{"id":1853,"date":"2017-08-26T19:46:10","date_gmt":"2017-08-26T17:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1853"},"modified":"2017-08-26T19:46:25","modified_gmt":"2017-08-26T17:46:25","slug":"rubbra-spielt-rubbra","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/26\/rubbra-spielt-rubbra\/","title":{"rendered":"Rubbra spielt Rubbra"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Label: Lyrita; Vertrieb: Naxos; EAN: 5020926113429 \/ Art.-Nr.: REAM1134<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0029.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1854\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1854\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0029-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"322\" height=\"279\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0029-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0029-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0029.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Edmund Rubbra ist einer jener britischen Komponisten, die so gar nicht in das Klischee vom pastoralen Sp\u00e4tromantiker passen wollen, das man den britischen Musikgr\u00f6\u00dfen der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts (Britten ausgenommen) stets gern und stets unreflektiert ans Revers heftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Rubbra ist ein Komponist, der weder im Fahrwasser Elgars Gro\u00dfbritanniens Glanz und Gloria verbreiten wollte, noch im Umkreis der Volksliedsammler unterwegs war, noch im Umfeld der Neuerer um Britten oder Tippett zu suchen ist. Rubbra ist im Wesentlichen Rubbra. Und das hat es ihm schon zu Lebzeiten nicht unbedingt leicht gemacht. Seine zuweilen schrullige, mit Versatzst\u00fccken aus fern\u00f6stlicher Musik ebenso wie mit einem chromatischen Blick zur\u00fcck \u00fcber die Schulter der Musikgeschichte angereicherte Musik lebt von einem der au\u00dfergew\u00f6hnlichsten Personalstile in der Musik des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein ganz eigener Querkopf schreitet auch in der \u201eSinfonie Concertante\u201c Op. 38 selbstbewusst und etwas rumpelig durch das Orchester. Es ist der Komponist selbst, der hier als Solist am Klavier seine eigene Komposition mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Leitung Hugo Rignolds vortr\u00e4gt. Es ist, man ahnt es, ein St\u00fcck mit vielen Gesichtern: Antik wirkende Satzbezeichnungen wie \u201eFantasia\u201c und \u201eSaltarella\u201c beinhalten Musik, die wirkt, als h\u00e4tte sich der kompositorischer Geist Rubbras in einem einzigen Rausch \u00fcber das Notenpapier ergossen: Sich stetig abwechselnde Ideen, Versatzst\u00fccke fast, kaum etwas wird motivisch fortgef\u00fchrt, entwickelt, vieles wirkt wie akustisch in den Raum gestellt, sehr plakativ. W\u00fcsste man nicht, dass diese Musik von einem Engl\u00e4nder geschrieben wurde, h\u00e4tte man sie auch problemlos als Musik eines indischen Kolonialkomponisten akzeptiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die \u201eSinfonia Concertante\u201c ist eine alte Gattung, war sehr beliebt bei den Komponisten der Mannheimer Schule und Frankreichs des 18. Jahrhunderts, Mozart griff die Gattung auf, bis sie im 20. Jahrhundert \u2013 kurios genug \u2013 ausgerechnet in Gro\u00dfbritannien viele Anh\u00e4nger fand, darunter neben William Walton, der vielleicht das bekannteste moderne Beispiel f\u00fcr die Gattung lieferte, eben auch Edmund Rubbra. Er verstand die Gattung weniger als Konzert (wie es viele seiner Kollegen ziemlich unverhohlen taten), sondern st\u00e4rker im Sinfonie-Sinne, bei der das solistische Klavier gleichzeitig auch Ensemblefunktionen innehat. Sehr originell, sehr eigen, sehr ungew\u00f6hnlich\u2026 Rubbra eben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es folgen die \u201ePrelude and Fugue on a theme of Cyril Scott\u201c Op. 69 sowie eine Eigenkomposition Cyril Scotts, die Edward Rubbra als Pianist solo vortr\u00e4gt. Cyril Scott war Rubbras gro\u00dfes Idol und sein Privatlehrer, nachdem der 17-j\u00e4hrige Rubbra ein Konzert mit Musik Scotts organisiert hatte und dadurch dem Meister positiv aufgefallen war. Bemerkenswert ist, wie viel Seele, welche Innigkeit Rubbra als Interpret in seinen Scott-Vortrag legt. Er wirkt hier als Pianist wie ausgewechselt. Keine Spur mehr vom rumpelig-hemds\u00e4rmeligen Stil, den Rubbra bei der Interpretation seiner eigenen Kompositionen pflegt. Hier ist pl\u00f6tzlich ein Pianist, der um Kantabilit\u00e4t, feinste dynamische Abstufungen, Empfindungstiefe bem\u00fcht ist. Das Cyril Scott-St\u00fcck \u201eConsolation\u201c ist freilich auch ein sehr dankbares Objekt, um diese Vortrags-Charakteristika ausgiebig zu demonstrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem wir bis hierhin Rubbra selbst als Interpreten h\u00f6ren konnten, begegnet uns im Violinkonzert Solist Endr\u00e9 Wolf mit dem BBC Symphony Orchestra, dirigiert von Rudolf Schwarz. Die Einspielung von 1960 ist die \u00e4lteste und klanglich problematischste in diesem Set aus BBC-Mitschnitten, die nur dank der privaten Rundfunkaufnahmen des Lyrita-Gr\u00fcnders Richard Itter \u00fcberlebt haben. Die beiden anderen, die klanglich durchaus zu gefallen wissen, datieren auf 1967. Es f\u00e4llt schwer, das St\u00fcck zu beurteilen angesichts eines Aufnahmeklangs, bei dem Teile des Orchesters wie verschluckt zu sein scheinen, w\u00e4hrend die Solostimme im Mono-Mix alles andere \u00fcberdeckt. Doch eines ist klar: Die Interpretation ist hier alles andere als ideal. Endr\u00e9 Wolf besitzt vor allem in den anspruchsvollen Doppelgriffen und Modulationen keine sichere Intonation. Es ist schwierig, sich das mit Genuss anzuh\u00f6ren. Solostimme und Orchester wirken nicht nur klanglich sondern auch interpretatorisch wie zwei getrennte Einheiten. Das macht einfach keinen Spa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F\u00fcr Rubbra-Fans d\u00fcrfte sowieso die andere H\u00e4lfte des Albums interessanter sein, wo der Komponist als Interpret eigener Werke und Werke seines Mentors Cyril Scott in Erscheinung tritt. Und dieser Teil des Albums darf auch in der Tat musikhistorische Bedeutung f\u00fcr sich verbuchen und ist f\u00fcr damalige BBC-Verh\u00e4ltnisse mit sehr gutem Klangbild produziert. Soweit also eine Empfehlung f\u00fcr Fans britischer Musik abseits ausgetretener Pfade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, August 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Label: Lyrita; Vertrieb: Naxos; EAN: 5020926113429 \/ Art.-Nr.: REAM1134 Edmund Rubbra ist einer jener britischen Komponisten, die so gar nicht in das Klischee vom pastoralen Sp\u00e4tromantiker passen wollen, das man den britischen Musikgr\u00f6\u00dfen der ersten H\u00e4lfte des 20. 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