{"id":1842,"date":"2017-08-22T20:43:11","date_gmt":"2017-08-22T18:43:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1842"},"modified":"2017-08-22T20:43:11","modified_gmt":"2017-08-22T18:43:11","slug":"letzte-lieder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/22\/letzte-lieder\/","title":{"rendered":"Letzte Lieder"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Capriccio, C5292; EAN: 8 45221 05292 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0106.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1843\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1843\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0106-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"322\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0106-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0106-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0106.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Den &#8222;Schwanengesang&#8220; D. 957 Franz Schuberts singt Bo Skovhus f\u00fcr Capriccio, sein Klavierpartner ist Stefan Vladar.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das letzte Werk eines K\u00fcnstlers wird traditionell als Schwanengesang tituliert, und wo passt dieser Ausdruck sch\u00f6ner als bei Schubert, dessen letztes Verm\u00e4chtnis aus einer Reihe von Liedern besteht, die vermutlich zumindest teilweise zyklischen Zusammenhalt aufweist. Sieben Lieder nach Ludwig Rellstab und sechs nach Heinrich Heine finden sich im gleichen Autograph, ein letztes Lied von Johann Gabriel Seidl (<em>Die Taubenpost<\/em>), welches oft mit einbezogen wird, ist mit Sicherheit nicht f\u00fcr den Zyklus gedacht gewesen. Die heute \u00fcbliche Zusammenstellung geht auf Tobias Haslinger, den Verleger Schuberts, zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bo Skovhus und Stefan Vladar f\u00fcgen ihrer Aufnahme des Schwanengesang eigenm\u00e4chtig weitere Lieder hinzu: <em>Sehnsucht<\/em>, <em>Am Fenster<\/em> und <em>Wiegenlied<\/em> aus dem Opus 105, <em>Bei Dir allein<\/em> aus dem Opus 95 nach Seidl sowie <em>Herbst<\/em> D 945 nach Rellstab. In ihrer Anordnung kommen zun\u00e4chst die Seidl-Lieder, es folgen die Heine-Lieder und Rellstab setzt den Schlussstrich passend mit <em>Abschied<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der lang w\u00e4hrenden Zusammenarbeit zwischen Bo Skovhus und Stefan Vladar sind damit CD-Aufnahmen der drei gro\u00dfen Liederzyklen Schuberts hervorgegangen, neben der Sch\u00f6nen M\u00fcllerin und der Winterreise nunmehr auch der hier vorliegende Schwanengesang. Es gibt hinrei\u00dfende wie inspirierte Momente im Gesang Bo Skovhus\u2019, der durch deutliche Textverst\u00e4ndlichkeit besticht. Gut gelingen ihm gerade die tr\u00fcben, verhaltenen Passagen, denen er stimmlich etwas geradezu Belegtes und Unheimliches verleihen kann. Hingegen verfallen die aufbegehrenden Passagen und H\u00f6hepunkte in einen flachen Opern-Gestus, der wenig zu den intimen Liedern Schuberts passen mag. Standardisiertes Vibrato und selbstdarstellerisches Dr\u00f6hnen kompensiert den Eindruck der intim monologisierenden Welt, in die der S\u00e4nger uns zuvor zuvor mitgenommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Liedbegleiter erweist sich Stefan Vladar als aufmerksamer Zuh\u00f6rer und kann auf seinen Partner ad\u00e4quat eingehen. Dies \u00fcberrascht positiv, gerade in Bezug auf seine letzten Aufnahmen als Konzert-Solist, in welchen nur rudiment\u00e4re Verbindung zu seinen Orchestermitstreitern erkennbar war. Vertr\u00e4umte Lieder wie das <em>Wiegenlied<\/em> D 867 erhalten so eine sanft ersp\u00fcrte Ruhe und stimmige Phrasierung. Je mehr sich die Stimmung allerdings aus der Intimit\u00e4t entfernt, desto eingeebneter, ruppig geschlagener und konturschw\u00e4cher wird allerdings Vladars Spiel. Und doch ist erw\u00e4hnenswert, wie sich sein Spiel insgesamt gewandelt hat, wie sein Ausdruck an der Seite eines S\u00e4ngers selbst s\u00e4ngerischer wurde, und wie sich der Schwerpunkt von leerer Pianistik in Richtung sensibler Musikalit\u00e4t verlagert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, August 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Capriccio, C5292; EAN: 8 45221 05292 2 Den &#8222;Schwanengesang&#8220; D. 957 Franz Schuberts singt Bo Skovhus f\u00fcr Capriccio, sein Klavierpartner ist Stefan Vladar. 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