{"id":1886,"date":"2017-09-11T15:41:31","date_gmt":"2017-09-11T13:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1886"},"modified":"2017-09-11T15:41:38","modified_gmt":"2017-09-11T13:41:38","slug":"zwischen-zwei-welten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/09\/11\/zwischen-zwei-welten\/","title":{"rendered":"Zwischen zwei Welten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Der russische Pianist\u00a0 ANDREJ HOTEEV &#8211; Zwischen zwei Welten<br \/>\nHerausgegeben von Gabriele Helbig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Ulrich0066.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1887\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1887\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Ulrich0066-200x300.jpg\" alt=\"Ulrich0066\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Ulrich0066-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Ulrich0066.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Staccato Verlag ISBN 978-3-932976-70-4<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nie vorher geh\u00f6rt, den Namen Hoteev, aber entsprechend neugierig machte ich mich an die Lekt\u00fcre dieses Buches. Dass Hoteev die Original-Fassungen der drei Klavierkonzerte von Pjotr Ilitsch Tschaikowsky entdeckt hat und als erster auch einspielte, war die erste spannende Information, denn eigentlich glaubt doch jeder, dass die Fassungen, die man \u2013 vor allem vom 1. und 2. Konzert \u2013 kennt, dass diese die \u201erichtigen\u201c, die originalen sind, aber weit gefehlt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also wollte ich doch mehr wissen \u00fcber einen russischen Pianisten, der seit 1993 in Hamburg zu Hause ist, dessen Werdegang eben in diesem sehr detailreichen und spannenden, gut zu lesenden Buch nunmehr dankenswerterweise in deutscher \u00dcbersetzung dargestellt wird: vor allem durch ihn selber, anscheinend angeregt durch die Herausgeberin\u00a0 Gabriele Helbig, der an dieser Stelle schon einmal ein Lob geb\u00fchrt. Denn was der Leser nicht nur \u00fcber den Pianisten Hoteev erf\u00e4hrt, sondern vor allem \u00fcber die russische Mentalit\u00e4t, Lebensart, P\u00e4dagogik und sonstige Umst\u00e4nde im Leben eines K\u00fcnstlers, eines Pianisten, das ist so informativ wie unterhaltsam und l\u00e4sst die Gegens\u00e4tze zwischen hier und dort sehr klar und machvollziehbar werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nat\u00fcrlich kommen alle wichtigen Zeitgenossen, Lehrer, Musiker und auch die entsprechenden Politiker vor, die es ja teilweise \u2013 vor allem durch die kafkaesk allm\u00e4chtige \u201e\u201eB\u00fcrokratia\u201c (sozialitische B\u00fcrokratja) unz\u00e4hligen K\u00fcnstlern verdammt schwer gemacht hat. Man denke nur an Schostakowitsch oder Weinberg&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass selbst so ber\u00fchmte M\u00e4nner wie Svjatoslav Richter in einer winzigen Wohnung hausen musste, wie viele andere seiner Kollegen samt ihren Familien auch, k\u00f6nnen wir uns heute nur schwer vorstellen. Dem gegen\u00fcber steht dennoch eine Art von Verbundenheit, wie sie vermutlich nur ein solches System als Gegenstr\u00f6mung hervorbringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hoteevs Urteile \u00fcber seine \u201eFavoriten\u201c\u00a0 &#8211; Richter und Gilels z. B. \u2013, aber auch \u00fcber seine Lehrer, von denen er allerdings eine ganze Anzahl \u201everschliss\u201c, wenn seine Mutter, \u00fcber die er den Kontakt zur deutschen Sprache und zur deutschen Kultur bekam, mit ihnen nicht mehr so recht einverstanden war, gehen \u00fcber \u00fcbliches \u201dname-dropping\u201c weit hinaus. Man sp\u00fcrt die ganze Liebe und Hochachtung, die Verbundenheit mit ihnen allen sehr deutlich. Die Unterschiede zwischen der \u201eLandstadt\u201c St. Peterburg und der \u201eHauptstadt\u201c Moskau spielen eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit am spannendsten allerdings ist dann die Suche nach den Originalen der drei(!) Klavierkonzerte Tschaikowskys, an denen der Herausgeber und bedeutende Komponist Sergej Tanejew in besten Absichten die meisten \u201eS\u00fcnden\u201c beging, die teilweise allerdings auch auf den Zustand der hinterlassenen Manuskripte zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Jedenfalls ist es Hoteev gelungen, die originalen Fassungen nach vielen Recherchen und Forschungen zu rekonstruieren und auch einzuspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein sehr empfehlenswertes Buch f\u00fcr alle, denen Klaviermusik und die Biographie eines ihrer bemerkenswertesten Zeitgenossen am Herzen liegt. Sie werden die Lekt\u00fcre nicht bereuen.<\/p>\n<p><strong>[Ulrich Hermann, September 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Pianist\u00a0 ANDREJ HOTEEV &#8211; Zwischen zwei Welten Herausgegeben von Gabriele Helbig Staccato Verlag ISBN 978-3-932976-70-4 Nie vorher geh\u00f6rt, den Namen Hoteev, aber entsprechend neugierig machte ich mich an die Lekt\u00fcre dieses Buches. 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