Konzerts\u00e4le erobert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Frage, warum es diese \u201eabgemagerte\u201c Fassung gibt, was Mahler dazu bewegt haben k\u00f6nnte, m\u00f6chte ich mit einer Hypothese beantworten: So kommt das \u201aLied von der Erde\u2019 noch unverstellter zum Ausdruck als in der beliebten Orchestrierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und genau das ist der Ansatz meiner CD-Kritik, denn hier wird nicht das \u201aLied von der Erde\u2019 aufgef\u00fchrt, sondern eine \u201eOper von der Erde\u201c. Der Pianist Christian K\u00e4lberer realisiert diese Mahler\u2019sche Musik mit bewundernswerter Klarheit, mit Musikalit\u00e4t und Sp\u00fcrsinn f\u00fcr die typische Klanglichkeit in Mahlers Musik. (Auch seine Biographie im Booklet ist von seltener Zur\u00fcckhaltung, Selbst-Ironie gepr\u00e4gt, und gipfelt in dem Satz: \u201e\u2026wenn diese CD-Einspielung h\u00f6rbar dazu beitragen kann, ist eigentlich alles gesagt.\u201c Ecce homo!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was K\u00e4lberer betrifft, ist das auch voll und ganz erf\u00fcllt. Wie er aber als Erf\u00fcllungsgehilfen diese beiden S\u00e4ngern hinzuziehen konnte\u00a0 &#8211; er selbst ist f\u00fcr die Produktion verantwortlich \u2013, ist und bleibt mir schleierhaft. Solch ein Danebengehen einer Einspielung ist mir selten untergekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass man bei normal \u201everbildeten\u201c S\u00e4ngern und S\u00e4ngerinnen \u2013 vor allem, wenn sie aus dem Opernfach kommen \u2013 bei Liedern meist kein Wort versteht, ist man ja inzwischen gew\u00f6hnt, dass aber zwei S\u00e4nger aus dem Lied von der Erde eine \u201eOper von der Erde\u201c machen mit weite Strecken unkontrolliertem Vibrato, absoluter Text-Unverst\u00e4ndlichkeit und einem opernhaft oberfl\u00e4chlichen Pathos, das den Texten und auch der musikalischen Aussage total zuwider l\u00e4uft, das ist ein H\u00f6hepunkt der Unkultur. Dabei gibt es auch heute durchaus S\u00e4nger, die Stimme mit Textverst\u00e4ndlichkeit \u2013 also Musik mit Poesie \u2013 verschwistern k\u00f6nnen, als Beispiel f\u00fchre ich hier nur Herrn Gerhaher an. Und zitiere wieder einmal Hans Gal (1890-1987) aus seinem bis heute un\u00fcbertroffenen Buch \u00fcber Schubert: \u201e&#8230;und man hat das Recht, bei der Erw\u00e4gung einer solchen Frage an den vornehmsten Typ eines Interpreten, eines H\u00f6rers und an die vollkommenste Wortdeutlichkeit\u00a0 zu denken &#8211; , so wird f\u00fcr ihn eine Meistervertonung eines Gedichts von h\u00f6chster Vollendung ein Erlebnis sein wie kein anderes\u201c. (S. 86)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Schade, denn mit diesem h\u00f6chst musikalischen Gestalter am Klavier und zwei ad\u00e4quaten S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern k\u00f6nnte die Wiederentdeckung der Klavierfassung dem \u201eLied von der Erde\u201c von Gustav Mahler neue berechtigte Begeisterung bringen. So aber muss man von einem totalen Missverst\u00e4ndnis \u2013ausschlie\u00dflich bei den beiden Gesangs-Protagonisten \u2013 sprechen. (Was \u00fcbrigens bei den Biographien der beiden best\u00e4tigend hinzukommt: Name-Dropping pur.)<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann, Juni 2017 ]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GUSTAV MAHLER (1860-1911): Das Lied von der Erde (Fassung f\u00fcr Gesang und Klavier) Alexandra von Roepke, Mezzosopran; Peter Furlong, Tenor; Christian K\u00e4lberer, Klavier Thorofon CTH 2638; 4 003913 126382 \u201aDas Lied von der Erde\u2019 \u2013 heute allbekannt in der Orchesterfassung \u2013 wurde von Gustav Mahler selbst auch f\u00fcr Klavier bearbeitet. 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