{"id":1901,"date":"2017-09-22T21:29:11","date_gmt":"2017-09-22T19:29:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1901"},"modified":"2017-09-22T21:29:11","modified_gmt":"2017-09-22T19:29:11","slug":"daenische-miniaturen-im-energiesparmodus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/09\/22\/daenische-miniaturen-im-energiesparmodus\/","title":{"rendered":"D\u00e4nische Miniaturen im Energiesparmodus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dacapo 8.226091; EAN: 6 36943 60912 5<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0114.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1902\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1902\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0114-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"428\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0114-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0114-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0114.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Musik von Hans Abrahamsen ist auf der neuesten CD des d\u00e4nischen Ensembles MidtVest zu h\u00f6ren: neben zwei Originalkompositionen, den 10 Preludes (String Quartett Nr. 1) und den Sechs St\u00fccken f\u00fcr Violine, Horn und Klavier, auch Bearbeitungen von Erik Saties Trois Gymnop\u00e9dies und Carl Nielsens Fantasiest\u00fccken op. 2.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bisherige Schaffen Hans Abrahamsens l\u00e4sst sich klar in zwei Abschnitte untergliedern, die durch eine zehnj\u00e4hrige Schaffenspause voneinander getrennt sind. Der 1952 geborene D\u00e4ne begann als \u00e4u\u00dferst inspirierter, vielseitiger und offener Komponist, der seinen eigenen Stil zwischen verschiedenen Einfl\u00fcssen suchte und immer wieder auch fand. Er verschloss sich weder Formen und Ideen \u00e4lterer Zeit, noch Einfl\u00fcssen der &#8222;leichteren Muse&#8220;, und auch nicht neuen Techniken der Klangerzeugung. Vielleicht sind es gerade seine ersten gro\u00dfen Werke in den 1970er Jahren, die sein verbl\u00fcffendes Talent am kraftvollsten bezeugen. So auch sein immer wieder gespieltes Erstes Streichquartett, das aus zehn vollkommen unterschiedlichen Pr\u00e4ludien besteht, die in pr\u00e4gnanter K\u00fcrze kontrastierende Stile auskundschaften, bis das letzte beinahe H\u00e4ndel&#8217;sche Klangwelten aufst\u00f6\u00dft. In den 1980er Jahren hatte sich sein Stil gewisserma\u00dfen gefestigt, was ihn &#8211; wie in den Sechs St\u00fccken f\u00fcr Violine, Horn und Klavier eindeutig zu vernehmen &#8211; aber auch die Spontaneit\u00e4t und nicht zuletzt die Originalit\u00e4t ein St\u00fcck weit verlieren l\u00e4sst. In den 1990er Jahren schlie\u00dflich kam der gro\u00dfe Einschnitt, zehn Jahre lang gingen aus seiner Feder nur noch einige Arrangements hervor, wonach er zur Jahrtausendwende mit einem neuen, avantgardistischeren Stil wiederkehrte, der wenig von seiner urspr\u00fcnglichen Energie und Aussagekraft weiterleben l\u00e4sst. Aus der Zeit des Schweigens sind zwei Arrangements von Werken Saties und Nielsens zu h\u00f6ren, luzide im Klang und gar nicht \u00fcberladen in der Instrumentation. Was alle zu h\u00f6renden St\u00fccke eint, ist ihre miniaturistische K\u00fcrze, kein Satz \u00fcberschreitet die vier-Minuten-Grenze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ensemble MidtVest gibt sich wenig M\u00fche, diese St\u00fccke in ihrer janusk\u00f6pfigen Schlichtheit zu verstehen. Die Noten werden buchstabiert und pflichtbewusst dargeboten, damit endet allerdings auch die Erarbeitung. Selbst die ganz kurzen Miniaturen bekommen keinen Zusammenhalt, Phrasierung ist ebenso Fehlanzeige wie empathisches Eingehen auf die anderen Stimmen. Am ehesten versucht noch Peter Kirstein an der Oboe, in Nielsen und noch mehr in Satie musikalisch etwas tiefer Enthaltenes zu finden, was jedoch sogleich von den Streichern nivelliert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur weil ein Werk wenig bekannt ist, bedeutet das nicht, dass dem H\u00f6rer nicht auffallen k\u00f6nnte, wenn es leblos und &#8222;im Energiesparmodus&#8220; dargeboten wird &#8211; leider wird derart jedoch viel zu h\u00e4ufig ein Werk f\u00e4lschlicherweise als langweilig oder zusammenhangslos abgeurteilt, wenn es lediglich nicht ad\u00e4quat gespielt wird. Als Beweis der Hochwertigkeit dieser Musik sei w\u00e4rmstens die Aufnahme des Danish String Quartet des ersten Abrahamsen-Quartetts empfohlen (ECM 2453), die ganz andere Perspektiven er\u00f6ffnet, als nach dieser Aufnahme auch nur erahnt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, September 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dacapo 8.226091; EAN: 6 36943 60912 5 Musik von Hans Abrahamsen ist auf der neuesten CD des d\u00e4nischen Ensembles MidtVest zu h\u00f6ren: neben zwei Originalkompositionen, den 10 Preludes (String Quartett Nr. 1) und den Sechs St\u00fccken f\u00fcr Violine, Horn und Klavier, auch Bearbeitungen von Erik Saties Trois Gymnop\u00e9dies und Carl Nielsens Fantasiest\u00fccken op. 2. 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