{"id":1897,"date":"2017-09-19T21:38:27","date_gmt":"2017-09-19T19:38:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1897"},"modified":"2017-09-19T21:38:27","modified_gmt":"2017-09-19T19:38:27","slug":"historisch-gehaltvolles","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/09\/19\/historisch-gehaltvolles\/","title":{"rendered":"Historisch-gehaltvolles"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Orfeo, C 916 172 A; EAN: 4 011790 916224<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0113.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1898\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1898\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0113-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"295\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0113-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0113-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0113.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hans Knappertsbuschs Konzert vom 14. Mai 1962 mit dem K\u00f6lner Rundfunkorchester in einem Programm bestehend aus Carl Maria von Webers Ouvert\u00fcre zur Oper Euryanthe op. 81, Ludwig van Beethovens Drittem Klavierkonzert c-Moll op. 37 und Johannes Brahms&#8216; Dritter Symphonie F-Dur op. 90 ist auf vorliegender Doppel-CD von Orfeo zu h\u00f6ren. Der Klaviersolist ist G\u00e9za Anda. Ein weiterer Live-Mitschnitt, vom 10. Mai 1963 mit Brahms&#8216; Variationen \u00fcber ein Thema von Joseph Haydn op. 56a, ist beigegeben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reihe Orfeo d&#8217;Or r\u00fcckt historische Liveaufnahmen ins Licht der heutigen Aufmerksamkeit. Einen ausgezeichneten Fang pr\u00e4sentiert sie mit der Entdeckung zweier Konzertaufnahmen aus den letzten Lebensjahren des Dirigenten Hans Knappertsbusch. In Mono gehalten, beleuchten sie seinen ausgereiften und gesetzten Dirigierstil zwar nicht in bester, doch ausreichender Audioqualit\u00e4t, um seine unglaubliche Intuition bez\u00fcglich der Musik zu offenbaren. Knappertsbusch war bekanntlich kein Freund des detaillierten Studiums und der langwierigen Arbeit an musikalischen Fragen. Umso erstaunlicher ist, wie viel er aus den Werken doch herausholte, wie genau er die Spannungsverh\u00e4ltnisse auszuloten und die Form zusammenzuhalten wusste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hervorgehoben sei allem voran eine Eigenheit, die Knappertsbusch ausmachte und die ich heute viel zu oft in Konzerten und Aufnahmen misse: Die Bewusstheit \u00fcber Entspannung. Schlie\u00dfende Phrasenenden l\u00f6sen Spannung auf, melodi\u00f6se Verl\u00e4ufe steigen nicht nur immer weiter bis zu einem finalen Schlag, sondern haben in den Regel eine Bogenform. Knappertsbusch wei\u00df, diese auch entsprechend musikalisch zu realisieren, die Kraftpole in der Waage zu halten. Als einem der ganz wenigen gelingt ihm dies in den ber\u00fcchtigten Tutti-Schl\u00e4gen, wenn &#8211; typisch gerade bei einem Solokonzert &#8211; am Ende einer Phrase das gesamte Orchester einen m\u00e4chtigen Akkord einwirft. Dieser wird von Knappertsbusch nicht unter den Teppich gekehrt, er beh\u00e4lt seine Markanz, f\u00fcgt sich jedoch in den Spannungskontext ein, ohne bezugslos herauszupoltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die tiefen Stimmen erhalten unter Knappertsbusch besondere Beachtung, sie haben Eigenst\u00e4ndigkeit und Luzidit\u00e4t, sind nicht blo\u00dfe St\u00fctzen f\u00fcr den Glanz der Oberstimmen. Als drittes Charakteristikum sei die rhythmische Impulsivit\u00e4t zu nennen, besonders in der Konfliktrhythmik zwei-gegen-drei besticht vorliegende Aufnahme durch absolutes Gegeneinanderlaufen der Schichten ohne jede klangliche Mischung oder Verschleifung. Der Effekt ist enorm, innerliche Unruhe und Zerrissenheit f\u00e4hrt dazwischen und hebt besagte Passagen von der umgebenden homogenen Rhythmik ab. In der Brahms-Symphonie sorgt dies f\u00fcr die n\u00f6tigen Kontraste, um die ausladende Form berechtigt erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso intuitiv und innerlich ersp\u00fcrt erklingt der Solopart des Dritten Klavierkonzerts von Beethoven unter den Fingern G\u00e9za Andas. Im ersten Satz nimmt er sich zwar einige oberfl\u00e4chliche Rubati heraus, um seine Virtuosit\u00e4t zu pr\u00e4sentieren, besticht daf\u00fcr aber auch durch tiefe Aussage und nat\u00fcrliche Phrasierung, die einige versteckte Aspekte dieser Musik offenlegt. Beispielhaft hierf\u00fcr sind die Gestaltung des Quartmotivs im ersten Satz oder die Hervorhebung anstatt Verschleierung enger gesetzter tiefer Akkordlagen mit all ihren dissonierenden Obert\u00f6nen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, September 2017] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orfeo, C 916 172 A; EAN: 4 011790 916224 Hans Knappertsbuschs Konzert vom 14. 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