{"id":1945,"date":"2017-10-21T14:36:46","date_gmt":"2017-10-21T12:36:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1945"},"modified":"2017-10-21T14:36:46","modified_gmt":"2017-10-21T12:36:46","slug":"so-nah-und-doch-so-fern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/10\/21\/so-nah-und-doch-so-fern\/","title":{"rendered":"So nah und doch so fern"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naxos, 8.573586; EAN: 7 47313 35867 0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/0120.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1946\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1946\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/0120-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/0120-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/0120-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/0120.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Streichquartette von Frederick Delius und Edward Elgar sind auf der neuesten CD des Villiers Quartets zu h\u00f6ren, au\u00dferdem die Weltersteinspielung der Rekonstruktion Daniel Grimleys von zwei S\u00e4tzen der Erstfassung des Delius-Quartetts.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei britische Komponisten, zwei Streichquartette, beide in e-Moll und zur Zeit des Ersten Weltkriegs komponiert &#8211; und doch zwei vollkommen unterschiedliche und nicht vergleichbare Stilwelten. Gleich auf doppelte Weise werden diese auf vorliegender CD mit dem Villiers Quartet h\u00f6rbar, denn die Musiker gehen beide Quartette auf von Grund auf verschiedene Weisen an. Das Delius-Quartett ist recht homophon und schlicht gehalten, das Material auf ein Minimum reduziert. Entsprechend verschmelzen auch die Musiker zu einem einheitlichen Klangbild, aus dem die einzelnen Instrumente nur rudiment\u00e4r herauszuh\u00f6ren sind. Der musikalische Ablauf wird in homophonem Mischklang ohne Aufspaltung in die quartetttypische Vierstimmigkeit organisiert. Ganz anders das Quartett von Edward Elgar, nur ein Jahr nach dem von Delius vollendet, das sich auf der H\u00f6he der Polyphonie des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts befindet. Jede Stimme lebt f\u00fcr sich und nur kurzzeitig koppeln sich einmal zwei oder drei Stimmen aneinander, um durch diese Verst\u00e4rkung neue Kontraste zu schaffen. Das Villiers Quartet passt sich an, spaltet den &#8222;Delius-Gesamtklang&#8220; wieder auf in die einzelnen Instrumentenstimmen. So werden die vier Stimmen in ihrem Gegeneinander ausgelotet, treten in Wettstreit und bilden fortw\u00e4hrend neue Beziehungen, welche allerdings nur von kurzer Dauer sind, da auch die Musik sich schon wieder wandelt. Das Villiers Quartett flie\u00dft mit der Musik, geht feinf\u00fchlig auf ihre \u00c4nderungen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Vorgehen, den Stil des Spiels dem der Musik anzupassen, um noch n\u00e4her an sie heranzukommen, gelingt teilweise. Wo der vielstimmige Elgar farbenpr\u00e4chtig und frisch ert\u00f6nt, hat die klangliche Verschmelzung bei Delius zur Folge, dass viele Schattierungen und kurzzeitige Aufspaltungen in polyphonere Behandlung komplett verloren gehen. Andererseits phrasiert das Quartett &#8211; und dies ist mir unerkl\u00e4rlich &#8211; bei Delius wesentlich weniger als im Elgar-Quartett. Die Linien sind nivelliert, flach und monoton, schnell entsteht die Gefahr der Langeweile durch scheinbare \u00dcberl\u00e4nge, die bei hellwach gestaltendem und bewusstem Spiel jedoch nicht gegeben w\u00e4re. Lediglich im dritten Satz, &#8222;Late Swallows&#8220;, bringen die Musiker ein paar ansprechende Klangeffekte zur Entfaltung. Die Rekonstruktion der Erstfassung dieses Quartetts durch Daniel Grimley wird in gleichem Geist fortgesetzt. Aber die vier k\u00f6nnen es besser, und eben dies beweisen sie sogleich im anschlie\u00dfenden Quartett von Edward Elgar: Ungezwungen, lebendig und inspiriert, mit klarer Linienf\u00fchrung und wacher Interaktion zwischen den Musikern. Zumindest diese H\u00e4lfte des Stil-Experiments ist gelungen und beschert dem H\u00f6rer eine lohnenswerte halbe Stunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.573586; EAN: 7 47313 35867 0 Streichquartette von Frederick Delius und Edward Elgar sind auf der neuesten CD des Villiers Quartets zu h\u00f6ren, au\u00dferdem die Weltersteinspielung der Rekonstruktion Daniel Grimleys von zwei S\u00e4tzen der Erstfassung des Delius-Quartetts. 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