{"id":1848,"date":"2017-08-24T12:21:14","date_gmt":"2017-08-24T10:21:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1848"},"modified":"2017-08-24T12:26:11","modified_gmt":"2017-08-24T10:26:11","slug":"leicht-bis-abgruendig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/24\/leicht-bis-abgruendig\/","title":{"rendered":"Leicht bis abgr\u00fcndig"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DUX 1286; EAN: 5 902547 012865<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0107.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1849\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1849\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0107-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"333\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0107-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0107-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/0107.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die drei erhaltenen Streichquartette des polnischen Komponisten Szymon Laks sind auf der neuesten CD des Messages Quartet f\u00fcr DUX zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Musik von Szymon Laks (1901-1983) erfreut sich immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit, wie eine ansehnliche Auswahl aktueller CD-Einspielungen f\u00fcr unterschiedliche Labels beweist. Dies war vor wenigen Jahren noch vollkommen anders, bis der in Berlin lebende Musikforscher Frank Harders-Wuthenow beinahe im Alleingang unter Beihilfe von Laks&#8216; Sohn Andr\u00e9 den vergessenen Meister entdeckte und sich daf\u00fcr einsetzte. Harders-Wuthenow ist auch die treibende Kraft hinter der bahnbrechenden CD-Reihe &#8222;poland abroad&#8220; (bei EDA), und er gab (gemeinsam mit Elisabeth Hufnagel) <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/16\/der-klingende-schutzschild\/\" target=\"_blank\">Laks&#8216; Autobiographie \u00fcber seine Jahre in Auschwitz<\/a> heraus, welche der genaueste und in gewisser Weise auch neutralste mir bekannte Bericht \u00fcber das Musikleben in den NS-Konzentrationslagern ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4u\u00dferst w\u00fcnschenswert w\u00e4re, dass der Boom, der derzeit um diesen polnischen Komponisten herrscht, anh\u00e4lt und noch mehr Werke umfassen m\u00f6ge. Die drei Quartette wurden im vergangenen Jahr gleich zwei Mal in G\u00e4nze aufgenommen, zudem erschien erst k\u00fcrzlich bei Chandos (Chan 10983) das Vierte Quartet mit dem ARC Ensemble. Auf den ersten Blick verwundert, dass die Quartette mit den Nummern drei bis f\u00fcnf versehen sind &#8211; doch liegt des R\u00e4tsels L\u00f6sung darin, dass das Dritte Quartett 1945 geschrieben worden ist: Die ersten beiden Streichquartette entstanden vor Laks&#8216; Zeit in Auschwitz \u2013 sein Sohn vermutet in seinem Vorwort zur CD, sie seien aus den Jahren 1928 und 1932 \u2013 und sind verschollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Dritte Quartett &#8222;schockiert&#8220; auf mehreren Ebenen: vor allem dadurch, dass es nicht schockiert. F\u00fcr ein 1945 von einem KZ-\u00dcberlebenden komponiertes Werk enth\u00e4lt es erstaunlich viele Lichtblicke, spiegelt zu keiner Zeit die Schrecken der vergangenen Jahre wieder und ebenso wenig die Freude, \u00fcberlebt zu haben. Es wirkt gar distanziert von allem, was das \u00e4u\u00dfere Leben des Komponisten angeht: L&#8217;art pour l&#8217;art in franz\u00f6sischem Verst\u00e4ndnis. Auch klingt es nicht wie ein Werk der Mitte des 20. Jahrhunderts, scheint fast eher dem 19. Jahrhundert zu entstammen mit seinem Folklorismus &#8211; wenngleich sehr individuell integriert &#8211; und seiner tonalen Schl\u00fcssigkeit. \u00dcberwiegend leicht beschwingt klingt das Vierte Quartett, das 1965, drei Jahre nach seiner Fertigstellung, den Queen Elisabeth-Wettbewerb gewann. Laks macht ausgiebigeren Gebrauch von Tonerzeugungstechniken des 20. Jahrhunderts und im Mittelsatz von dissonant dichten Akkordstrukturen, und doch w\u00fcrde man eine wesentlich fr\u00fchere Entstehungszeit vermuten. Die Musik ist keineswegs &#8222;veraltet&#8220;, sie ist in einem sehr individuellen und ausgefallenem Stil geschrieben, der nicht zu seinen Zeitgenossen passen mag. Ein Jahr sp\u00e4ter beendete Laks sein F\u00fcnftes Quartett, das sein letztes bleiben sollte, unvergleichlich komplexer und dichter als seine Vorg\u00e4nger, d\u00fcsterer und bedrohlicher in der Aussage, besonders den russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts nahestehend, allen voran Schostakowitsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Messages Quartet spielt die drei Werke beherzt und offen, gerade heraus nach vorne gerichtet. Dies mag deren lumin\u00f6ser Klarheit entgegenkommen, geht jedoch auf Kosten der vagierenden und doppelb\u00f6dig brodelnden Passagen. Die N\u00fcchternheit der Darbietung bewahrt das Dritte Quartett davor, tats\u00e4chlich romantisch zu wirken. Die Stimmen sind gleichwertig und ineinandergreifend verwirklicht, wobei der Fokus auf das im jeweiligen Moment musikalisch zentral Geschehende oft vernachl\u00e4ssigt wird, was zur Folge hat, dass immer wieder melodische und harmonische Nuancen unh\u00f6rbar bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, August 2017] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DUX 1286; EAN: 5 902547 012865 Die drei erhaltenen Streichquartette des polnischen Komponisten Szymon Laks sind auf der neuesten CD des Messages Quartet f\u00fcr DUX zu h\u00f6ren. Die Musik von Szymon Laks (1901-1983) erfreut sich immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit, wie eine ansehnliche Auswahl aktueller CD-Einspielungen f\u00fcr unterschiedliche Labels beweist. 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