{"id":1857,"date":"2017-08-28T19:47:25","date_gmt":"2017-08-28T17:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1857"},"modified":"2017-08-28T19:47:32","modified_gmt":"2017-08-28T17:47:32","slug":"alte-bekannte-piano-concertos-of-the-20s","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/28\/alte-bekannte-piano-concertos-of-the-20s\/","title":{"rendered":"Alte Bekannte &#8211; Piano Concertos of the 20s"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Label: H\u00e4nssler Classic \/ Vertrieb: H\u00e4nssler &#8211; Art.-Nr.: HC16065 \/ EAN: 881488160659<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Michael Rische (Klavier); WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln, Bamberger Symphoniker, Radio-Sinfonieorchester Berlin; Dirigenten: Gunter Schuller (Schulhoff), Steven Sloane (Honegger, Copland), Israel Yinon (Ravel), Christoph Poppen (Antheil), Wayne Marshall (Antheil, Gershwin)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0030.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1858\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1858\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0030-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"296\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0030-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0030-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0030.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Einspielungen des ausgezeichneten Pianisten Michael Rische sind bereits in den 2000er-Jahren zum ersten Mal erschienen, damals beim recht kurzlebigen Low Budget-Label Arte Nova der BMG. Nun sind wahrscheinlich die Rechte an den Aufnahmen wieder frei geworden, und Rische hat die Einspielungen nun bei seinem heutigen Label H\u00e4nssler Classic unterbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Einspielungen sind heute so vorz\u00fcglich wie ehedem und bieten \u00fcberwiegend seltenes Repertoire in sehr geschmackvollen Darbietungen. W\u00e4hrend bei Arte Nova zwei Einzel-CDs im Angebot waren, ergeben beide Alben in der H\u00e4nssler-Ausgabe sinnvollerweise nun eine auch preislich attraktive Doppel-CD. Das Motto der Erstausgabe \u201ePiano Concertos of the 20s\u201c ist gleichgeblieben und bereitet heute ebenso viel H\u00f6rvergn\u00fcgen wie vor etwa 15 Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es sind aber auch tolle St\u00fccke, die es in diese Auswahl geschafft haben! Da w\u00e4re mit Erwin Schulhoffs \u201eKonzert f\u00fcr Klavier und kleines Orchester\u201c aus dem Jahr 1923 zum Beispiel eine Art deutsche Alternative zu Dmitri Schostakowitsch. Der geniale Komponist Erwin Schulhoff, der 1942 auf tragische Weise in einem tschechischen Lager f\u00fcr politische Gefangene umkam, war zun\u00e4chst einer der wenigen Vertreter eines musikalischen Dadaismus, wandelte sp\u00e4ter seinen Stil aber zu einer sehr gelungenen Mischung aus Expressionismus und Ankl\u00e4ngen an die Sp\u00e4tromantik des Fin de Si\u00e8cle. Sein Klavierkonzert zeigt Schulhoff als einen ungeahnt melodiebetonten Komponisten, der hier ein St\u00fcck schrieb, das reichlich Brillier-Potenzial f\u00fcr den Solisten bereith\u00e4lt und des \u00d6fteren an Ravels Klavierkonzerte erinnert, zumal dieser mit Schulhoff auch seinen \u201ejazzigen\u201c Einschlag gemeinsam hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch Aaron Coplands Klavierkonzert von 1926 hat den Jazz inhaliert und gilt als eines der bedeutenden, wenn auch nicht gerade typischen Werke dieses bekannten US-Komponisten. Coplands typischer \u201eCowboy- Sound\u201c trifft in diesem Konzert auf die vielleicht im engeren Sinne modernste Musik, die dieser Komponist bis zu jenem Zeitpunkt vom Stapel gelassen hatte. Das Konzert ist als solches vordergr\u00fcndig nicht das, was man als \u201egro\u00dfer Wurf\u201c bezeichnen w\u00fcrde: Den Klavier-Solopart kann man kaum als sonderlich dankbar bezeichnen. Er ist schwierig in der Ausf\u00fchrung, kann hingegen kaum mit Passagen gl\u00e4nzen, die dem Publikum im Ged\u00e4chtnis bleiben w\u00fcrden und wird \u00fcberdies sogar h\u00e4ufig von dem vermeintlich viel interessanteren Geschehen im Orchester \u00fcberfl\u00fcgelt. Bei n\u00e4herer Betrachtung zeigt sich hier aber eine bemerkenswert vision\u00e4re Komponente: Man k\u00f6nnte fast der Ansicht sein, dass Copland in dem beinahe unauff\u00e4lligen Klavierpart vielleicht doch manches von dem vorweggenommen hat, was wir sp\u00e4ter von Komponisten wie Morton Feldman und Philip Glass zu h\u00f6ren bekamen. Und ein wenig Satie-Anarcho-Feeling kommt in diesem Konzert auch auf. An sich ein herrlich schr\u00e4ges St\u00fcck!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Arthur Honeggers lediglich etwa elf Minuten kurzes \u201eConcertino\u201c von 1924 ist ebenfalls ein ganz ungew\u00f6hnliches St\u00fcck. Mit dem f\u00fcr die damalige Phase Honeggers typischen Neoklassizismus entfaltet sich ein f\u00fcr die Group des Six ganz typisches St\u00fcck voller an Sarkasmus grenzender Heiterkeit. Es geh\u00f6rt sicherlich nicht zu den Meilensteinen des Honegger\u2019schen Schaffens, das gewichtigere Meisterwerke kennt. Aber es ist doch ein auff\u00e4lliges, reizendes St\u00fcck, in das der schweizerische Maestro sogar eine klassische Dreiteilung \u201eschnell \u2013 langsam \u2013 schnell\u201c einzubauen vermochte. Originell!