{"id":1831,"date":"2017-08-16T23:41:59","date_gmt":"2017-08-16T21:41:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1831"},"modified":"2017-08-17T07:45:43","modified_gmt":"2017-08-17T05:45:43","slug":"swingende-klarinette","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/16\/swingende-klarinette\/","title":{"rendered":"S(w)ingende Klarinette"},"content":{"rendered":"<p>cpo 555 154-2; EAN: 7 61203 51542 4<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0104.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1832\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1832\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0104-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"352\" height=\"305\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0104-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0104-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0104.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 352px) 100vw, 352px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Drei zeitgen\u00f6ssische Klarinettenkonzerte auf im Grenzbereich zwischen Jazz und Klassik sind auf &#8222;Symphonic Jazz with Andy Miles&#8220; zu h\u00f6ren. Die Musik stammt von Jorge Calandrelli, Daniel Freiberg und Jeff Beal, es spielt das WDR Funkhausorchester K\u00f6ln, bei den ersten beiden Kompositionen geleitet von Wayne Marshall und bei der dritten von Rasmus Baumann.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Jazz \u00fcbte gleich nach seinem Aufkommen eine besondere Faszination auf klassische Komponisten aus &#8211; und umgekehrt. Der Komponist \u00fcbte sich in den swingenden Rhythmen und k\u00fchnen Harmonien, der Jazzer in der Konstruktion klassischer Formen. So entstand, es kann nicht verwundern, eine un\u00fcberschaubare Vielzahl an Werken zwischen den Genres, nicht selten unter Einbezug lateinamerikanischer Musik, die dem Jazz in mancherlei Hinsicht nahe steht. Milhaud, Gershwin, Antheil, Strawinsky, Schulhoff, Tansman, Zimmermann, Liebermann, Mingus, Honegger, Bernstein, Copland, Ravel, Ellington, Nussa bis hin zu Keith Jarrett, Terje Rypdal, Chick Corea, Michael Daugherty und den ClazzBrothers: die Liste l\u00e4sst sich sowohl von der Klassik- als auch von der Jazzseite aus beinahe beliebig erweitern. Die stilistische Bandbreite hierbei ist enorm, es entstanden ganz neue Kombinationen und individuelle Stilmischungen, man denke alleine an die avantgardistisch, beinahe ironisch anmutende Erstfassung von Antheils &#8222;A Jazz Symphony&#8220;, die Gershwin und Milhaud gnadenlos auf die Schippe nimmt, oder an Ern\u00e1n-L\u00f3pez Nussas stilvolle kubanische Bearbeitungen klassischer Werke. \u00c4hnliche Umarbeitungen gingen j\u00fcngst online viral durch den Pianisten Joachim Horsley.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei zeitgen\u00f6ssische Werke aus dieser \u201aGrauzone\u2019 zwischen Klassik und Jazz befinden sich auf vorliegender Platte, jeweils in Form eines Klarinettenkonzerts. Jorge Calandrelli (geb. 1939) und Daniel Freiberg (geb. 1957) geben jeweils explizit einen Jazzklarinettisten als Solisten an, Jeff Beal (geb. 1963) verlangt keine spezifische Klarinette. Calandrelli pr\u00e4sentiert ein weites Spektrum der Interferenz zwischen den Genres, wobei er eine Vielzahl mitrei\u00dfender Momente heraufbeschw\u00f6rt, die Gesamtform dadurch allerdings eher ins Episodische zerfasert. \u2019Latin American Chronicles\u2019 hei\u00dft das Konzert von Freiberg, das nicht nur durch groovende lateinamerikanische Rhythmen besticht, sondern auch durch eine geschickte Integration der harmonischen und melodischen Klangwelten Lateinamerikas in die symphonische Form. Formal am interessantesten gestaltet sich das Konzert von Beal, dessen erster Satz spezifsch dadurch f\u00fcr sich einnimmt, dass er Jazzelemente sauber in das klassische Formmodell einarbeitet und eine geradezu spielerische Leichtigkeit der Formbew\u00e4ltigung pr\u00e4sentiert. Der dritte Satz ist eigentlich nur der zweite Teil des zweiten Satzes und er l\u00e4sst verdutzen: Haben die ersten zwei S\u00e4tze (\u2019Riches to Rags\u2019 und \u2019Famines to Feasts, part one\u2019) symphonische L\u00e4ngen, so bricht das Finale (\u2019Famines to Feasts, part two\u2019) nach lediglich anderthalb Minuten ab und l\u00e4sst den H\u00f6rer fassungslos zur\u00fcck &#8211; welch ein schelmischer Zug, der bei genauer Betrachtung sogar noch musikalischen Sinn ergibt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Beals Konzert in seiner formalen Qualit\u00e4t so hervorsticht, kann zu einem gewissen Teil aber auch den Musikern zu verdanken sein: Rasmus Baumann &#8211; welcher nur dieses Konzert dirigiert &#8211; erfasst die Musik wesentlich organischer und mehrdimensionaler als Wayne Marshall, dessen Dirigat flach und kontrastlos erscheint, es gibt bei ihm kaum sinnerf\u00fcllte Gestaltung der Phrasen und allgemein der gesamtmusikalischen Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Solist gl\u00e4nzt Andy Miles mit atemberaubender Souver\u00e4nit\u00e4t und feinem Gesp\u00fcr f\u00fcr jeden einzelnen Moment. Die technische Spitzenleistung l\u00e4sst er dabei durch seinen spielerischen Frohsinn, durch pure Freude an der Musik vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, August 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>cpo 555 154-2; EAN: 7 61203 51542 4 Drei zeitgen\u00f6ssische Klarinettenkonzerte auf im Grenzbereich zwischen Jazz und Klassik sind auf &#8222;Symphonic Jazz with Andy Miles&#8220; zu h\u00f6ren. 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