{"id":1823,"date":"2017-08-12T20:10:30","date_gmt":"2017-08-12T18:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1823"},"modified":"2017-08-12T20:10:41","modified_gmt":"2017-08-12T18:10:41","slug":"lohnend-da-zwiespaeltig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/12\/lohnend-da-zwiespaeltig\/","title":{"rendered":"Lohnend, da zwiesp\u00e4ltig"},"content":{"rendered":"<p>Lyrita, EAN: 5 020926 112125<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Reik0006.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1824\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1824\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Reik0006-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Reik0006-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Reik0006-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Reik0006.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">William Wordsworth (1908-1988), britischer Komponist und hierzulande kaum bekannt.<br \/>\nEin Urteil anhand dieser Einspielungen: zurecht unbekannt?<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify\">\n<li>Ja.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Weil seine tonal-basierte Tonsprache sich unverkennbar an gro\u00dfen, slawischen Vorbildern orientiert. In reiferen Jahren sich immer mehr an Klangbildern zeitgen\u00f6ssischer Kollegen wie Witold Lutoslawski, Miloslav Kabelac anzulehnen scheint. Man mag das unter Gleichzeitigkeit verbuchen \u2013 dieses \u201eso nah\u201c-Sein. Sp\u00e4testens in der 1960 ver\u00f6ffentlichen Symphonie No. 5 a-moll erweist sich Schostakowitsch als un\u00fcberh\u00f6rbares Vorbild: instrumentatorisch und haupts\u00e4chlich atmosph\u00e4risch. Kl\u00e4nge frostiger Verlassenheit und Trauer. Einsame Holzbl\u00e4ser-Soli \u00fcber Streichergrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und dann spricht er im Finale in britischem Zungenschlag, als f\u00e4nde er vom Vorbild nach Hause zur\u00fcck. Die Musik ist von ernsthaftem Anliegen getrieben, stark im Ausdruck, voller plastischer Emotion. Transparent, auch im Massiven. Nahezu elegisch in ruhigen Augenblicken der Reflektion des eben Erklungenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was fehlt? Schwer, das in Worte zu fassen. Ein nach-vorne-gehen-Wollen, dass letztlich auf der Stelle tritt? Das Zwingende des Argumentes, das man vermisst? Der gro\u00dfe architektonische Bogen? So deutlich in den Scherzi beider eingespielten Sinfonien: scheinbar alles da \u2013 nur: das Scherzoide, auch das angestrebte Malizi\u00f6se stellt sich nicht ein. Alles halbgar sich abarbeitend am imagin\u00e4ren Ger\u00fcst eines Ideals. Im letzten Satz der 1944 erschienenen Symphonie webt Wordsworth die Hymne der Sowjetunion ein. Dieses \u201ePanzerschiff\u201c von Alexandrow, wie Stalin es einmal genannt haben soll. Samt Ann\u00e4herungen an das Lied der Wolgaschlepper: soviel Russland in Gro\u00dfbritannien war selten: Zeitgeist und Solidarit\u00e4t mit dem geschundenen Verb\u00fcndeten \u2013 aber auch, und dies zeigt die sp\u00e4tere, 1960 ver\u00f6ffentliche F\u00fcnfte: offenbar eine klangsinnliche Herzensverbundenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu den Interpreten: was soll man sagen? Historische Live-Aufnahmen der BBC, mitgeschnitten bei Konzerten mit allem Charme des Direkten und Ungeschliffenen. Anzunehmen, prima vista bzw. mit wenig Proben dargeboten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber Wordsworth mag man einiges anlasten \u2013 nicht: er mache es allen schwer.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify\" start=\"2\">\n<li>Nein!<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Weil die Musik Wordsworths Zust\u00e4nde der Einsamkeit zeichnet und heroische Gesten des Aufbegehres, die anr\u00fchren. Meisterlich (sic!) instrumentiert, kontrolliert und durchh\u00f6rbar ausbalanciert. Da mag auch mal die Solovioline \u00fcber Geb\u00fchr entschweben und an der Kitschgrenze kratzen \u2013 geschenkt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">Fazit: Lohnend! Weil zwiesp\u00e4ltig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u00a0[Stefan Reik, August 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lyrita, EAN: 5 020926 112125 William Wordsworth (1908-1988), britischer Komponist und hierzulande kaum bekannt. Ein Urteil anhand dieser Einspielungen: zurecht unbekannt? Ja. Weil seine tonal-basierte Tonsprache sich unverkennbar an gro\u00dfen, slawischen Vorbildern orientiert. In reiferen Jahren sich immer mehr an Klangbildern zeitgen\u00f6ssischer Kollegen wie Witold Lutoslawski, Miloslav Kabelac anzulehnen scheint. 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