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit dem ber\u00fchmten Klavierkonzert in G von Maurice Ravel wird das Doppelalbum seinem Titel ausnahmsweise untreu, denn das St\u00fcck stammt bereits aus dem Jahr 1930. Es existieren zahllose Referenzeinspielungen dieses Werks und im Spiegel derselben schl\u00e4gt sich die vorliegende Einspielung sehr gut, wobei insbesondere im langsamen zweiten Satz deutlich wird, was f\u00fcr ein geschmackvoller, stilsicherer Pianist Michael Rische ist, der hier \u00fcberzeugend daf\u00fcr eintritt, dass wir es eben nicht mit einem Schmachtfetzen zu tun haben, wie es viele (gerade besonders namhafte) Pianisten gelegentlich missverstehen. Damit endet CD1 des Doppelpacks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">CD 2 widmet sich etwa je zur H\u00e4lfte George Antheil und George Gershwin. Die beiden Georges k\u00f6nnten abgesehen vom Vornamen unterschiedlicher kaum sein: W\u00e4hrend Antheil Spa\u00df an der Provokation und an der radikalen Moderne hatte, das Publikum immer wieder vor den Kopf stie\u00df und (nach meiner Empfindung ganz unerkl\u00e4rlich) als \u201eamerikanischer Schostakowitsch\u201c in viele Musiklexika einzog, ist Gershwin zwar vielleicht mehr als alle anderen Komponisten dieser Sammlung ein von Jazz geleiteter Komponist gewesen, doch lag ihm die Provokation fern. Er war vielmehr auf gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Breitenwirksamkeit seiner Musik bedacht und hat viele St\u00fccke geschrieben, die wir heute sehr zu Recht als \u201eStandards\u201c empfinden. Dazu z\u00e4hlt nat\u00fcrlich auch das \u201eConcerto in F\u201c von 1925.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bevor es dazu aber kommt, tauchen wir mit dem Ersten Klavierkonzert und der zu Antheils Lebzeiten sehr umstrittenen \u201eJazz Symphony\u201c in den bis heute au\u00dfergew\u00f6hnlich anmutenden Klangkosmos George Antheils ein. Die Bamberger Symphoniker hatten hierbei allerdings nicht ihren besten Tag und standen zum damaligen Zeitpunkt ihren Kollegen vom WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln, das CD1 dieses Sets eingespielt hatte, doch in Pr\u00e4zision aber auch in schierer Klang\u00e4sthetik um einiges nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der schr\u00e4gen \u201eJazz Symphony\u201c \u00fcbernimmt dann das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Wayne Marshall und kann gleich mit mehr Dynamik und Verve punkten, wenngleich in einer unvorteilhaft halligen Aufnahme, die Antheils frecher Musik einiges an Sch\u00e4rfe und Chaos-Potenzial nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei dem Gershwin-Konzertboliden passt diese Klanglichkeit aber wiederum sehr gut und erinnert an manche RCA Living Stereo-Aufnahmen aus der Fr\u00fchzeit der Stereo-Technik. Auch da mochte man zu diesem Repertoire so eine gro\u00dfe \u201elarger than life\u201c-B\u00fchne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Fazit: Die eingespielten St\u00fccke sind ohne Ausnahme interessant, der Solist der Aufnahme ist ausgezeichnet, die beteiligten Orchester, Dirigenten und Tonmeister zeigen eine gewisse Schwankungsbreite innerhalb grunds\u00e4tzlich \u00fcberzeugender Grenzen. CD1 macht allerdings wesentlich mehr Spa\u00df als CD2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gut, dass diese lange vergriffenen Aufnahmen wieder erh\u00e4ltlich sind, wenn auch mit einem denkbar missratenen Cover-Artwork.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, August 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Label: H\u00e4nssler Classic \/ Vertrieb: H\u00e4nssler &#8211; Art.-Nr.: HC16065 \/ EAN: 881488160659 Michael Rische (Klavier); WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln, Bamberger Symphoniker, Radio-Sinfonieorchester Berlin; Dirigenten: Gunter Schuller (Schulhoff), Steven Sloane (Honegger, Copland), Israel Yinon (Ravel), Christoph Poppen (Antheil), Wayne Marshall (Antheil, Gershwin) Diese Einspielungen des ausgezeichneten Pianisten Michael Rische sind bereits in den 2000er-Jahren zum ersten Mal &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/28\/alte-bekannte-piano-concertos-of-the-20s\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Alte Bekannte &#8211; Piano Concertos of the 20s<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[1369,708,2126,652,2128,2123,2125,2127,2110,2124],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1857"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1857"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1860,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1857\/revisions\/1860"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}