{"id":1908,"date":"2017-09-29T16:04:20","date_gmt":"2017-09-29T14:04:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1908"},"modified":"2017-09-29T16:04:20","modified_gmt":"2017-09-29T14:04:20","slug":"polnischer-geist-in-franzoesischer-aufbereitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/09\/29\/polnischer-geist-in-franzoesischer-aufbereitung\/","title":{"rendered":"Polnischer Geist in franz\u00f6sischer Aufbereitung"},"content":{"rendered":"<p>Chandos, Chan 10983; EAN: 0 95115 19832 2<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0116.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1909\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1909\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0116-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"368\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0116-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0116-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/0116.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kammermusik von Szymon Laks spielt das ARC Ensemble (Joaquin Valdepe\u00f1as, Erika Raum, Marie B\u00e9rard, Steven Dann, Winona Zelenka, David Louie und Dianne Werner mit Sarah Jeffrey und Frank Morelli) f\u00fcr Chandos ein. Zu h\u00f6ren ist das Vierte Streichquartett, das Klavierquintett, das Divertimento f\u00fcr Violine, Klarinette, Fagott und Klavier, die Sonatine f\u00fcr Klavier, ein Concertino f\u00fcr Oboe, Klarinette und Fagott sowie die Passacaille<\/em> <em>in der Fassung f\u00fcr Klarinette und Klavier.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur, dass ein Gigant wie der polnische Komponist Szymon Laks endlich vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit r\u00fcckt, nein, auch die Aufnahmen werden immer begl\u00fcckender und geben fortw\u00e4hrend neue Facetten dieser faszinierenden Musik preis! Das ARC Ensemble pr\u00e4sentiert nun eine CD mit gemischtem Programm: Wie auf der k\u00fcrzlich besprochenen Aufnahme des Messages Quartet (DUX 1286) findet sich auch hier das Vierte Streichquartett und ebenfalls das Dritte, wenngleich nun in der 1967 entstandenen Fassung als Klavierquintett, welches meines Erachtens durch die geschickte Gegen\u00fcberstellung von Tasteninstrument und Streichern dem Werk noch mehr Kontrast und Plastizit\u00e4t verleiht. Die Sonatine f\u00fcr Klavier geh\u00f6rt zu den wenigen erhaltenen Werken, die vor dem Zweiten Weltkrieg geschrieben wurden, sie ist in franz\u00f6sischem Stil gehalten, wenngleich sie &#8211; nicht un\u00e4hnlich Chopin 100 Jahre zuvor &#8211; ihren polnischen Geist und Ursprung nicht verleugnet. Die Dualit\u00e4t der Nationalit\u00e4ten, Heimat und Wahlheimat, verbirgt sich auch nicht in sp\u00e4teren Kompositionen, wenngleich sie dort mehr als Randerscheinungen wahrgenommen wird, die einem unverkennbaren Personalstil weicht. Allgemein ist die Musik flie\u00dfend, hat einen leicht melancholischen Unterton und eine nicht immer vers\u00f6hnliche Ruhe. Sie ist &#8222;unzeitgem\u00e4\u00df&#8220;, folgt eigenen Regeln und nicht Moden und Trends. Durchgehend ist sie inspiriert und originell, es gibt darin keinen Platz f\u00fcr Verbrauchtes oder Standardisiertes, wobei zugleich auf stringenten Sinn und harmonische Geschlossenheit geachtet wird. Das d\u00fcsterste der zu h\u00f6renden Werke ist die Passacaille; kurz nach dem Krieg komponiert, geh\u00f6rt sie zu den ganz wenigen Sch\u00f6pfungen, in denen Laks tats\u00e4chlich Erlebtes zu verarbeiten scheint und nicht allein die Kunst f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst: Urspr\u00fcnglich als Vokalise gedacht, setzt sie dort an, wo die Worte enden. Sowohl das technisch anspruchsvolle und doch nie auf Effekt, sondern auf Leichtigkeit und Witz setzende Concertino als auch das beinahe Blues-artige Divertimento entstanden \u2013 ebenso wie die Quintettbearbeitung des Dritten Quartetts (urspr\u00fcnglich von 1945) und das Vierte Quartett \u2013 in den 1960er-Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sensibilit\u00e4t des ARC Ensemble ist bemerkenswert, feinsinnig und aktiv lauschend gehen sie auf die Musik Laks&#8216; ein und achten auf ihren nat\u00fcrlich-freien Verlauf. Jede Konstellation der Musiker wirkt miteinander vertraut und gut aufeinander eingerichtet, die Mitwirkenden verschmelzen mit einem einzigen, klar definierten Ziel vor Augen: der Musik selbst. Oberfl\u00e4chlichkeit tritt vollst\u00e4ndig in den Hintergrund, ebenso Effekthascherei. Das Verst\u00e4ndnis ist sp\u00fcrbar und das H\u00f6ren ein Genuss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, September 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chandos, Chan 10983; EAN: 0 95115 19832 2 Kammermusik von Szymon Laks spielt das ARC Ensemble (Joaquin Valdepe\u00f1as, Erika Raum, Marie B\u00e9rard, Steven Dann, Winona Zelenka, David Louie und Dianne Werner mit Sarah Jeffrey und Frank Morelli) f\u00fcr Chandos ein. 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